Block-Prozess: Sicherheitsunternehmer spricht von "gelöster Stimmung" kurz nach der Entführung
Hamburg - Der Prozess im Fall Christina Block (52) geht am Donnerstag mit dem 40. Verhandlungstag vor dem Hamburger Landgericht in eine neue Runde. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.
Update, 12.16 Uhr: Sicherheitsunternehmer soll Gerhard Delling angetroffen haben
Der Sicherheitsunternehmer soll Gerhard Delling (66) am Haus von Frau Block angetroffen haben. Zudem hätte der 66-Jährige darüber gesprochen, weitere Hintergrundrecherche zu Hensel betreiben zu wollen. Diesen Auftrag habe der Angeklagte jedoch nicht angenommen.
Ob der Sicherheitsunternehmer direkten Kontakt zu Christina Block hatte? "Die hat sich nie durchgerungen mit mir zu sprechen", so der Angeklagte bei der Vernehmung.
Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.
Update: 12.04 Uhr: Überwachung der Häuser soll mehrere Ziele gehabt haben
Und das Treffen am 2. Januar 2024 im Hotel Grand Elysée? "Die Stimmung war gelöst", gibt der Zeuge den Sicherheitsunternehmer aus dem Vernehmungsgespräch wieder. Auch Familienanwalt Andreas C. sei neben Eugen Block im Hotel anwesend gewesen.
"C. hat zu Eugen Block gesagt: 'Der Vater behauptet, es wurde Gewalt angewendet, das ist aber Quatsch'", gibt der Polizist den Sicherheitsunternehmer im Vernehmungsgespräch wieder. Der Angeklagte solle zur Rückführung der Kinder zudem durchaus Bedenken über die rechtlichen Hintergründe in der Vernehmung geäußert haben.
Ziel beim Schutz der Häuser sei nach Angaben des Sicherheitsunternehmers in der Vernehmung gewesen, vor allem Presseleute nicht aufs Grundstück zu lassen. Außerdem sei es das Ziel gewesen zu verhindern, dass Stephan Hensel Aktionen gegen Christina oder Eugen Block unternehmen könnte.
Update, 11.46 Uhr: Vorsitzende Richterin stellt weitere Fragen an den Zeugen
Es habe regelmäßigen Kontakt zwischen dem Sicherheitsunternehmer und Eugen Block gegeben, berichtet der Zeuge. Wie häufig die beiden Kontakt hatten, konnte der Polizist jedoch nicht genau beantworten.
Der Verteidiger des Familienanwalts Andreas C. hakt nach und will wissen, ob von gewaltsamer Überführung der Kinder oder Widerstand in der Vernehmung berichtet wurde. Der Zeuge schüttelt den Kopf.
Nun kommt die erstellte Mindmap des Sicherheitsunternehmers nochmals zur Sprache. Darin habe er seine Ideen festgehalten. Auch die Sorgerechtsbeschlüsse vom Familiengericht seien dem Sicherheitsmitarbeiter ebenfalls zur Verfügung gestellt worden sein.
In seiner Vernehmung bei der Polizei hatte der Sicherheitsmann außerdem gesagt, dass Eugen Block vor allem nach dem Tod seiner Frau noch mehr darauf gedrängt habe, seine Enkelkinder zurückzuholen.
Update, 11.35 Uhr: Sicherheitsunternehmer erhält 130.000 Euro für seine Dienste
Außerdem habe es eine Mindmap gegeben, die von dem Sicherheitsunternehmer angefertigt wurde, um eine Lösung im Sorgerechtsstreit zu finden. Am 2. Januar habe es dann ein vereinbartes Treffen gegeben, bei dem er ins Hotel Grand Elysée mit seiner Mindmap kam.
Dabei wurde ihm mitgeteilt, dass die Kinder bereits wieder in Deutschland seien. Seine Mindmap sei daraufhin nicht mehr zu gebrauchen gewesen.
Daraufhin wurde er von Eugen Block gefragt, ob er die Sicherheit von seinem Haus und dem Haus seiner Tochter Christina Block übernehmen könne. Dementsprechend habe der Sicherheitsunternehmer die Überwachung der beiden Objekte mit seiner Firma übernommen.
Der Angeklagte selbst sei auch vor Ort gewesen. Zudem habe er eine Nachricht geschrieben, dass dafür gesorgt werden soll, dass die Fenster im Keller des Hauses von Frau Block geschlossen bleiben sollen. Diese Nachricht sei unter anderem der Grund gewesen, weshalb er als Angeklagter vor Gericht steht.
Insgesamt habe der Sicherheitsunternehmer für alle seine Dienste 130.000 Euro von der Block-Familie bekommen, gibt der Zeuge aus dem Vernehmungsgespräch wieder. Sowohl für das Paket als auch für die Objektüberwachung. Am Ende habe es jedoch Probleme mit der Bezahlung gegeben. Mittlerweile soll alles bezahlt worden sein. Es habe jedoch keinen unterschriebenen Vertrag gegeben.
Update: 11.22 Uhr: Ein Hamburger Polizist sagt aus
Nachdem die Anwälte zu Ruhe gekommen sind, sagt der Hamburger Polizist Johannes M. (45) aus. Dieser habe die Vernehmung des angeklagten Sicherheitsunternehmers geführt. Auch dessen Anwältin Pinar sei anwesend gewesen.
Bei dem Vernehmungstermin habe der Angeklagte geschildert, dass er Eugen Block (85), Vater von Christina Block, über einen ehemaligen Kollegen kennengelernt hat. Die beiden haben sich daraufhin getroffen. Eugen Block habe zunächst die Umstände um den Sorgerechtsstreit geschildert.
Die Kinder seien zu diesem Zeitpunkt noch in Dänemark gewesen. Daraufhin hat er den Sicherheitsunternehmer gefragt, ob er mit seiner Firma in diesem Fall beratend unterstützen könne.
Außerdem habe der Angeklagte im Vernehmungsgespräch geschildert, immer lösungsorientiert gewesen zu sein. Er habe erzählt, dass er von Eugen Block zusätzlich gefragt wurde, ein Paket nach Dänemark zu senden. Das habe er auch in die Wege geleitet. Zwei Frauen hätten versucht, das Paket dort zuzustellen. Es wurde aber nicht angenommen.
Eine der Frauen hatte als Zeugin bereits ausgesagt, dass es ihr nicht gelungen war das Paket zuzustellen, weil die Familie sie nicht empfangen habe. Demnach war die Information bereits bekannt.
Update, 11.15 Uhr: Es geht weiter
Nach der Pause äußert sich Philip von der Meden (42), Nebenklage-Verteidiger von Stephan Hensel (51). Dieser kritisiert, dass andere Verteidiger "die Zeit stehlen" würden.
"Es geht hier um absolut wichtige Themen", entgegnet Ingo Bott, der sich offensichtlich angegriffen fühlt.
Ich habe das Gefühl, dass hier einige noch was loswerden möchten", so die Richterin. "Das meinen sich nicht ernst", so Anwältin Pinar fassungslos. Die Stimmung ist angespannt.
Update, 10.40 Uhr: Angespannte Stimmung zwischen Verteidigern
Block-Verteidiger Ingo Bott (42) nimmt Stellung. Die unterschiedlichen Interessen der Verteidiger werden klar: Bott will den Verdacht auf David B. lenken, der die Kinder ohne jeden Auftrag entführt haben soll.
Wohingegen der Mandant von Böttner bereits ausgesagt hat, dass Christina Block sich vor der Entführung mit dem Team zusammengesetzt habe und den Männern versichert habe, sie sei die Auftraggeberin.
Die vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt ermahnt Bott, dass dieser bereits am Dienstag ausreichend die Möglichkeit hatte, sich zu äußern. Trotzdem hält der 42-Jährige ein "vorgezogenes Plädoyer". Kurz darauf wird dieser erneut von Hildebrandt ermahnt, dass er nicht die Beweisaufnahme bewerten soll.
Es folgt eine 15-minütige Pause.
Update, 10.25 Uhr: Anwalt von mutmaßlichem Entführer nimmt Stellung
Auch Sascha Böttner, der Anwalt des mutmaßlichen Entführers Tal S., äußert sich nun noch zum Verhandlungstag vom Dienstag. Dieser bezieht sich allerdings auf die Inaugenscheinnahme der gezeigten Bilder aus dem Hotel Grand Elysée.
Dabei wird erneut die mutmaßliche Vermummung angesprochen. Vor allem zur Abschreckung habe nach Aussage des Anwalts durchaus Vermummung stattgefunden. Auch eine gewisse Professionalität gehe seiner Meinung nach damit einher. Unter anderem, um sich professionell gegenüber Christina Block zu zeigen.
Update, 10 Uhr: Prozesstag startet verspätet
Mit knapp 30 Minuten Verspätung wegen des Streiks von Bussen und U-Bahnen in Hamburg startet der 40. Verhandlungstag direkt mit einer Anmerkung von Anwältin Frau Pinar. Sie vertritt den angeklagten Sicherheitsunternehmer im Prozess.
Pinar war am 39. Verhandlungstag nicht anwesend. "Es war ungeheuerlich, was der Zeuge hier abgeliefert hat", so die Anwältin über die Zeugenaussage des Polizisten Matthias H. (43) am Dienstag.
"Zu vielen wesentlichen Ermittlungsschritten konnte sich der Zeuge nicht mehr en détail erinnern", kritisiert sie weiter. "Das ist unwürdig." Schließlich sei es die Aufgabe des Polizisten gewesen, alles gewissenhaft zu dokumentieren.
Außerdem wird die mutmaßliche Bewaffnung der Sicherheitsleute am Hause Block am 3. Januar 2024 angesprochen. Anwältin Pinar ist erschüttert: "Die Bewaffnung ist ein erfundener Umstand." Zuvor hatte der Zeuge am Dienstag ausgesagt, dass die Sicherheitsleute an diesem Tag bewaffnet gewesen seien.
Update, 9.30 Uhr: Christina Block kommt erst kurz nach offiziellem Beginn
Wenige Minuten nach offiziellem Beginn betreten Christina Block (52), Gerhard Delling (66) und Stephan Hensel (51) den Gerichtssaal. Startschuss für den Prozesstag ist eigentlich immer um 9.30 Uhr.
Die Schöffen fehlen noch, weshalb sich der Start um einige Minuten verzögert.
Update, 9.10 Uhr: Nur wenig Besucherinteresse
Am 40. Verhandlungstag ist das Interesse ähnlich wie an den Tagen zuvor bislang gering: Nur wenige Zuschauende sowie Medienvertretende sind im Saal 237 vertreten.
Update, 9 Uhr: So geht es am Donnerstag weiter
Am Mittwoch teilte das Gericht mit: Für 9.30 Uhr ist ein weiterer Hamburger Kriminalbeamter als Zeuge geladen. Weitere Zeugenaussagen sind für diesen Verhandlungstag nicht geplant.
Informationen dazu, wie es mit der Zeugenaussage des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68) weitergeht, teilte die Richterin auch am Dienstag noch nicht mit. Dessen Aussage hätte in der vergangenen Woche fortgesetzt werden sollen.
Wegen des Krieges im Nahen Osten können weder David B. noch seine mutmaßliche rechte Hand, Keren T., sowie zwei weitere Israelis, die bereits bei der Hamburger Staatsanwaltschaft ausgesagt haben, derzeit nach Deutschland reisen.
Update, 8.50 Uhr: Recap von Dienstag
Am 39. Verhandlungstag stand ein eher wortkarger sowie genervter Zeuge im Mittelpunkt, der die Gemüter einiger Verteidiger deutlich erhitzte. Vor allem Dr. Marko Voß, Anwalt des angeklagten Familienanwalts, warf ihm vor, "nur Widersprüche zu produzieren".
Auch zwischen Ingo Bott und dem Zeugen Matthias H. (43) kam es zeitweise zu Spannungen.
Als der Polizist Fragen mit dem Hinweis abwehrte, nicht mehr zuständig gewesen zu sein, entgegnete Bott: "Wir haben hier auch schon sehr engagierte Mitarbeiterinnen des ASD erlebt, die sich auch später noch mit ihren Fällen beschäftigt haben." Der Zeuge reagierte scharf: "Werfen Sie mir vor, nicht engagiert zu sein? Passen Sie auf, was Sie sagen."
Besondere Diskussionen löste erneut die Frage aus, ob die Anfang Januar 2024 - also kurz nach der Entführung der jüngsten Block-Kinder - von Eugen Block (85) engagierten Sicherheitskräfte bewaffnet gewesen seien oder nicht.
Die Zeugin und Sicherheitsbeamtin Patricia W. (52) hatte bereits Ende Januar 2026 dazu vor Gericht ausgesagt: Sie habe am 1. Januar 2024 dem angeklagten Sicherheitsunternehmer den Auftrag erhalten, zwei Wohnhäuser - die von Eugen und Christina Block in Hamburg - zu sichern. Ziel sei gewesen, "Scherereien" zu verhindern und Unbefugte vom Gelände fernzuhalten; bewaffnet seien sie und ihr Team definitiv nicht gewesen.
In einem Vermerk des heutigen Zeugen aus dem Jahr 2025 - also eineinhalb Jahre nach dem Einsatz im Haus von Frau Block - findet sich jedoch der Hinweis, Patricia W. habe ihm gegenüber erklärt, sie und ihr Team seien bewaffnet gewesen. Kontrolliert habe er das damals aber nicht: "Das war für mich auf einem privaten Grundstück kein Thema."
Nebenklagevertreter Philip von der Meden (42) sagte dazu, dass es nicht entscheidend sei, ob jemand bewaffnet gewesen sei oder nicht, sondern wie die Kinder die Situation im Haus ihrer Mutter wahrgenommen hätten.
Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa