The Dark Pictures - House of Ashes im Test: Horrorkino oder Gruselflop?

Leipzig - Alle Jahre wieder! Pünktlich kurz vor Halloween beglückt Euch Supermassive Games auch dieses Mal mit einem neuen Teil der "The Dark Pictures Anthology". "House of Ashes" möchte dabei das Rad nicht neu erfinden, jedoch nicht an den Vorgänger und absoluten Tiefpunkt der Reihe "Little Hope" anknüpfen. Ob das geklappt hat, soll der TAG24-Test zeigen.

"House of Ashes" versetzt den Spieler dieses Mal als Soldatentruppe in ein irakisches Höhlensystem. Die Tunnelabschnitte sind dabei wirklich stimmungsvoll!
"House of Ashes" versetzt den Spieler dieses Mal als Soldatentruppe in ein irakisches Höhlensystem. Die Tunnelabschnitte sind dabei wirklich stimmungsvoll!  © Bandai Namco Games

Zugegeben, die Reihe hat bei mir einen sehr schweren Stand. Nach dem wirklich vorbildlichen "Until Dawn" habe ich bei den "The Dark Pictures"-Teilen lediglich vor der katastrophalen Präsentation und den unfassbar bescheuerten Charakteren Angst bekommen.

Gerade bei "Little Hope" habe ich mir innerlich gewünscht, dass der grauenvoll inszenierte Hexenkult doch bitte auf die Entwickler überschwappt.

Aber: neues Spiel, neues Glück! "House of Ashes" wagt sich an ein recht unverbrauchtes Szenario. Im Stil alter Filme wie "The Descent" versetzt es Eure fünf Lieblinge in ein altes irakisches Höhlensystem, in dem es offenbar mutierte Fledermausmonster zu geben scheint.

Eure dieses Mal nicht ganz so unsympathische Crew besteht aus vier amerikanischen Soldaten und einem irakischen Anhänger, die sich, um zu überleben, irgendwann unweigerlich zusammenschließen müssen.

Pikant: High-School-Musical Sternchen Ashley Tisdale (36), die dieses Mal als Rachel King eine der Figuren verkörpert, ist die Frau eines anderen spielbaren Charakters, hat aber nebenbei noch ein Liebesspiel mit einem weiteren auch steuerbaren Soldaten am Laufen. So soll neben all dem Horror auch ein bisschen zwischenmenschliche Dramatik in die Story gebracht werden.

House of Ashes bietet im Kern nichts Neues

Die fünf steuerbaren Charaktere machen einen deutlich sympathischeren Eindruck, als sie es beispielsweise noch in "Little Hope" gemacht haben.
Die fünf steuerbaren Charaktere machen einen deutlich sympathischeren Eindruck, als sie es beispielsweise noch in "Little Hope" gemacht haben.  © Bandai Namco Games

Dass solche Ansätze in so einem Trash-Game nur maximal halbwegs glaubhaft dargestellt werden können, liegt nicht zuletzt auch daran, dass Eure Entscheidungen verschiedene Konsequenzen haben, die manchmal jedoch überhaupt keinen Sinn ergeben.

Versucht Euer Gatte, Euch zum Beispiel in der ersten Spielhälfte noch von einer gemeinsamen Zukunft zu überzeugen, kann es passieren, dass ihm das in der zweiten Hälfte vollkommen egal ist.

Auch manche Reaktionen wollen partout nicht zueinanderpassen. Oder ist es normal, dass man kurz nach dem Ableben eines Kameraden einen chilligen Flachwitz an seine Kollegen hinterherschiebt?

Im Grunde genommen bekommen Fans der Reihe aber genau das, was sie wollen. Spielerische Freiheit bleibt nahezu aus. In vorgegebenen Sequenzen müssen in Quick-Time-Events Tasten gedrückt werden, damit die Fünf nicht das Zeitliche segnen.

Neu dabei sind die drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade, die unter anderem darüber entscheiden, ob gleich folgende Tastendruckabschnitte vorangekündigt werden, oder eben nicht. Somit wurde immerhin auf die Kritik mancher Fans geachtet.

Wer aber schon vorher nichts mit der Reihe anfangen konnte, wird auch dadurch nicht plötzlich Fan. Denn seichte Anpassungen machen aus einem schlechten Spiel leider noch lange kein gutes.

Fazit zu The Dark Pictures: House of Ashes

Ich möchte dieses Mal eigentlich wirklich nicht so viel schimpfen, denn "House of Ashes" macht tatsächlich sehr vieles besser als seine beiden Vorgänger "Men of Medan" und "Little Hope". Das dunkle Tunnelsetting passt super, die Charaktere sind dem Spieler überraschenderweise nicht komplett egal und die Entwickler haben sich einige Punkte der Fans wie das Entfernen einer statischen Kamera zu Herzen genommen.

Dennoch ist auch der dritte Teil der "The Dark Pictures"-Reihe im Kern nur ein trauriger Funke im Vergleich zur hell brennenden Kerze "Until Dawn". Die Entscheidung, ein fertiges, rundes Spiel quasi in Kurzgeschichten-Einzelteile zu zerlegen und Gruselfreunden jährlich als Minihappen hinzuwerfen, stößt bei mir auch Jahre später noch auf Unverständnis.

Darum kann ich am Ende nur das Gleiche schreiben wie im vergangenen Jahr. Mit den passenden Getränken, dem Anspruch eines pubertierenden Zwölfjährigen und gleichgesinnten Freunden, kann auch "House of Ashes" wahrscheinlich eine Menge Spaß machen. Ansonsten allerdings nicht.

Titelfoto: Bandai Namco Games

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