"Ein Schock kurz vor Olympia!" Wie DSC-Coach Waibl über Nacht zum Bundestrainer wurde

Dresden - Über Nacht ist Dresdens Volleyball-Coach Alexander Waibl (56) in der vergangenen Woche zum neuen Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft erkoren worden.

Mit seiner Frau Stefanie (37, geb. Karg) hat Alexander Waibl drei Söhne, da mussten einige Dinge vor der Zusage geklärt werden.
Mit seiner Frau Stefanie (37, geb. Karg) hat Alexander Waibl drei Söhne, da mussten einige Dinge vor der Zusage geklärt werden.  © Lutz Hentschel

TAG24 hat mit dem DSC-Erfolgsgaranten (vier Meistertitel, vier Pokalsiege, ein Europacup-Titel) über die acht Stunden zwischen dem ersten Kontakt und der Unterschrift, die Herausforderungen in den kommenden Wochen und die Zukunft beim DSC gesprochen.

TAG24: Wie viele Stunden hatten Sie eigentlich Zeit, sich zu entscheiden und mit Ihrer Frau Stefanie, mit der Sie drei Söhne im Alter von einem bis acht Jahre haben, zu klären, ob Sie die Aufgabe annehmen?

Alexander Waibl: Zwischen dem ersten Kontakt in der Nacht zu Freitag und dem finalen Gespräch mit dem Sportdirektor und Sportvorstand Jaromir Zachrich lagen rund acht Stunden. Ich habe eigentlich gleich gesagt, ich mache es. Ich saß mit meiner Frau an einem Tisch, als die Anfrage kam. Sie hat auch sofort zugestimmt. Erst im Laufe des Tages, als wir uns den Terminkalender angesehen haben, mussten wir kurz überlegen, wie wir das lösen.

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TAG24: Welche Lösungen haben Sie gefunden, schließlich haben Sie einen schulpflichtigen Sohn, einen im Kindergarten und den Kleinsten in der Betreuung bei einer Tagesmama. Ihre Frau arbeitet als Lehrerin am Gymnasium ...

Alexander Waibl: Ich habe die Schwiegermama Freitagmorgen angerufen und ein wenig herumgedruckst und sie dann gefragt, ob sie sich denn vorstellen könne, jede Woche von Sonntag bis Donnerstag bei Steffi zu sein. 'Ja, klar' hat sie sofort gesagt. Dafür sei eine Oma ja da. Das ist toll und von da an war die Planung etwas leichter.

So reagierte der DSC auf die Anfrage des DVV an Alexander Waibl

Seit 2009 ist Waibl Trainer beim DSC, hat in der Zeit viermal die Meisterschale, viermal den DVV-Pokal und einen Titel im Europacup nach Dresden geholt.
Seit 2009 ist Waibl Trainer beim DSC, hat in der Zeit viermal die Meisterschale, viermal den DVV-Pokal und einen Titel im Europacup nach Dresden geholt.  © IMAGO / Pressefoto Baumann

TAG24: Wie hat der DSC, seit 15 Jahren Ihr Arbeitgeber, auf die Anfrage reagiert?

Alexander Waibl: Ich habe Sandra (Zimmermann, Geschäftsführerin des DSC, Anm. d. Red.) über die Situation informiert. Aber das Thema war für sie nicht neu, weil wir darüber schon einmal gesprochen hatten, bevor Vital (Heynen, Anm. d. Red.) Trainer wurde. Deswegen wusste ich, dass Sandra eine hohe Bereitschaft hat, mir das zu ermöglichen, unter der Voraussetzung, dass der DSC nicht darunter leidet.

TAG24: In der Pressemitteilung des Deutschen Volleyball-Verbandes hieß es, Sie seien der Wunschkandidat der Spielerinnen. Ist das eine besondere Ehre?

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Alexander Waibl: Natürlich! Es ist für einen Sportler ein Schock, kurz vor Olympia zu erfahren, dass der Trainer nicht mehr da ist. Dann hat sich ein gewisser Kreis beraten und Gedanken gemacht. Ich weiß, dass der Kern sich das gewünscht hat, das macht die Aufgabe leichter.

Fast alle Nationalspielerinnen haben schon einmal mit Alexander Waibl zusammengearbeitet

Lena Stigrot (29) ist Kapitänin der Nationalmannschaft, holte unter Waibl mit dem DSC 2020 den Pokalsieg und 2021 den Deutschen Meistertitel.
Lena Stigrot (29) ist Kapitänin der Nationalmannschaft, holte unter Waibl mit dem DSC 2020 den Pokalsieg und 2021 den Deutschen Meistertitel.  © Lutz Hentschel

TAG24: Fast alle Spielerinnen haben Sie, bis auf wenige Ausnahmen, selbst beim DSC, in der U23 oder bei der Universiade 2019 betreut, macht es das leichter?

Alexander Waibl: Genau. Ich habe das Glück, dass ich fast alle kenne, das ist ein Riesenvorteil, denn wir haben jetzt so gut wie keine Zeit. Ich werde mit den Spielerinnen sprechen, in welchen Systemen sie sich wohlfühlen, um dann von meiner Seite nur kleinere Anpassungen vorzunehmen. Das Gute ist, dass viele von ihnen bei mir oder bei Konstantin Bitter gespielt haben, der auch vorwiegend mit meinen Systemen agiert. Dadurch ist eine Kenntnis prinzipiell von dem, was wir machen, da. Der Vorteil ist, dass ich nicht fünf Trainings brauche, um alle Spielerinnen beurteilen zu können. Mit einer Lina Alsmeier habe ich beispielsweise bei der Universiade ganz toll zusammengearbeitet.

TAG24: Die Volleyball Nations League wird entscheidend für die Qualifikation sein, dort müssen Sie versuchen, in der Weltrangliste noch von Platz zwölf aktuell auf Platz zehn zu kommen. Wie schwer wird das und hatten Sie mit der Kaderliste, die bereits steht, etwas zu tun?

Alexander Waibl: Nein, darauf hatte ich keinen Einfluss, der Stichtag ist vorbei und daran lässt sich nichts mehr ändern. Wenn man die Faktenlage betrachtet, müssten wir allein in der ersten Woche aus den vier Spielen gegen Frankreich, Italien, Japan und die Niederlande drei Siege holen. Wir haben bei der EM mit den Niederlagen gegen Schweden und Tschechien leider viele Punkte in der Weltrangliste verloren.

Alexander Waibl über die Olympia-Quali: "Wenn ich nicht dran glauben würde, hätte ich die Aufgabe nicht übernommen"

2016 gewannen Mareike Hindriksen (36) und Waibl das Double mit dem DSC, nun ist sie in der Auswahl seine Co-Trainerin.
2016 gewannen Mareike Hindriksen (36) und Waibl das Double mit dem DSC, nun ist sie in der Auswahl seine Co-Trainerin.  © Lutz Hentschel

TAG24: Puh, das klingt hart gegen diese hochkarätigen Teams. Für wie realistisch halten Sie das Lösen des Tickets nach Paris noch?

Alexander Waibl: Wir haben kaum Zeit zu arbeiten, wichtige Spielerinnen sind noch im Finale zwischen Schwerin und Stuttgart. Es kann sein, dass wir nur drei Trainings vor dem ersten Testspiel haben. Das ist alles sehr speziell, aber weil es so speziell ist, kann es vielleicht auch möglich sein. Denn manchmal sind vielleicht außergewöhnliche Situationen nötig, um Großes zu schaffen. Es ist nicht leicht, wir gehen vielleicht aus der sechsten Startreihe ins Rennen, aber es ist möglich. Wenn ich daran nicht glauben würde, hätte ich die Aufgabe nicht übernommen und es ist die einzige Herangehensweise, die eine Chance auf Erfolg gibt.

TAG24: Auf der Liste für die VNL steht die ehemalige Kapitänin Margareta Kozuch (37). Gab es Kontakt zu ihr und wird sie tatsächlich dabei sein?

Alexander Waibl: Nein, von meiner Seite gab es keinen Kontakt und es ist kein Thema. Sie ist auch nicht zum Lehrgang nach Kienbaum angereist.

TAG24: Wie wird denn Ihr Staff aussehen?

Alexander Waibl: Die Co-Trainer sind Martin Frydnes aus Schwerin, Florian Völker aus Erfurt und Mareike Hindriksen aus Aachen. Athletiktrainer ist Rett Larson aus den USA.

TAG24: Egal, ob Sie das Ticket für Paris lösen oder nicht, im August steht noch die EM-Qualifikation an.

Alexander Waibl: Genau, wir spielen am 23. oder 24. August in der Schweiz und am 27. oder 28. August zu Hause in Schwerin gegen Finnland. Im kommenden Jahr finden die Rückspiele statt.

TAG24: Muss der DSC sich Sorgen machen, dass Sie nach dem August nicht zurückkehren?

Alexander Waibl: Nein, die Dinge sind ganz klar besprochen.

Titelfoto: IMAGO / Pressefoto Baumann

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