Balan Wonderworld im Test: Ein wirklich schwieriger Fall!

Wonderworld - Mit "Balan Wonderworld" veröffentlicht Square Enix einen farbenfrohen Action-Plattformer, der auf den ersten Blick höchst ambitioniert klingt. Zwölf verschiedene Geschichten und über 80 unterschiedliche Kostüme, die jeweils eigene Fähigkeiten mit sich bringen, sollten beispielsweise der kürzlichen Neuauflage von "Super Mario 3D World" im Jump'n'Run-Sektor Konkurrenz machen. Ob das tatsächlich gelungen ist, erfahrt Ihr im Test.

Maestro Balan steckt Protagonist Leo kurzerhand in seine Fantasiewelt. Das passiert zu Beginn alles so schnell, dass man gar nicht weiß, was Sache ist.
Maestro Balan steckt Protagonist Leo kurzerhand in seine Fantasiewelt. Das passiert zu Beginn alles so schnell, dass man gar nicht weiß, was Sache ist.  © Balan Company/Square Enix

Man musste sich im Vorfeld der Veröffentlichung zwangsläufig große Sorgen um "Balan Wonderworld" machen. Square Enix gab im Januar eine Demo des Spiels frei, die, milde gesagt, katastrophal bei den Spielern ankam.

Vom "schlechtesten Spiel aller Zeiten" war dabei schon die Rede, noch bevor das Abenteuer rund um Maestro Balan überhaupt auf dem Markt war. In den sozialen Netzwerken und auf YouTube hagelte es Kritik. Der Switch-Trailer zum Spiel hat deutlich mehr Daumen runter als hoch.

Doch was wurde bemängelt? Zum einen gab es zahlreiche Bugs und Abstürze, zum anderen gestaltete sich das Move-Set des Protagonisten in den Augen vieler Spieler sehr eindimensional.

Liest man sich allerdings durch die Foren, wird schnell klar, dass es nichts direkt Spezifisches war, was viele am quietschbunten Hüpfabenteuer abschreckte. Manchen gefiel die Grafik nicht, anderen die kindliche Präsentation.

In jedem Fall hätte die Werbung für "Balan Wonderworld" nicht verheerender sein können. Dass Square Enix innerhalb von zwei Monaten ihr komplettes Spiel über den Haufen werfen würde, war allerdings auch undenkbar. Ist der Ausflug in die Wunderwelt jetzt tatsächlich so eine Gurke, wie viele befürchtet hatten?

Ein schwer zu beschreibender Fall

Über 80 unterschiedliche Kostüme gibt es in den unterschiedlichen Abschnitten zu finden. Mit diesem Exemplar hier erzeugt Ihr beispielsweise Blasen, die Euch eine Zeitlang schweben lassen.
Über 80 unterschiedliche Kostüme gibt es in den unterschiedlichen Abschnitten zu finden. Mit diesem Exemplar hier erzeugt Ihr beispielsweise Blasen, die Euch eine Zeitlang schweben lassen.  © Balan Company/Square Enix

Grundsätzlich klingt die Idee ja interessant. Wahlweise werdet Ihr als Leo und Emma von Meister Balan recht schnell und ohne Erklärung in seine bunte Traumwelt geschleudert. Dort gilt es, zwölf Geschichten zu einem positiven Ende zu führen.

Ihr helft einem Bauer mit seiner Ernte wieder auf die Sprünge, macht eine Insektenliebhaberin von der Außenseiterin zur Schulheldin und sorgt dafür, dass eine junge Taucherin das Trauma um ihren Lieblingsdelfin überwindet. Die dazugehörigen Sequenzen sehen besonders auf den Next-Gen-Konsolen ziemlich stark aus.

Das sorgt aber dafür, dass die eigentliche Gameplay-Grafik, gerade bei der Switch-Version, durchaus abschrecken kann. Trotz massiv vieler Farben wirkt mancher Abschnitt zumindest etwas lieblos. Man hat stetig das Gefühl, dass man, gerade in diesem Genre, alles schon einmal deutlich besser gesehen hat.

Das beginnt bereits am zentralen Punkt, der sogenannten "Tim-Insel". Die titelgebenden Tims sind kleine ähh Fellknäuel, die Ihr mit gefundenen Edelsteinen füttern könnt, damit sie - quasi als Nebenaufgabe - dafür die Insel aufbauen.

Von der Insel aus gelangt Ihr in die einzelnen zwölf Geschichten, die jeweils in mehrere Kapitel unterteilt sind. Neue Areale schalten sich frei, wenn man genügend Balan-Statuen in den einzelnen Levels gefunden hat. Die goldenen Figuren sind teilweise recht gut versteckt, wodurch mehrmaliges Spielen der Geschichten Pflicht wird.

Das alles ist unkompliziert und nett, allerdings fehlt es dabei an Wow-Effekten. Etwas mehr Mut, gerade was die Level-Architektur angeht, hätte es durchaus vertragen können.

Masse statt Klasse?

In den zwölf Kapiteln erwarten Euch unterschiedliche, abgehackt inszenierte Geschichten. Hier muss eine Taucherin das Trauma mit ihrem Lieblingsdelfin überwinden.
In den zwölf Kapiteln erwarten Euch unterschiedliche, abgehackt inszenierte Geschichten. Hier muss eine Taucherin das Trauma mit ihrem Lieblingsdelfin überwinden.  © Balan Company/Square Enix

Die Highlights des Spiels sollen die Kostüme darstellen. Euer Held kann in über 80 unterschiedliche Outfits schlüpfen, die allesamt andere Fähigkeiten gewähren.

Eines macht den Spieler zur Elektroqualle, ein anderes lässt Euch schweben und wieder ein anderes verwandelt den Helden in einen Wolf, der per Drehattacke Gegner aus dem Weg räumt.

Die Auswahl ist breit gefächert und motiviert in jedem neuen Level, weil man erfahren möchte, was als nächstes zur Fähigkeitenpalette hinzukommt. Schaut man aber etwas genauer hin, wird schnell klar, dass sich viele Skills am Ende doch sehr ähneln.

Sei es eine leicht veränderte Variante, Kontrahenten zu besiegen oder etwas höher, weiter, schneller zu springen - weniger Kostüme, die zum Teil komplexere Fähigkeiten bieten, wären hier vielleicht die bessere Wahl gewesen.

Die Intention war sicherlich, den Sammeltrieb, der durch die Vielzahl an Kristallen, die in den Levels zu finden sind, schon gegeben ist, noch weiter zu entfachen. Trotzdem sind im Test viele Kostüme dadurch im Schatten anderer innovativer Verkleidungen untergegangen.

Fazit zu Balan Wonderworld

Auch nach vielen Stunden Spielzeit kann ich wirklich nicht genau sagen, was ich von "Balan Wonderworld" halten soll. Der schlimme Ersteindruck der Demo konnte sich in meinen Augen nicht bestätigen, jedoch fehlt es dem Spiel irgendwie an Herz und Seele, was der Held ironischerweise in den einzelnen Geschichten finden will. Man kann nicht wirklich sagen, dass das Abenteuer von Square Enix grobe Fehler macht, dennoch hatte ich stetig das Gefühl, dass alles nicht so recht zusammenpassen will.

Die Kämpfe sind trotz Kostümvielfalt recht anspruchslos, grafisch machen die Sequenzen einiges her, nur um mir in den einzelnen Geschichten zu zeigen, dass die Levelabschnitte nicht mehr so schön aussehen. Die Musik spielt in einigen Abschnitten groß auf, während andere den Spieler durch nervige Düdel-Melodien dazu zwingen, in den Einstellungen etwas herumzuschrauben.

So ging es mir ungelogen die ganze Spielzeit lang. Ein ständiges Für und Wider, das ich gar nicht so richtig beschreiben kann. So ist "Balan Wonderworld" wirklich kein schlechtes Videospiel, aber eben auch kein wirklich gutes. Vielleicht trifft hier das Prädikat Geschmackssache tatsächlich am besten zu, weil unter Umständen gerade die jüngere Generation, an die das Spiel gerichtet ist, keinerlei Verständnis dafür hat, was ich in diesem Test kritisiere.

Titelfoto: Balan Company/Square Enix

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