Wirbel um Höhenmasken nach tragischem Tod von Biathlon-Star: Wussten Trainer und Verband doch mehr?

Oslo (Norwegen) - Nach dem bis jetzt unaufgeklärten Tod von Biathlon-Star Sivert Guttorm Bakken (†27) gibt es neuen Wirbel in Norwegen. Wussten die Trainer und der Biathlon-Verband doch mehr, als sie zugeben?

Sivert Guttorm Bakken (†27) wurde kurz vor Weihnachten tot in seinem Hotelzimmer in Italien gefunden.  © Vesa Moilanen/Lehtikuva/dpa

Diesen Verdacht legt jetzt eine Enthüllung von "Dagbladet" nahe. Denn zwei Nachwuchstrainer brechen nun ihr Schweigen und machen klar, dass die Coaches schon lange vor dem Tod wussten, dass vier Athleten, darunter Bakken, sogenannte Höhenmasken genutzt haben, auch wenn sie weiterhin betonen, es sei kein Teil des organisierten Trainingsprogramms gewesen.

Als der Biathlet am Morgen des 23. Dezembers tot in seinem Hotelbett im italienischen Lavazè gefunden wurde, trug er eine solche Maske, die in dem Moment auf 7000 Meter Höhe eingestellt gewesen sein soll.

Bislang ist immer noch nicht geklärt, ob die Nutzung der Höhenmaske zum Tode des Athleten führte oder ob es eine andere Ursache gibt. Die italienischen Behörden wollten Anfang März ihre Untersuchungsergebnisse offenlegen, haben dies aber bislang nicht getan.

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Kurz nach Bekanntwerden des tragischen Todes des Mitglieds der norwegischen Nationalmannschaft hatte der Verband in einer Mitteilung erklärt, dass nach dem Tod bekannt wurde, dass sich einige Athleten die Maske beschafft hätten. Ihr Einsatz sei jedoch nicht "Teil des organisierten Trainingsprogramms des Norwegischen Biathlon-Verbandes", heiß es weiter.

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Ein Experte, der den Verband berät, leitete ausgerechnet im Oktober 2025 eine Studie zu Höhenmasken

Nach dem Staffel-Silber bei den Olympischen Winterspielen gedachten die norwegischen Männer ihrem verstorbenen Teamkollegen.  © FRANCK FIFE / AFP

Anders Brun Hennum (38), der Entwicklungsleiter im norwegischen Biathlon, und Anders Øverby (32), der Trainer der Nachwuchs-Nationalmannschaft, bestätigen in einer Textnachricht an "Dagbladet", dass sie wussten, dass sich die Masken regelmäßig im Einsatz befinden und dass insgesamt vier Athleten sie genutzt hätten.

Erst kürzlich hatte die Zeitung enthüllt, dass die Verwendung der Maske nicht nur durch einzelne Athleten initiiert wurde.

Demnach hatte der Experte Bent Rønnestadt (49), der zu 20 Prozent bei Olympiatoppen (eine Art Verband für die Entwicklung norwegischer Spitzensportler) angestellt ist, im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit dem Skischützenverband über Beiträge zur Optimierung von Training und Tests regelmäßigen Austausch mit den Trainern.

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Sie bestreiten, dass es dabei um die Höhenmasken ging, allerdings leitete der Professor ausgerechnet im vergangenen Herbst ein Forschungsprojekt zum Einsatz des Trainingshilfsmittels. In dem Zuge gab er sogar den Athleten den Tipp, sich diese bei der spanischen Firma Altitude Zone zu beschaffen.

Unwahrscheinlich, dass sowohl Rønnestadt als auch die Athleten über die Beschaffung und den Einsatz im Alleingang entschieden haben.

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