Block-Prozess: Kinder seien nach der Entführung "sehr schreckhaft gewesen"

Hamburg - Der Prozess im Fall Christina Block (52) ging am Donnerstag mit dem 40. Verhandlungstag vor dem Hamburger Landgericht in eine neue Runde. TAG24 war vor Ort und berichtete in einem Liveblog.

Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hier mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 40. Verhandlungstag.
Christina Block (52) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer zwei jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben. Hier mit ihrem Anwalt Ingo Bott (42) am 40. Verhandlungstag.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Während der Verhandlung wurde der geladene Zeuge zur Vernehmung vom angeklagten Sicherheitsunternehmer befragt. Bei dem Vernehmungstermin hat der Angeklagte unter anderem seinen Auftrag zur Sicherung der Häuser von Christina und ihrem Vater Eugen Block (85) geschildert, den er von dem 85-Jährigen erhalten hat.

Auch, ob es bei der Entführung der Kinder Gewalt gegeben habe oder nicht, wurde erneut zum Thema. "C. hat zu Eugen Block gesagt: 'Der Vater behauptet, es wurde Gewalt angewendet, das ist aber Quatsch'", gibt der Polizist den Sicherheitsunternehmer im Vernehmungsgespräch wieder.

Eine weitere Vernehmung einer anderen Zeugin hat der geladene Polizist durchgeführt: Das Gespräch mit Astrid H., Lebensgefährtin von Stephan Hensel (51). Diese habe sich unter anderem an sehr schreckhafte Kinder erinnert, als diese nach der Entführung wieder zurück zu ihnen nach Dänemark gebracht wurden.

Insgesamt blieb die Stimmung auch am 40. Verhandlungstag angespannt. Die vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt musste einige Verteidiger mehrmals unterbrechen und ermahnen. Der Tonfall war zeitweise lauter.

Update, 15.52 Uhr: Prozesstag endet

Knapp zehn Minuten früher als sonst endet der 40. Verhandlungstag. Der Prozess wird am Freitag, 20. März, um 9.30 Uhr fortgesetzt.

Update, 15.39 Uhr: Polizist erklärt die Datenauswertung von sichergestellten Handys

Nun geht es um die sichergestellten Handys. Dr. Marko Voß spricht den Polizisten auf die Auswertungen der Daten unter anderem vom Handy seines Mandanten Andreas C. an.

Im Fall der Geräte von Andreas C. sei den Ermittlern der komplette Datensatz geliefert worden. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die IT der Polizei bereits vorab bestimmte Chatverläufe herausfiltert.

Bei der Ermittlungsarbeit wurde bei der Datenauswertung unter anderem mit einer Schlagwort-Suche gearbeitet. Schließlich könne nicht der gesamte Datensatz im Details ausgewertet werden.

Update, 15.15 Uhr: Erneut kommt es auf den Hotelmitarbeiter zu sprechen

Obwohl auf die Aussage des Polizisten zur Vernehmung von Alexander L. zuvor verzichtet wurde, spricht die Richterin nach der Pause noch einmal auf Herrn L. an.

Der Polizist hat den Mann unter anderem im Mai 2024 vernommen. Verteidiger Dr. Marko Voß will wissen, ob Alexander L. bei seiner zweiten Befragung darauf hingewiesen wurde, dass er nichts sagen müsse. Der Beamte erinnert sich nicht.

Update, 14.49 Uhr: Vorsitzende Richterin unterbricht Verteidiger mehrmals

Ingo Bott hat weitere Fragen an den Polizisten. Doch auch die Richterin kann ab einem gewissen Punkt dem 42-Jährigen nicht mehr folgen. Stephan Hensel und sein Verteidiger von der Meden tuscheln.

"Ich warte kurz, bis das Theater hier vorbei ist", so Bott mit einem scharfen Blick in Richtung des Vaters der Kinder. Im weiteren Verlauf wird Delling-Anwalt Dr. David Rieks bei seinen Fragen an den Zeugen von der Staatsanwältin unterbrochen. Die Gemüter erhitzen sich, sodass die Richterin erneut einschreiten muss.

Es wird dabei diskutiert, dass der Polizist ein Vorgespräch mit Astrid H. vor ihrer Vernehmung hatte. Rieks möchte wissen, was genau bei diesem Vorgespräch thematisiert wurde.

Es folgt erneut eine 15-minütige Pause.

Update, 14.15 Uhr: Polizist über die Vernehmung der Lebensgefährtin von Hensel

Ende Mai 2024 wurde Astrid H. als Zeugin von dem Polizisten befragt. Sie wurde unter anderem befragt zu den Abläufen am Tattag selbst.

Beim Runtergehen zum Strand, um dort das Feuerwerk zu sehen, hatte sie auffällige Fahrzeuge gesehen und auch ein Pärchen, das "ihr merkwürdig" vorkam, erklärt der Polizist. Das Paar soll osteuropäisch gewesen sein. Danach sei sie wieder zum Haus hochgegangen und habe dort auf Hensel gewartet.

Kurze Zeit später habe sie dann aber den Notruf gewählt. Und der Gemütszustand der Kinder? "Der Sorgerechtsstreit habe die Familie enorm belastet", zitiert der Polizist Astrid H.

Nachdem die Kinder nach der Entführung Anfang Januar 2024 wieder zurück in Dänemark waren, hat Astrid H. berichtet, dass die Kinder nur im Bett von ihr und Hensel geschlafen haben. "Sie sind sehr schreckhaft gewesen. Bei Begegnung mit Fremden sah sie gleich Panik bei den Kindern", gibt der Polizist die Zeugin wieder.

Außerdem wurde Frau H. gefragt, was die Kinder Anfang Januar 2024 aus den Medien bereits mitbekommen hatten. Klara habe unter anderem über Social Media selbst recherchiert. Zudem habe Klara unter anderem den Hof, zu dem die Kinder zunächst gebracht wurden, genau beschrieben und aufgezeichnet.

Update, 13.53 Uhr: Anwalt erhebt Widerspruch zu weiterer Zeugenaussage

Der Polizist sei erst Ende Januar 2024 der Ermittlungsgruppe beigetreten. Auch da habe der Zeuge erst von den konkreten Inhalten des Falls erfahren.

Es soll weitergehen mit der Aussage des Polizisten zur Vernehmung des Zeugen Alexander L., ein Mitarbeiter des Hotels Elysée. Der Anwalt Marko Voß unterbricht und sagt, dass weitere Informationen zu diesem Zeugen nicht zulässig wären. Der Widerspruch wird zu Protokoll genommen.

Auch die anderen Verteidiger schließen sich dem Widerspruch von Marko Voß an. Es wird fortgefahren mit Aussagen des Polizisten zur Vernehmung von Astrid H. Dabei handelt es sich um die Lebensgefährtin vom Vater der Kinder.

Hitzige Stimmung im Gerichtssaal am 40. Verhandlungstag im Block-Prozess.
Hitzige Stimmung im Gerichtssaal am 40. Verhandlungstag im Block-Prozess.  © Marcus Brandt/dpa

Update, 13.30 Uhr: Es geht weiter mit Fragen der Verteidiger

Mit ein paar Minuten Verzögerung geht es nach der Mittagspause weiter mit Anmerkungen des Anwalts Marko Voß, der Verteidiger von Familienanwalt Andreas C. Dieser bezieht sich vor allem auf eine mögliche Differenz zu Erinnerungen des Sicherheitsunternehmers vor und nach der Silvesternacht 2023/24.

Er möchte von dem Zeugen wissen, ob der Sicherheitsunternehmer je gesagt habe, dass die Rückführung der Kinder nach Deutschland rechtswidrig gewesen sei. Das verneint der Polizist. "Er betonte, dass er selbst keine rechtswidrigen Taten ausführen würde", zitiert der Polizist den Angeklagten weiter.

Dennoch habe der Angeklagte nicht ausgeschlossen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugehe.

Update, 12.16 Uhr: Sicherheitsunternehmer soll Gerhard Delling angetroffen haben

Der Sicherheitsunternehmer soll Gerhard Delling (66) am Haus von Frau Block angetroffen haben. Zudem hätte der 66-Jährige darüber gesprochen, weitere Hintergrundrecherche zu Hensel betreiben zu wollen. Diesen Auftrag habe der Angeklagte jedoch nicht angenommen.

Ob der Sicherheitsunternehmer direkten Kontakt zu Christina Block hatte? "Die hat sich nie durchgerungen mit mir zu sprechen", so der Angeklagte bei der Vernehmung.

Es folgt die obligatorische Mittagspause bis 13.30 Uhr.

Update: 12.04 Uhr: Überwachung der Häuser soll mehrere Ziele gehabt haben

Und das Treffen am 2. Januar 2024 im Hotel Grand Elysée? "Die Stimmung war gelöst", gibt der Zeuge den Sicherheitsunternehmer aus dem Vernehmungsgespräch wieder. Auch Familienanwalt Andreas C. sei neben Eugen Block im Hotel anwesend gewesen.

"C. hat zu Eugen Block gesagt: 'Der Vater behauptet, es wurde Gewalt angewendet, das ist aber Quatsch'", gibt der Polizist den Sicherheitsunternehmer im Vernehmungsgespräch wieder. Der Angeklagte solle zur Rückführung der Kinder zudem durchaus Bedenken über die rechtlichen Hintergründe in der Vernehmung geäußert haben.

Ziel beim Schutz der Häuser sei nach Angaben des Sicherheitsunternehmers in der Vernehmung gewesen, vor allem Presseleute nicht aufs Grundstück zu lassen. Außerdem sei es das Ziel gewesen zu verhindern, dass Stephan Hensel Aktionen gegen Christina oder Eugen Block unternehmen könnte.

Auch Nebenkläger Stephan Hensel (51) ist am 40. Verhandlungstag wieder mit im Gerichtssaal.
Auch Nebenkläger Stephan Hensel (51) ist am 40. Verhandlungstag wieder mit im Gerichtssaal.  © Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Update, 11.46 Uhr: Vorsitzende Richterin stellt weitere Fragen an den Zeugen

Es habe regelmäßigen Kontakt zwischen dem Sicherheitsunternehmer und Eugen Block gegeben, berichtet der Zeuge. Wie häufig die beiden Kontakt hatten, konnte der Polizist jedoch nicht genau beantworten.

Der Verteidiger des Familienanwalts Andreas C. hakt nach und will wissen, ob von gewaltsamer Überführung der Kinder oder Widerstand in der Vernehmung berichtet wurde. Der Zeuge schüttelt den Kopf.

Nun kommt die erstellte Mindmap des Sicherheitsunternehmers nochmals zur Sprache. Darin habe er seine Ideen festgehalten. Auch die Sorgerechtsbeschlüsse vom Familiengericht seien dem Sicherheitsmitarbeiter ebenfalls zur Verfügung gestellt worden sein.

In seiner Vernehmung bei der Polizei hatte der Sicherheitsmann außerdem gesagt, dass Eugen Block vor allem nach dem Tod seiner Frau noch mehr darauf gedrängt habe, seine Enkelkinder zurückzuholen.

Titelfoto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

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