Kriminalität im Ländle sinkt - doch häusliche Gewalt auf Zehnjahreshoch
Von Nico Pointner
Stuttgart - Betrug, Diebstahl, Mord - jede Minute wird im Südwesten eine Straftat verübt. Das klingt nach viel, aber: Baden-Württemberg wird grundsätzlich immer sicherer.
Das geht aus der neuen Kriminalstatistik hervor, die Innenminister Thomas Strobl (65, CDU) in Stuttgart vorstellte. Ausgerechnet bei Partnerschaftsgewalt, Cyber-Schäden und Telefonbetrug gehen die Zahlen aber nach oben. Während die Gesamtkriminalität sinkt, erreicht die häusliche Gewalt ein Zehnjahreshoch.
Insgesamt sank die Zahl der Straftaten der sogenannten Allgemeinkriminalität - der Gesamtstraftaten ohne ausländerrechtliche Verstöße - um 5,7 Prozent auf rund 522.000 Fälle - rund 30.000 weniger als im Vorjahr.
Insgesamt ging die Zahl der Straftaten im Jahr 2025 um 6,1 Prozent auf 551.295 Straftaten zurück. "Baden-Württemberg ist und bleibt eines der sichersten Länder", so Strobl. Die Aufklärungsquote lag mit 60,5 Prozent erneut über der Marke von 60 Prozent.
Zu den Ursachen des Rückgangs können die Experten nur mutmaßen. Polizeipräsidentin Stefanie Hinz betont die gute Arbeit der Ermittler, etwa die Zusammenarbeit mit Banken im Kampf gegen Geldautomatensprenger.
Partnerschaftsgewalt besonders alarmierend
Besonders alarmierend ist jedoch die Entwicklung bei der Partnerschaftsgewalt. Die Zahlen stiegen 2025 um 2,1 Prozent auf rund 17.400 Fälle - der höchste Stand seit zehn Jahren. 19 Menschen kamen im Zusammenhang mit Partnerschaftsgewalt ums Leben.
"Häusliche Gewalt zerstört Vertrauen, Familien, Sicherheit", sagte Strobl. Jeden Tag habe die Polizei in Baden-Württemberg rund 50 Fälle von Partnerschaftsgewalt und rund 30 verletzte Opfer in dem Bereich registriert.
Knapp 80 Prozent der Opfer sind Frauen, fast 80 Prozent der Tatverdächtigen Männer. Rund drei Viertel der Taten sind Körperverletzungen.
Laut Innenministerium wird nur etwa jeder zehnte Fall angezeigt. Das Land will deshalb in Hochrisikofällen häuslicher Gewalt künftig eine elektronische Aufenthaltsüberwachung, also Fußfessel, ermöglichen.
Titelfoto: Bildmontage: Christoph Schmidt/dpa, Maurizio Gambarini/dpa

