Bob-Pilot boykottiert Unglücks-Bahn in Altenberg: Betreiber wehrt sich gegen neue Vorwürfe
Altenberg - In der kommenden Woche macht der Bob-Weltcup Station in Altenberg. Nicht mit von der Partie ist der Schweizer Bobpilot Michael Vogt (28): Nach seinem schlimmen Sturz vor zwei Jahren, der seinen Anschieber Sandro Michel (29) beinahe das Leben kostete, boykottiert er die Bahn. Erneut erhebt er schwere Vorwürfe, gegen die sich der Betreiber des Eiskanals wehrt.
Mit Unterstützung des Schweizer Bob-Verbands zog sich Vogt vom letzten Weltcup der Saison zurück, sieht sich nicht in der Lage, in Altenberg an den Start zu gehen.
"Ich fahre nicht auf einer Bahn, wo einer unserer Anschieber fast gestorben wäre und sich seither nichts geändert hat", betonte der 28-Jährige im Schweizer Blick.
Das sieht der Betreiber entschieden anders.
"Wir respektieren die persönliche Entscheidung des Schweizer Bobpiloten Michael Vogt, auf einen Start beim Weltcup kommende Woche in Altenberg zu verzichten. Allerdings entspricht die Aussage, dass seit 2024 keinerlei Fortschritte erzielt wurden, nicht der Realität", teilte der Eiskanal gegenüber TAG24 mit.
So habe es drei große Sicherheitskonferenzen gegeben, konkrete Maßnahmen wurden bereits umgesetzt oder befänden sich in der Umsetzung.
Eine davon ist, dass in Altenberg zusätzliches, speziell geschultes Personal im Auslauf postiert wird, das das Zurückrutschen eines gestürzten Bobs verhindern soll: "Das ist in vielen Fällen bereits gelungen, eine 100-prozentige Garantie kann es aber nicht geben – weder in Altenberg noch anderswo."
Bobbahn in Altenberg testet Sicherheits-Innovationen
Genau so war es zum folgenschweren Unfall von Vogt gekommen. Nach einem Sturz in Kurve 13/14 war der umgekippte Bob zurückgerutscht und hatte dabei den aus dem Schlitten geschleuderten, bewusstlos in der Bahn liegenden Michel überfahren. Der Schweizer zog sich schwerste Verletzungen im Brust- und Becken-/Oberschenkelbereich zu und kämpft rund zwei Jahre später noch immer für ein Comeback.
Mit einer geplanten Innovation hätte jedoch potenziell verhindert werden können, dass Michel überhaupt aus dem Bob gefallen war: Am Eiskanal in Altenberg liefen bereits Tests für ein Gurtsystem für Bremser, das schon ab der kommenden Saison wettbewerbsübergreifend eingesetzt werden könnte. Auch an einer Verbesserung des Kopfschutzes wird gearbeitet, es wurde bereits ein Prototyp vorgestellt.
Der Betreiber verweist zudem darauf, dass die Bahn sowohl vom Bob- und Skeleton-Weltverband als auch von den Rodlern für Rennen freigegeben wurde - darüber hinaus kommuniziere man ganz offen, "was wir können, aber auch unsere Grenzen".
Für Vogt reichen die getroffenen Maßnahmen aber nicht - statt beim Weltcup-Finale in Altenberg geht der Schweizer deshalb in der kommenden Woche beim Europacup in Innsbruck an den Start.
Titelfoto: Bildmontage: IMAGO / Eibner, Lutz Hentschel

