Lindsey Vonn spricht über ihre Höllenqualen nach Olympia-Sturz: "Schrie aus voller Kehle"

Park City (USA) - Es war eine der bewegendsten Szenen der Olympischen Winterspiele: Lindsey Vonn (41) verunglückte in der Abfahrt schwer. Weil Kameras und Mikrofone weiter draufhielten, hörte die ganze Welt ihre Schmerzensschreie. Nun erinnert sie sich erstmals selbst öffentlich an den Moment zurück, der sie beinahe ihr Bein kostete.

Ein kleiner Fahrfehler wurde Lindsey Vonn (41) in der Olympia-Abfahrt zum Verhängnis.  © Jacquelyn Martin/AP/dpa

Nach einem kleinen Fahrfehler fädelte Vonn mit dem Arm in ein Tor ein, stürzte dadurch schwer und überschlug sich, ihre Skier allerdings lösten sich nicht. Als sie schließlich auf der Strecke zum Halt kam, hatte sich ihr linkes Bein deshalb furchtbar verdreht.

"Mein Bein war gebrochen. Ich hatte noch meine Skier an. Mein Bein war verdreht, und ich konnte meine Skier nicht ausziehen. Ich konnte mich nicht bewegen und schrie um Hilfe", schilderte die US-Amerikanerin die schrecklichen Momente bei Vanity Fair.

Doch der Sturz an sich sollte nicht das Schlimmste bleiben, das die 41-Jährige erdulden musste. Nachdem sie in ein Krankenhaus gebracht worden war, wurde ein CT von ihrem Bein gemacht, doch die dafür verabreichten Schmerzmittel verloren schnell ihre Wirkung.

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"Nach der Hälfte fing ich an zu schwitzen. Ich hatte einfach so extreme Schmerzen. Ich schrie aus voller Kehle: 'Holt mich hier raus.' Es wollte einfach nicht nachlassen. Es hörte nicht auf. Das hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt", erinnerte sich Vonn.

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So schlimm stand es um Lindsey Vonns Bein

Zum ersten Mal spricht die US-Amerikanerin öffentlich über die Momente ihres Sturzes.  © Michael Kappeler/dpa

Nach einer stabilisierenden OP an ihrem Bein schien es der Spitzen-Abfahrerin zunächst besser zu gehen, doch in der ersten Nacht im Krankenhaus wachte Vonn plötzlich mit einem enorm geschwollenen Bein auf - sie litt an einem Kompartmentsyndrom, bei dem immer mehr Blut in den betroffenen Körperteil läuft und keinen Ausweg hat.

"Sie haben sicher schon mal Hot Dogs oder Bratwürste auf dem Grill gesehen. Sie schwellen immer mehr an. Dann platzen sie plötzlich", beschrieb Vonns Arzt Dr. Tom Hackett dieses Phänomen sehr plastisch: "Es bestand eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie die gesamte Funktion ihres Beins verlieren würde, wenn nicht sogar das Bein selbst."

Drei weitere Operationen retteten zunächst Vonns Bein vor dem Kompartmentsyndrom, danach durfte die 41-Jährige schließlich in die USA überstellt werden - eine riesige Erleichterung für die Olympiasiegerin von 2010.

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Schließlich hatte sie gerade eine der schlimmsten Erfahrungen ihres Lebens in einem Land gemacht, dessen Sprache sie nicht spricht, war nur durch einen Vorhang von anderen Patienten getrennt, als ihr Bein beinahe amputiert werden musste. "Es hat all meine Kraft gekostet, nicht den Verstand zu verlieren", sagte Vonn.

Noch immer verfolgt sie das Geschehene. So machen Vonn ihre täglichen Besuche in einer Hyperbaren Kammer, die die Heilung beschleunigen sollen, zu schaffen, weil es sie an das traumatische Erlebnis im CT erinnert.

Doch die viermalige Gesamtweltcupsiegerin ist eine Kämpferin, arbeitet jeden einzelnen Tag stundenlang an ihrer Genesung - und will sogar ein Comeback in der Zukunft nicht ausschließen: "Ich schließe mir nicht gerne Türen, denn man weiß einfach nie, was passieren wird."

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