Zeugin im Block-Prozess: Mit-Entführer sollten "keine Verbrecher" sein

Hamburg - Am 53. Verhandlungstag im Prozess gegen Christina Block (53) wurde die Zeugenbefragung von Keren T. alias "Olga" nach vier Tagen beendet. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.

Christina Block (53) ist angeklagt, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Georg Wendt/dpa-pool/dpa

Am vierten Tag ihrer Vernehmung stellte insbesondere der Verteidiger des angeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., Dr. Marko Voß, zahlreiche Fragen an die Zeugin.

Dieser konfrontierte Keren T. zunächst mit der Aussage des mutmaßlichen Hauptbeteiligten David B. (68), wonach eine physische Rückholung der Kinder ursprünglich nicht geplant gewesen sei.

Die Zeugin hingegen blieb bei ihrer Darstellung, wonach Dr. C. von Beginn an Druck auf das Team ausgeübt und eine physische Rückholung der Kinder gefordert habe.

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Anschließend fragte Dr. David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling (66), unter anderem danach, wie die einzelnen Mitglieder des mutmaßlichen Entführer-Teams zusammengestellt worden seien.

Keren T. hatte zuvor betont, dass sie und David B. sichergestellt hätten, ausschließlich "gute Menschen" zu engagieren.

"Wie haben Sie bewertet, wer gute Menschen sind, die zum Team passen?“, fragte der Anwalt. "Das klingt jetzt vermutlich komisch, aber erstmal sicherstellen, dass sie keine Verbrecher sind. Menschen, die wir persönlich kennen und denen wir vertrauen. Durch Gespräche wirkten sie einfach wie gute Menschen", antwortete die Zeugin.

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11.50 Uhr: Prozesstag ist schon zu Ende

Da heute weder Erklärungen noch weitere Beweisanträge gestellt werden sollen, endet der Verhandlungstag deutlich früher als ursprünglich geplant.

Der Prozess wird am 11. Juni 2026 um 9.30 Uhr fortgesetzt.

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11.43 Uhr: Anwältin klagt an: "Ich frage mich erneut, warum er hier noch immer sitzt!"

Die meisten Verteidiger kündigen an, in der kommenden Woche eine Erklärung zur Zeugin abzugeben. Die Anwältin des angeklagten Sicherheitsunternehmers, Rechtsanwältin Gül Pinar, nutzt die Gelegenheit, um erneut zu betonen, dass auch die Aussage von Keren T. aus ihrer Sicht belege, dass ihr Mandant weder mit der Vorbereitung noch mit der Durchführung der angeklagten Tat zu tun gehabt habe.

Das Haus von Stephan Hensel und seinen Kindern in Dänemark sei von David B. und seinem Team "umfangreich" ausgekundschaftet worden; dafür habe es keiner Geschenkübergabe bedurft, die eine Mitarbeiterin ihres Mandanten im Auftrag von Eugen Block (85) begleitet hatte.

"Ich frage mich erneut, warum er hier noch immer sitzt!", klagt Pinar an, die schon mehrfach benatragt, das Verfahren gegen ihren Mandanten abzutrennen.

11.37 Uhr: Zeugenbefragung von Keren T. ist beendet

Dr. Rieks hat keine weiteren Fragen mehr. Auch die Verteidiger der Cousine von Frau Block, ihres Ehemannes sowie des angeklagten Sicherheitsunternehmers verzichten auf Nachfragen.

Die Staatsanwaltschaft stellt noch zwei abschließende Rückfragen, unter anderem, ob Keren T. wisse, was mit dem Prepaid-Handy passiert ist, das am 1. Januar 2024 in einem Hotelzimmer für die Steakhouse-Erbin hinterlegt worden war.

"Ich weiß es nicht. Wir haben dem keine Bedeutung beigemessen“, erklärt die Zeugin.

Damit endet ihre Befragung nach vier Verhandlungstagen.

11.30 Uhr: Wo war Jonathan C.?

Der Delling-Verteidiger fragt weiter zu Jonathan C., ob sich Keren T. nicht gewundert habe, dass dieser nicht wie alle anderen – wie vereinbart – beim Wohnmobil an der deutschen Grenze erschienen sei, das auf das Team gewartet habe.

"Die anderen haben erzählt, dass sie im Wald von einem Hund verfolgt wurden und Jonathan sich entschieden hat, den Hund hinter sich herlaufen zu lassen", so Keren T.

Rieks hakt nach: "Jetzt erinnern Sie sich doch daran, schon im Camper davon erfahren zu haben, wenn ich Sie richtig verstanden habe? Sie hatten zuletzt gesagt, dass Sie erst viel später davon erfahren haben."

Die Zeugin entgegnet: "Ich glaube, Tal S. hat es direkt gesagt, als sie beim Wohnmobil ankamen."

11.11 Uhr: Teammitglieder sollten "keine Verbrecher" sein

Rieks hakt nach, wie genau entschieden wurde, wer Teil des mutmaßlichen Entführer-Teams wurde. Keren T. hatte zuvor betont, dass sie und David B. sichergestellt hätten, ausschließlich "gute Menschen" zu engagieren.

"Wie haben Sie bewertet, wer gute Menschen sind, die zum Team passen?", fragt der Anwalt.

"Dass klingt jetzt vermutlich komisch, aber erstmal sicherstellen, dass sie keine Verbrecher sind. Menschen, die wir persönlich kennen und denen wir vertrauen. Durch Gespräche wirkten sie einfach wie gute Menschen", antwortet die Zeugin.

Rieks fragt weiter nach dem ehemaligen GNTM-Model Jonathan C., der erst in Hamburg zum Team gestoßen sei – angeblich, um jemanden dabei zu haben, der Deutsch spricht.

"Mit ihm hat David B. zwischen Weihnachten und Silvester 2023 ein langes Gespräch geführt", so Keren T.

11.04 Uhr: Jetzt fragt der Anwalt von Gerhard Delling

Nach der Pause liegt das Fragerecht bei Dr. David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling (67). Dieser kündigte an, nur wenige und vor allem Verständnisfragen zu haben.

Gerhard Delling (hinten rechts) sitzt mit seinem Anwalt Dr. David Rieks hinter Christina Block und ihrem Anwalt Ingo Bott.  © Georg Wendt/dpa-pool/dpa

10.47 Uhr: Wichtiges Verständnis für das Verfahren

Jetzt wird es um die Aussage der Zeugin, sie und ihr Team seien von Dr. Andreas C. falsch beraten worden, konkreter. Der Verteidiger konfrontiert sie mit einer Reihe von Fragen: Ob sein Mandant Keren T. und ihrem Team jemals gegenüber erklärt habe, es habe keine rechtlichen Konsequenzen in Deutschland, wenn Herr Hensel im Rahmen der Rückholung gewaltsam zu Boden gebracht werde?

Wenn die Kinder Klara und Theo in den Fußraum eines Autos gedrückt werden und dort möglicherweise keine Luft mehr bekomme? Wenn den beiden Klebeband um den Kopf gewickelt wird? Wenn diese bei Nacht durch einen Wald getragen und nach Deutschland gebracht werden?

Er schließt seine Befragung mit der zusammenfassenden Frage: "Wenn offenbar Teammitglieder von Ihnen all das gemacht haben – wie kommen Sie und David B. zu der Annahme, falsch beraten worden zu sein, obwohl diese Dinge nie Gegenstand der Gespräche mit meinem Mandanten waren?"

Die Zeugin antwortet: "Weil Dr. C. gesagt hat, die Kinder sollen physisch nach Deutschland gebracht werden und dass, sobald sie in Deutschland sind, alles in Ordnung sei. Aber das war falsch – alles war falsch."

Voß hakt nach: "Habe ich Sie richtig verstanden: Man kann Sie dafür beschuldigen, wie die Dinge in Dänemark gelaufen sind, aber nach Ihrem Verständnis geht es darum, dass die Kinder überhaupt nach Deutschland gebracht wurden und hier gar nicht sein sollten?" Die Zeugin bejaht.

Voß bemerkt daraufhin, mehr in den Raum gesprochen: "Ich glaube, dieses Verständnis ist ganz wichtig für das Verfahren!"

Dr. Voß hat keine Fragen mehr. Es folgt eine zehnminütige Pause.

Dr. Marko Voß (r.) mit seinem Mandanten Dr. Andreas C. vor dem Hamburger Landgericht.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

10.27 Uhr: Was meint die Zeugin mit "at any cost"?

Dr. Voß geht es jetzt um die Formulierung der Zeugin, die vor Gericht, aber wohl nicht bei ihrer polizeilichen Aussage, betont hatte, Dr. C. habe mehrfach gesagt, sie und das Team sollten die Kinder "at any cost" (dt.: um jeden Preis) zurück nach Deutschland holen.

Damit sei aber nicht Gewalt gemeint gewesen - "Gewalt war nie auf dem Tisch" -, wohl aber die physische Rückholung der Kinder, wiederholt die Zeugin.

"In welcher Sprache haben Sie eigentlich mit Dr. C kommuniziert?", fragt Voß die gebürtige Israelin. "Auf Englisch, auch wenn Dr. C. nicht besonders gut Englisch spricht", so die Zeugin. Kurz ist zu sehen, wie Dr. C. ungläubig den Kopf schüttelt. Der Anwalt sitzt mit dem Rücken zu den Zuschauern.

10.23 Uhr: Wer war in der Silvesternacht 23/24 für die Kinder zuständig?

Wer war in der Silvesternacht 23/24 für die Kinder zuständig? Mehrere Zeugen hatten ausgesagt, dass von Anfang sei geplant gewesen, dass David B. für ein Kind zuständig gewesen sei und dieses (mutmaßlich Theo) auch in eines der Fluchtfahrzeuge getragen habe.

Keren T. hatte ausgesagt, David B. sollte im ursprünglichen Plan nur eine Beobachter-Rolle einnehmen. Am eigentlichen Tattag habe die Zeugin jedoch nicht genau gesehen, wer was gemacht hat.

10.10 Uhr: Richterin greift ein

Kurzzeitig wurde es erneut laut im Gerichtssaal, nachdem Dr. Voß die Zeugin gefragt hatte, ob sie gerade ihren Anwalt um Hilfe bei der Antwort gebeten habe. Zuvor hatte er sie gefragt, wie sie sich die Widersprüche zwischen ihrer Aussage und der von David B. erkläre.

Die Richterin griff daraufhin ein und beanstandete die Frage. Es handele sich nicht um eine Frage zu Wahrnehmungen oder Tatsachen, sondern um eine Aufforderung zur Bewertung.

Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt (m.) zusammen mit den beiden beisitzenden Richtern.  © Georg Wendt/dpa

10.05 Uhr: "Wer lügt: Sie oder David B.?"

Voß kommt schließlich zu der Kernfrage, die hinter seinen Vorhalten zur zunächst offenbar nicht geplanten Rückholung der Kinder und der von der Zeugin getätigten Aussage, Dr. C. habe gesagt, dass der "Peace-Plan" "Bullshit" sei, steht: "Wie passt das zusammen? Oder anders gefragt: Wer lügt: Sie oder David B.?", fragt der Verteidiger.

Die Zeugin weist den Vorwurf zurück: "Das hat nichts mit Lügen zu tun. Ich weiß, dass im März [2023] – und da beginnt es für mich – Dr. C. und sein Sohn in Davids Zimmer kamen und die physische Rückholung der Kinder forderten. Ich erinnere mich auch daran, dass David sagte, dies sei mit den Informationen, die wir bis dahin hatten, nicht möglich."

Weiter erklärt sie, die Situation sei erst später eskaliert. Zudem betont die Zeugin erneut: "Dr. C. wurde von Herrn Block [Eugen Block] stark unter Druck gesetzt."

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