Garmisch-Partenkirchen - Im März sorgte die Anzug-Manipulation der Norweger für ordentlich Wirbel im Skisprung-Zirkus. Seither springen die Norweger hinterher - jetzt kommen ausgerechnet aus dem skandinavischen Land Betrugsvorwürfe gegen einen Österreicher. Sowohl er selbst als auch der Deutsche Karl Geiger (32) wiegeln ab.
Im Fokus steht Manuel Fettner (40) - norwegische Medien wie unter anderem Dagbladet zweifelten an der Legalität der Bindung des ÖSV-Routiniers. Sie sehe "selbstgebaut" "verdächtig" und potenziell sogar "illegal" aus, schrieb das Blatt und publizierte Fotos von Fettners Bindung beim Auftaktspringen in Oberstdorf, um den Punkt zu untermauern.
Zudem seien die ÖSV-Springer gebeten worden, zwischen dem ersten und zweiten Durchgang ihre Bindungen zu wechseln - mit dem Ergebnis, dass viele Österreicher im zweiten Durchgang noch abgerutscht seien.
Fettner, der seine Karriere nach dieser Saison beenden wird, ist sich allerdings keiner Schuld bewusst.
"Es ist einfach ein bisschen traurig, wenn die Medien, sobald sie irgendetwas bekommen, nicht prüfen, ob da etwas dran ist oder nicht und es gleich publizieren. Vom Medium her schwach", kritisierte der 40-Jährige Krone zufolge: "Aber mich belastet es nicht, weil ich weiß, dass es bei mir passt. Deshalb ist es mir wurscht, aber ich finde es schade."
Unterstützung bekam der Österreicher dabei aus dem DSV-Lager.
"Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn man selbst betrogen hat und das dann anderen unterstellt. Das ist nicht unbedingt die beste menschliche Art. Das gehört sich einfach nicht", machte Geiger, der zwar in der Formkrise steckt, in Garmisch-Partenkirchen aber immerhin den Wettbewerb erreichte, nach der Qualifikation an Silvester klar.
Skispringen: FIS stellt klar - Kein Betrug von Manuel Fettner
Ohnehin nahm der Weltverband FIS den Vorwürfen aus Norwegen schnell den Wind aus den Segeln. "Viel Lärm um nichts", zitiert die Krone einen FIS-Sprecher: "Ein ganz alter Kuchen."
Das passt mit den Aussagen von ÖSV-Coach Andreas Widhölzl (49) zusammen, der betont, dass die modifizierte Bindung Fettners bereits seit rund zehn Jahren in Benutzung und vor allem genehmigt sei.
Das bestätigte auch Materialkontrolleur Mathias Hafele (42), der seit dieser Saison im Einsatz ist und auch vor harten Entscheidungen wie der Disqualifikation des zweitplatzierten Slowenen Timi Zajc (25) beim Auftaktspringen in Oberstdorf nicht zurückschreckt.
Fettners besondere Skischuhspitze mache die Modifikation der Bindung notwendig, sagte der ehemalige Skispringer: Der Österreicher habe keinen Vorteil davon.