Von Jan Mies
Washington - Auch nach dem Krisengespräch zwischen den USA, Dänemark und Grönland gibt es keine Lösung im Konflikt um die Arktisinsel. Zwischen den Parteien bestehe weiterhin eine "fundamentale Meinungsverschiedenheit", sagte der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen (61) nach dem Treffen mit US-Außenminister Marco Rubio (54) und US-Vizepräsident JD Vance (41), an dem auch die für die grönländische Außenpolitik zuständige Ministerin Vivian Motzfeldt (53) teilnahm.
US-Präsident Donald Trump (79) hatte schon vor dem gut einstündigen Gespräch in einem Gebäude der US-Regierung nahe dem Weißen Haus klargemacht, von seinem Gebietsanspruch keinen Millimeter abzuweichen. Alles andere als ein Grönland in der Hand der Vereinigten Staaten sei "inakzeptabel", schrieb Trump auf seinem Sprachrohr Truth Social.
Rasmussen sagte, sie seien nach "einer Reihe, wie soll ich sagen, bemerkenswerter öffentlicher Äußerungen zur Sicherheit Grönlands und der Arktis" nach Washington gereist. "Unser Ziel war es, einen gemeinsamen Weg zu finden, diese Sicherheit zu erhöhen."
Man habe sich darauf geeinigt, eine Arbeitsgruppe auf hoher Ebene zu bilden, um herauszufinden, ob man einen gemeinsamen Weg finden könne, der sowohl die amerikanischen Sicherheitsinteressen als auch die roten Linien des Königreichs Dänemark berücksichtige, sagte Rasmussen. Diese Arbeitsgruppe solle innerhalb von Wochen erstmals zusammenkommen.
Trump hatte seinen Anspruch in den vergangenen Tagen immer wieder mit Sicherheitsfragen und eine Bedrohung durch Russland und China begründet. Die US-Regierung hatte eine gewaltsame Einnahme der Insel nicht ausgeschlossen.
Auch Schweden kündigte an, noch am Mittwoch Militärs nach Grönland zu schicken
Die Zugehörigkeit zur Nato sei kein ausreichender Schutz - weder für Grönland noch die USA, hatte Trump vor dem Treffen geschrieben. Grönland sei elementar für den Aufbau der geplanten Raketenabwehr "Golden Dome", die Nato solle daher den Weg für eine US-Übernahme der Insel bereiten, schrieb Trump.
In Versalien drohte er, dass dies sonst China oder Russland tun würden. Das werde er verhindern. Trump hatte immer wieder auf eine zunehmende Präsenz russischer und chinesischer Schiffe in der Region verwiesen.
Um den Konflikt zu entschärfen, hatten sich mehrere Bündnisstaaten zuletzt für eine stärkere Präsenz des Bündnisses in der Region ausgesprochen - auch Deutschland.
Im Gespräch ist dabei unter anderem der Start eines neuen Überwachungseinsatzes mit dem Namen "Arctic Sentry" (deutsch etwa: Wächter der Arktis). Dies wäre ein anderer Einsatz als der, über den Dänemark am Mittwoch Auskunft gab.
Bundeswehr schickt Soldaten
Trump lässt sich davon aber bislang nicht von seinem Weg abbringen. Die Nato könne nur dank der USA eine wirksame Abschreckung entfalten, schrieb der US-Präsident und fügte hinzu, das sei sein Verdienst durch die Stärkung der US-Streitkräfte während seiner ersten Amtszeit. Die Nato werde weitaus beeindruckender und effektiv mit einem von den USA gesteuerten Grönland.
Das Europäische Parlament verurteilte diese und vorherige Äußerungen der Trump-Regierung über Grönland als "inakzeptabel". Jeder Versuch, "die Souveränität und die territoriale Integrität Dänemarks und Grönlands zu untergraben, verstößt gegen das Völkerrecht und die Charta der Vereinten Nationen", teilte das EU-Parlament mit.
Unterdessen schickt die Bundeswehr am Donnerstag 13 Soldaten für eine Erkundungsmission mehrerer europäischer Staaten nach Grönland. Das geschehe auf Einladung Dänemarks, zu dem die Arktisinsel gehört, teilte das Verteidigungsministerium in Berlin mit.
Erstmeldung vom 14. Januar, 20.26 Uhr; letzte Aktualisierung 20.46 Uhr.