Jeffrey Epstein: Der Vergewaltiger und sein zwielichtiger Deal mit der US-Justiz
Washington D.C. - Eigentlich hätten die grausamen Machenschaften des Jeffrey Epstein bereits viel früher beendet werden können. Doch im Jahr 2007 schloss der Sexualstraftäter eine zwielichtige Vereinbarung mit der Justiz, die ihm praktisch Immunität gewährte.
Eine Anzeige aus dem Jahr 2005 brachte den Fall damals ins Rollen: Die Eltern einer 14-Jährigen behaupteten, dass Epstein ihre Tochter für eine Massage bezahlt haben soll.
Im Zuge anschließender Polizeiermittlungen wurde schnell klar, dass sich der Investmentbanker von seinen Assistenten regelmäßig Minderjährige in seine Residenzen in Palm Beach (Florida) oder New York "liefern" ließ, die er im Zuge solcher "Massagen" auf ekelhafte Weise vergewaltigt haben soll.
Angeklagt wurde Epstein von der Staatsanwaltschaft Florida allerdings nur wegen Anstiftung zur Prostitution. Der damalige Polizeichef reagierte empört und schaltete die Bundesbehörde FBI ein, um weiter zu ermitteln und damit möglicherweise das ganze Ausmaß des Missbrauch-Geschwürs um Epstein aufzudecken.
Um zu verhindern, auf Bundesebene wegen Vergewaltigung und Menschenhandel angeklagt und womöglich lebenslang weggesperrt zu werden, schloss Epstein im Jahr 2007 ein "Non-Prosecution Agreement" - eine Vereinbarung über die Nichtverfolgung des Verfahrens - mit der Staatsanwaltschaft von Florida. Das Dokument findet sich ebenfalls in den jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten "Epstein-Files".
Die außergerichtliche Vereinbarung sah vor, dass die Ermittlungen gegen Epstein unter bestimmten Bedingungen eingestellt werden. Etwa sollte sich Epstein im Fall der Anstiftung zur Prostitution schuldig bekennen, dafür mindestens zwei Jahre ins Gefängnis gehen und sich als Sexualstraftäter registrieren lassen.
Verantwortlicher Staatsanwalt wird später Minister unter Donald Trump
Doch damit nicht genug. Ebenfalls vereinbart wurde, dass bei Erfüllung dieser Bedingungen seitens der US-Justiz darauf verzichtet wird, mögliche Mittäter Epsteins anzuklagen. Außerdem wurde vereinbart, dieses Dokument nicht öffentlich zu machen.
Somit trat Epstein im Jahr 2008 eine 18-monatige Haftstrafe unter äußerst milden Bedingungen an und wurde bereits nach 13 Monaten vorzeitig wieder entlassen.
Hauptverantwortlich für die kontroverse Vereinbarung war übrigens der Staatsanwalt Alexander Acosta (57), der während der ersten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump (79) zum Arbeitsminister ernannt wurde.
Das US-Justizministerium kam im Zuge einer Untersuchung dennoch zu dem Schluss, dass hier kein "berufliches Fehlverhalten" seitens Acosta vorgelegen habe. In dem Report aus dem Jahr 2020 hieß es, dass keine "klare und eindeutige Norm" gefunden worden sei, die Acosta dazu verpflichtet hätte, Epstein auf Bundesebene anzuklagen.
Justiz-Skandal: Gericht kippt Epstein-Vereinbarung erst 2019
Erst im Februar 2019 wurde die Vereinbarung von einem Bezirksgericht aufgehoben, nachdem ein Bericht der Zeitung "The Miami Herald" die Geheimvereinbarung zwischen Epstein und Staatsanwaltschaft ans Tageslicht gebracht und für massive Empörung gesorgt hatte.
Mit dem Gerichtsbeschluss wurden auch die Ermittlungen gegen Epstein wieder aufgenommen.
Am 6. Juli 2019 wurde er erneut verhaftet. Noch bevor er aussagen konnte, starb er am 10. August 2019 in seiner Zelle.
Titelfoto: Bildmontage: US Department of Justice, ---/AP/dpa

