Zeuge im Block-Prozess: Gesundheitliche Folgen für die Kinder waren "ständig" Thema
Hamburg - Nach rund zwei Wochen Pause, die Christina Block (53) und ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (67) unter anderem nutzten, um gemeinsam das Foreigner-Konzert im Stadtpark zu besuchen, wird am Donnerstag der Prozess gegen die Steakhaus-Erbin fortgesetzt. Am 54. Verhandlungstag soll erneut der Psychologe Dr. Stefan R. aussagen. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
11.04 Uhr: Pause
Ingo Bott bittet um eine kurze Pause. Es folgt eine Unterbrechung bis 11.20 Uhr.
10.56 Uhr: Klara und Theo sollen ihr Halbgeschwister vermisst haben
Gegenüber dem Zeugen hätten Theo und Klara im Januar 2024 nach der Entführung geäußert, dass sie das Essen sowie ihr "Halbgeschwisterchen" in Dänemark vermissten.
Allerdings würden Kinder häufig Ersatzargumente suchen, um ihre vorherige Position zu stützen; daraus lasse sich daher nicht zwingend auf ihre tatsächliche Gefühlslage schließen.
Frau Block habe sich in der Situation nach der Entführung bei sich zu Hause in Hamburg im Umgang mit ihren Kindern "wie man es soll" verhalten. Sie sei zugewandt, liebevoll, unverbindlich und nicht konfrontativ gewesen.
10.44 Uhr: Mögliche gesundheitliche Folgen für die Kinder waren "ständig" Thema
Auch mögliche gesundheitliche Folgen für die Kinder wie Depressionen sollen "ständig" ein Thema gewesen sein. "Frau Block hat sich Sorgen gemacht, ob die Kinder überhaupt wieder gesund werden können, wenn sie zurück in Deutschland sind", so R.
Auch Gerhard Delling habe sich demnach mehrfach danach erkundigt.
10.28 Uhr: Nur rechtlich zulässige Wege sollen bedacht worden sein
Während der Befragung zu seiner Aussage, man habe die "gesamte Palette" bedacht, erklärt R.: "Manchmal ist das Leben ja primitiv, und man kann sich sein Recht kaufen. Das war auch hier ein Gedanke."
Diesen Gedanken habe Frau Block jedoch schnell wieder verworfen, ebenso wie die Idee, ein Haus in Dänemark zu erwerben, so der Zeuge. Zugleich betont er erneut, dass stets nur nach rechtlich zulässigen Wegen gesucht worden sei, um die Kinder nach Deutschland zurückzubringen.
Es sei ausschließlich um eine auf "statthaften Wegen" angestrebte Wiedervereinigung gegangen. Auch sein angefertigtes "Rückführungskonzept" sei vor diesem Hintergrund zu verstehen: "Anders hätte es auch gar nicht funktioniert."
10.17 Uhr: Zeuge beschreibt Vater der Kinder als "aggressiver Ich-Durchsetzer"
Bott hält dem Zeugen ein von ihm verfasstes Schreiben vor, in dem er Stephan Hensel als "Psychopathen" bezeichnet und ihm manipulatives Verhalten gegenüber den Kindern vorwirft.
Zu diesen Einschätzungen sei er nach eigenen Angaben durch zahlreiche Gespräche mit Menschen gelangt, die Hensel seit Jahren kennen.
"Er ist als aggressiver Ich-Durchsetzer beschrieben worden, auch im beruflichen Kontext. Es wurde mir auch von der Hochzeit berichtet, auf der er gefeiert haben soll, nun am Ziel seiner Träume zu sein, weil er im finanziellen Hochadel angekommen sei", so R.
Hensel sei aggressiv, wenig selbstreflektiert und habe das Wohl der Kinder nicht ausreichend im Blick gehabt, führt R. weiter aus. Stephan Hensel bleibt während dieser Ausführungen äußerlich ruhig.
10.05 Uhr: Hensel-Anwalt schlug vor: Block soll den Kindern ein Haus in Dänemark kaufen
Auf Nachfrage von Bott gibt R. an, über lange Zeit hinweg in mehreren Fällen mit dem Familienanwalt von Stephan Hensel, Gerd Uecker, zusammengearbeitet zu haben. Vor rund eineinhalb Jahren habe man den Kontakt jedoch "beiseitegelegt" – auch mit Blick auf das laufende Verfahren.
Zuvor hätten sich die beiden allerdings über den Fall ausgetauscht. Ihm sei dabei wichtig gewesen, auszuloten, wie die Eltern wieder an einen Tisch gebracht werden könnten, um "Brücken zu bauen".
R. berichtet, Uecker habe die von den Block-Kindern erhobenen Gewaltvorwürfe für zutreffend gehalten. In diesem Punkt habe es zwischen ihnen jedoch "Auffassungsunterschiede" gegeben. Für ihn habe es keine verifizierten Hinweise auf entsprechende Vorfälle gegeben.
Uecker habe außerdem vorgeschlagen, dass Frau Block sich und den Kindern ein Haus in Dänemark kaufen solle, um eine mögliche Kontaktaufnahme zu erleichtern. Bott hakt nach, ob ein solcher Vorschlag nicht im Widerspruch zu den im Raum stehenden Gewaltvorwürfen stehe.
"Ich habe das nicht weiter diskutiert, sondern als Chance begriffen und das auch so weitergegeben", antwortet der Zeuge.
9.54 Uhr: Zeuge betont: "Ich kann keine Rechtsberatung vornehmen, ich bin Psychologe."
R. gibt an, sich im Rahmen seiner Tätigkeit für Frau Block auch mit ihren Anwälten ausgetauscht zu haben. Gemeinsam habe man erörtert, welche rechtlichen Schritte auf internationaler Ebene möglich seien, um die Kinder zurückzuholen.
Zugleich betont der Zeuge immer wieder: "Ich kann keine Rechtsberatung vornehmen, ich bin Psychologe."
9.50 Uhr: "Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich meine Sekretärin mitgebracht"
Bott fragt daraufhin, warum sich R. weder im Januar noch jetzt mit seiner zuvor erfolgten polizeilichen Vernehmung beschäftigt habe. R. entgegnet, er habe bewusst nur das wiedergeben wollen, woran er sich tatsächlich erinnere. Zudem habe er nicht mit einer derart detaillierten Befragung gerechnet.
"Wenn ich gewusst hätte, dass ich gefragt werde, was ich verdient habe und welche Rechnungen ich geschrieben habe, hätte ich meine Sekretärin mitgebracht", sagt der Psychologe.
9.42 Uhr: Zeugenbefragung startet
Die Befragung von Psychologe Dr. Stefan R. startet. Das Fragerecht liegt bei Block-Anwalt Ingo Bott (43).
Dieser fragt, wann der Zeuge Frau Block zuletzt gesehen habe. R. antwortet zunächst, das sei Ende 2022 gewesen, korrigiert sich dann jedoch: Natürlich habe er Frau Block nach der Entführung im Januar 2024 besucht. Den genauen Zeitpunkt könne er heute aber nicht mehr "rekonstruieren".
9.40 Uhr: Prozess startet
Mit ein paar Minuten Verzögerung startet der 54. Verhandlungstag.
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt kündigt an, dass die Verhandlung heute aus "internen Gründen" nur bis 15 Uhr gehen wird.
9.25 Uhr: Stephan Hensel mal wieder da
Vor und in Saal 237 bleibt es – wie zuletzt immer häufiger – vergleichsweise ruhig.
Nach mehreren Wochen der Abwesenheit ist heute auch Stephan Hensel (52), Ex-Mann von Christina Block sowie Vater ihrer Kinder, mal wieder persönlich im Saal. Als Nebenkläger muss er nicht während des gesamten Verfahrens anwesend sein.
9 Uhr: So geht es am Donnerstag weiter
Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, ist für Donnerstag ab 9.30 Uhr die weitere Befragung des Zeugen Dr. Stefan R. angesetzt. Insbesondere die Verteidigung will ihn erneut befragen.
Der Psychologe hatte bereits im Januar 2026 ausgesagt. Eine weitere Vernehmung war für Mai vorgesehen, musste jedoch kurzfristig verschoben werden, nachdem dieser erkrankt war.
Auf seiner Homepage bezeichnet sich Dr. R. als "Wegweiser aus Ihrem Elternkonflikt" und betont, dass in seiner Arbeit stets das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehe.
Im Prozess spielte der Psychologe bereits mehrfach eine Rolle. Christina Block soll ihn schon während des familienrechtlichen Streits mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel (52) beauftragt haben. In einem Gutachten kam Dr. R. zu dem Schluss, die Kinder seien durch ihren Vater von der Mutter entfremdet worden. Ohne dabei mit den Kindern gesprochen zu haben, wie R. selbst aussagte.
Erst nach der Entführung in der Silvesternacht 2023/24 habe Dr. R. die Kinder persönlich bei ihrer Mutter Zuhause kennengelernt.
Zudem erstellte R. ein sogenanntes "Rückführungskonzept", das Christina Block später mit den Worten "I hope you can use it" an die mutmaßlichen Entführer weiterleitete. Von ihm soll zudem der Vorschlag stammen, die Kinder sollten ihre Mutter zunächst an einem "neutralen Ort" wiedersehen. Nach eigener Aussage entschied sich David B. deshalb für einen Bauernhof in Süddeutschland als Treffpunkt für das erste Wiedersehen.
Update, 8.50 Uhr: Recap vom 53. Verhandlungstag
Am 53. Verhandlungstag wurde die Zeugenbefragung von Keren T. alias "Olga" beendet.
Am insgesamt vierten Tag ihrer Vernehmung stellte insbesondere der Verteidiger des angeklagten Familienanwalts Dr. Andreas C., Dr. Marko Voß, zahlreiche Fragen. Dieser konfrontierte Keren T. zunächst mit der Aussage des mutmaßlichen Chef-Entführers David B. (68), wonach eine physische Rückholung der Kinder ursprünglich nicht geplant gewesen sei.
Die Zeugin hingegen blieb bei ihrer Darstellung, wonach Dr. C. von Beginn an Druck auf das Team ausgeübt und eine physische Rückholung der Kinder gefordert habe.
Anschließend fragte Dr. David Rieks, der Verteidiger von Gerhard Delling (66), unter anderem danach, wie die einzelnen Mitglieder des mutmaßlichen Entführer-Teams zusammengestellt worden seien.
Keren T. hatte zuvor betont, dass sie und David B. sichergestellt hätten, ausschließlich "gute Menschen" zu engagieren.
"Wie haben Sie bewertet, wer gute Menschen sind, die zum Team passen?", fragte der Anwalt. "Das klingt jetzt vermutlich komisch, aber erstmal sicherstellen, dass sie keine Verbrecher sind. Menschen, die wir persönlich kennen und denen wir vertrauen. Durch Gespräche wirkten sie einfach wie gute Menschen", antwortete die Zeugin.
Titelfoto: Georg Wendt/dpa-pool/dpa