Coronavirus: Heiko Maas wegen Covid-Infektion eines Personenschützers in Quarantäne

Deutschland/Welt - Das Coronavirus wird Deutschland wohl noch lange Zeit beschäftigen. Abstand halten und Maske tragen dürfte deshalb noch für eine ganze Weile an der Tagesordnung stehen. Örtlich kommt es derzeit auch wieder zu schärferen Maßnahmen zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung.

Ein selbst gebasteltes Abbild eines Coronavirus wird hochgehalten.
Ein selbst gebasteltes Abbild eines Coronavirus wird hochgehalten.  © dpa/Hauke-Christian Dittrich

In Deutschland wurden mittlerweile 278.296 Infektionen bestätigt. 9413 Corona-Patienten starben hierzulande an der Infektion, während 245.886 weitere als genesen gelten (Stand 23. September, 12 Uhr).

Die USA haben weltweit die meisten Fälle registriert: Über 6,89 Millionen Infizierte und 200.814 Tote wurden bereits erfasst (Stand 23. September, 12 Uhr).

Weltweit gibt es insgesamt mehr als 31,63 Millionen bestätigte Infektionen und 971.360 Todesfälle (Stand 23. September, 12 Uhr).

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 gibt es hier im Ticker.

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Update, 23. September, 14.45 Uhr: Bischöfe besorgt wegen Verschwörungsideologien

Angesichts von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen hat sich der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck gegen Verschwörungsideologien gewandt. 

"Die Corona-Krise ist ein Brandbeschleuniger", sagte Overbeck am Mittwoch bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda mit Blick unter anderem auf eine Demonstration in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen Ende August. Dabei hatten Demonstranten Absperrungen durchbrochen und kurzzeitig auf den Stufen des Reichstags unter anderem Fahnen des Kaiserreichs geschwenkt.

Overbeck zeigte sich von der Entwicklung besorgt. Menschen aus den verschiedenen Milieus schlössen sich – in Staatsferne vereint – zu eigentümlichen Allianzen zusammen und hingen teils auch Verschwörungsideologien an.

Solche Bewegungen dürften zwar mit Blick auf die Zahl ihrer Anhänger nicht überbewertet werden. Auch gehörten lebhafte Debatten über Inhalte sowie eine Vielfalt der Perspektiven zu jeder Demokratie. "Aber es ist für unser Zusammenleben in einer Demokratie brandgefährlich, wenn deren Grundfeste infrage gestellt werden, wenn Antisemitismus, Rassismus und Hetze aufflammen."

Update, 23. September, 14.37 Uhr: Maas wegen Corona-Infektion eines Personenschützers in Quarantäne

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich wegen der Corona-Infektion eines seiner Personenschützer in Quarantäne begeben. Ein erster Test auf eine Covid-19-Erkrankung sei am Mittwoch aber negativ gewesen, teilte das Auswärtige Amt mit. Mehr dazu lest Ihr >>> hier.

Außenminister Heiko Maas (54, SPD) hat sich in Corona-Quarantäne begeben.
Außenminister Heiko Maas (54, SPD) hat sich in Corona-Quarantäne begeben.  © Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

Update, 23. September, 14.13 Uhr: Scholz rechnet bis 2024 nicht mit Schwarzer Null

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) rechnet auch in den kommenden Jahren nicht mit einer Rückkehr zur Schwarzen Null, also einem Bundeshaushalt komplett ohne neue Schulden. Er wolle in den Jahren 2022 bis 2024 die Kredite aufnehmen, die die Schuldenbremse erlaube, sagte der Vizekanzler am Mittwoch in Berlin. Die Schuldenbremse im Grundgesetz ermöglicht eine geringe Neuverschuldung.

Für das kommende Jahr soll sie wegen der Corona-Pandemie allerdings noch einmal ausgesetzt werden, damit höhere Kredite möglich sind. Scholz plant für 2021 mit neuen Schulden in Höhe von 96,2 Milliarden Euro. Das Kabinett segnete seinen Haushaltsentwurf am Mittwoch ab, nun wird er im Bundestag diskutiert.

Scholz betonte, Steuersenkungen für Spitzenverdiener seien angesichts der finanziellen Lage nicht angezeigt. "Ich glaube, dass diejenigen, die jetzt in dieser Situation Steuersenkungen versprechen für Leute, die ein paar Hunderttausend Euro im Jahr verdienen, haben entweder Schlimmes mit unserem Land vor, was viele Millionen Bürgerinnen und Bürger bezahlen müssten, oder aber sagen nicht die Wahrheit."

Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, der eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt, kommt zu einer Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des Regierungsentwurfs zum Bundeshaushalt 2021 und Finanzplan bis 2024.
Olaf Scholz (SPD), Bundesminister der Finanzen, der eine Mund-Nasen-Bedeckung trägt, kommt zu einer Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des Regierungsentwurfs zum Bundeshaushalt 2021 und Finanzplan bis 2024.  © Fabrizio Bensch/Reuters/POOL/dpa

Update, 23. September, 13.51 Uhr: Krankenversicherte müssen sich auf höhere Beiträge einstellen

Die Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen müssen im kommenden Jahr wahrscheinlich im Durchschnitt um 0,2 Prozentpunkte höhere Beiträge bezahlen. Das ergibt sich aus einem Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), für den das Kabinett am Mittwoch in Berlin grünes Licht gab.

Erwartet wird eine Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenversicherung von mehr als 16 Milliarden Euro. Zur Finanzierung von Mehrkosten und zum Ausgleich geringerer Einnahmen durch die Corona-Krise soll die gesetzliche Krankenversicherung fünf Milliarden Euro mehr aus Steuergeld erhalten. Aus den Reserven der Krankenkassen sollen einmalig acht Milliarden Euro in die Einnahmen des Gesundheitsfonds fließen. Es dürften dann aber noch rund drei Milliarden Euro fehlen.

Dafür müsste der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz für das Jahr 2021 um 0,2 Beitragssatzpunkte auf 1,3 Prozent steigen. Das Gesundheitsministerium will den durchschnittlichen Beitragssatz zum 1. November 2020 bekanntgeben. Die Sozialversicherungsbeiträge sollen bei maximal 40 Prozent stabilisiert werden.

Kritik kam vom Krankenkassen-Spitzenverband. Die Pläne seien "sozial unausgewogen und zudem ein massiver Eingriff in die Autonomie der Selbstverwaltung", so die Verwaltungsratsvorsitzenden Uwe Klemens und Volker Hansen. Anja Piel vom Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbunds forderte: "Die Versicherten und die gesetzlichen Krankenkassen dürfen nicht zu Zahlmeistern für die Folgekosten der Corona-Pandemie werden."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nimmt an einer Diskussionsrunde zur Nationalen Demenzstrategie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend teil.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nimmt an einer Diskussionsrunde zur Nationalen Demenzstrategie im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend teil.  © Hannibal Hanschke/REUTERS/Pool/dpa

Update, 23. September, 13.45 Uhr: Pariser Kunststiftung Louis Vuitton wieder offen

Die Pariser Fondation Louis Vuitton öffnet nach rund sechsmonatiger Corona-Zwangspause wieder - und zwar mit einer Retrospektive über die amerikanische Fotografin Cindy Sherman. Gezeigt werden seit Mittwoch rund 170 Werke aus der Zeit von 1975 bis 2020. Die Ausstellung ist nach Themen wie Mode, Clowns und Historische Porträts gegliedert.

In einer ihren jüngsten Fotoserien stellt Sherman männliche Figuren und Paare dar. Die 66-jährige Fotografin bildet sich in ihren schrillen Arbeiten oft selbst ab – kostümiert und stark geschminkt, um ihre Erscheinung zu verändern. Dabei stehen Fragen nach Identität, Rollenbilder und Körperlichkeit im Mittelpunkt. Die Werkschau dauert bis zum 3. Januar 2021.

Die Stiftung ist eines der letzten Kunstmuseen, das in Frankreich nach der Corona-Pause wieder seine Türen öffnet. Der extravagante Museumsbau des Star-Architekten Frank Gehry (91) liegt im Bois de Boulogne, einem Wald und Park im Westen von Paris, in der Nähe des reichen Vororts Neuilly-sur-Seine.

Update, 23. September, 13.44 Uhr: Niedersachsen lässt Fans wieder in Stadien - Lockerungen weiter offen

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen will die Landesregierung erst kurz vor Oktoberbeginn entscheiden, ob zum Monatsanfang weitere Lockerungen in Kraft treten. Bereits klar ist aber, dass Niedersachsen für sechs Wochen die Teil-Rückkehr der Fans in die Fußball-Stadien testet. Ab Freitag dürfen Stadien und Sporthallen zu maximal 20 Prozent ausgelastet werden, sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Mittwoch.

Damit kann bereits das Fußball-Zweitliga-Spiel zwischen dem VfL Osnabrück und Hannover 96 am Freitagabend (18.30 Uhr/Sky) vor 3200 Zuschauern stattfinden. Allerdings gehen auch in Osnabrück die Infektionszahlen aktuell hoch, die Stadt richtete deswegen ihren Corona-Krisenstab wieder ein.

Update, 23. September, 13.40 Uhr: "Menschenverachtend": CDU-Sozialflügel rügt Äußerungen von Merz

Die Äußerungen von Friedrich Merz zur Arbeitsmoral in Corona-Zeiten stoßen beim CDU-Sozialflügel CDA auf heftige Kritik. "In der Corona-Krise haben viele Menschen nicht weniger, sondern mehr gearbeitet", sagte der stellvertretende CDA-Bundesvorsitzende Christian Bäumler der Deutschen Presse-Agentur. "In den Krankenhäusern und Pflegeheimen, in Lebensmittelhandel, der Logistik und überall dort, wo die Daseinsvorsorge aufrecht erhalten wurde."

Die Äußerungen von Merz seien menschenverachtend, sagte Bäumler. "Die meisten Menschen, die nicht arbeiten durften, haben darunter gelitten, finanziell und mental." Bäumler ist auch baden-württembergischer CDA-Landeschef.

Der für den Parteivorsitz kandidierende CDU-Politiker Merz hatte zuvor davor gewarnt, sich angesichts der Corona-Krise an ein Leben ohne Arbeit zu gewöhnen. "Wir müssen ein bisschen aufpassen, dass wir uns nicht alle daran gewöhnen, dass wir ohne Arbeit leben können", hatte der frühere Aufsichtsratschef des US-Vermögensverwalters Blackrock am Sonntagabend im "Bild"-Politiktalk "Die richtigen Fragen" gesagt. 

"Wir müssen zurück an die Arbeit." Merz ließ durchblicken, dass aus seiner Sicht vor allem Lehrkräfte ohne triftigen Grund nicht mehr zum Schulunterricht erscheinen. "Es bleiben einfach zu viele Lehrer Zuhause", sagte er. Wer nicht ernsthaft erkrankt sei, müsse auch in die Schule kommen.

Hildesheim: Friedrich Merz, Ex-Unionsfraktionschef, spricht während des Niedersachsentag der Jungen Union.
Hildesheim: Friedrich Merz, Ex-Unionsfraktionschef, spricht während des Niedersachsentag der Jungen Union.  © Peter Steffen/dpa

Update, 23. September, 13.37 Uhr: Biathlon auf Schalke für 2020 abgesagt

Die Biathlon-Veranstaltung in der Arena des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 findet 2020 nicht statt. Grund sei das Verbot von Großveranstaltungen wegen der Corona-Pandemie, teilte der Verein am Mittwoch mit.

"Gemeinsam mit dem Deutschen Skiverband und Chef-Organisator Herbert Fritzenwenger hat sich der FC Schalke 04 als Veranstalter der WTC nun dazu entschieden, das Wintersportevent um ein Jahr - auf Dezember 2021 - zu verschieben", heißt es in der Mitteilung. Geplant war die Veranstaltung, die jährlich zehntausende Zuschauer anlockt, für den 28. Dezember. In diesem Jahr wäre es im Ruhrgebiet die 19. Auflage gewesen.

Update, 23. September, 13.32 Uhr: Experten beleuchten Schulschließungen wegen Corona kritisch

Europäische Experten haben sich kritisch mit Schulschließungen während der Corona-Pandemie auseinandergesetzt. "Kinder haben mit größerer Wahrscheinlichkeit eine leichte oder asymptomatische Infektion", sagte Jonathan Suk vom Europäischen Zentrum für die Kontrolle und Prävention von Krankheiten (ECDC) laut einer Mitteilung. Die Krankheit verlaufe in der Regel sehr mild oder breche gar nicht erst aus. Deshalb sei die Schließung von Kinderbetreuungs- und Bildungseinrichtungen als Einzelmaßnahme wahrscheinlich nicht gerechtfertigt.

Ob Schulschließungen eine wirksame Maßnahme zur Bekämpfung des Coronavirus sind, war am Mittwoch Thema einer internationalen Konferenz, die von der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) und vom ECDC veranstaltet wurde.

Nur vier Prozent der in den europäischen Ländern registrierten Fälle von Covid-19 betrafen demnach Kinder bis 18 Jahren. 44 Prozent davon waren zwischen 12 und 18 Jahre alt.

Chiara Reno von der Universität Bologna in Italien appellierte an die politischen Entscheidungsträger, die Vor- und Nachteile bei der Strategie zur Wiedereröffnung von Schulen abzuwägen und die psychologischen, erzieherischen und sozialen Folgen für Kinder und ihre Familien zu berücksichtigen.

Schulschließungen könnten sich auf Kinder sehr negativ auswirken, so Reno. Einigen Berichten zufolge seien Kinder und Jugendliche einem hohen Risiko für Depressionen und Angstzuständen ausgesetzt, wenn sie von der Schule und ihren Freunden isoliert sind.

Reno sprach sich dafür aus, die Vorgehensweise an die Altersgruppen anzupassen. Die Umsetzung strenger Maßnahmen zur Infektionskontrolle, wie Händewaschen, Abstandhalten und die Lüftung von Räumen, sei von entscheidender Bedeutung. "Es gibt keine einzige vollständig wirksame Maßnahme, sondern eine Mischung aus Maßnahmen, die unterschiedlich kombiniert und kontextualisiert werden müssen."

Pakistan, Peschawar: Eine Mitarbeiterin misst die Körpertemperatur von Schülerinnen bei deren Ankunft an einer Schule.
Pakistan, Peschawar: Eine Mitarbeiterin misst die Körpertemperatur von Schülerinnen bei deren Ankunft an einer Schule.  © Muhammad Sajjad/AP/dpa

Update, 23. September, 13.31 Uhr: Weltweit massive Einkommensverluste

Das Einkommen von Arbeitnehmern weltweit ist wegen der Corona-Pandemie drastisch eingebrochen. Der Rückgang dürfte von Januar bis Ende September 3,5 Billionen Dollar (rund drei Billionen Euro) betragen, berichtete die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) am Mittwoch in Genf.

Das sei ein Rückgang von 10,7 Prozent zum Vergleichszeitraum 2019. In diesen Zahlen sind staatliche Einkommensbeihilfen nicht berücksichtigt. Die Menschen seien auf Einkommen angewiesen, um ihre Familien zu ernähren, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder. "Die Folgen (dieses Verlustes) sind katastrophal", sagte er.

Betroffen sind demnach vor allem Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Steuerliche Anreize und staatliche Hilfen zur Stützung der Wirtschaft habe es vor allem in Ländern mit hohen Einkommen gegeben. Die armen Länder brauchten Schuldenerlass und mehr Entwicklungshilfe. Die schlimmsten Folgen könnten in den ärmsten Ländern mit 45 Milliarden Dollar verhindert werden - das sei weniger als ein Prozent von dem, was Länder mit hohen Einkommen in ihre Volkswirtschaften gepumpt hätten.

Weltweit sei die Zahl der Arbeitsstunden stärker eingebrochen als zunächst angenommen, schreibt die ILO. Im 2. Quartal 2020 seien verglichen mit dem 4. Quartal 2019 Arbeitsstunden im Umfang von 495 Millionen Vollzeitstellen (auf Basis einer 48-Stunden-Woche) weggefallen. Das entspreche 17,3 Prozent.

Ohne Stützungsmaßnahmen wären 28 Prozent weggefallen, sagte Ryder. Im Juni war die ILO für das 2. Quartal noch von einem Verlust von Arbeitsstunden im Umfang von 400 Millionen Vollzeitstellen ausgegangen. Im 4. Quartal dürften noch Arbeitsstunden fehlen, die 245 Millionen Vollzeit-Stellen entsprechen, nicht, wie im Juni gehofft, 140 Millionen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt an einer Videokonferenz mit den Vorsitzenden von internationaler Wirtschafts- und Finanzorganisationen ILO, IWF, OECD, Weltbank und WTO im Bundeskanzleramt teil. (auf dem Monitor ist Guy Ryder, Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zu sehen).
Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt an einer Videokonferenz mit den Vorsitzenden von internationaler Wirtschafts- und Finanzorganisationen ILO, IWF, OECD, Weltbank und WTO im Bundeskanzleramt teil. (auf dem Monitor ist Guy Ryder, Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation ILO zu sehen).  © Sandra Steins/Bundespresseamt-Pool/dp

Update, 23. September, 13.26 Uhr: Kein Alkoholverbot auf Weihnachtsmärkten in Thüringen, aber Einschränkungen

Besucher von Weihnachtsmärkten in Thüringen können in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie keinen Glühwein mit Schuss und harte Spirituosen an den Marktständen trinken. Das sieht eine vom Gesundheitsministerium erarbeitete Regelung für die Weihnachtsmärkte vor, wie ein Ministeriumssprecher am Mittwoch auf Anfrage sagte.

Der Ausschank anderer alkoholischer Getränke wird nicht verboten, allerdings zeitlich begrenzt. Nach der in Abstimmung mit den Kommunen erarbeiteten Regelung muss der Alkoholausschank um 21 Uhr eingestellt werden. Bierzelte sind nicht erlaubt. Die Regelung soll laut Ministerium auch für ähnliche Märkte gelten.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte kürzlich gesagt, die Landesregierung wolle ballermannähnliche Zustände mit Zusammenkünften vieler alkoholisierter Besucher auf den Weihnachtsmärkten unterbinden. Die jetzige Regelung sieht auch eine Besucherlenkung durch ein Einbahnstraßensystem und den Verzehr von Speisen und Getränken auf separaten Flächen vor. Musik- und andere Kulturangebote sind unter Wahrung von Abstandsregeln erlaubt.

Auch Blasmusiker dürfen unter dieser Voraussetzung auftreten. Bekanntester Weihnachtsmarkt in Thüringen ist der in Erfurt, der in normalen Zeiten jährlich um die zwei Millionen Gäste anzieht. Zuvor hatte die "Thüringer Allgemeine" berichtet.

Unterdessen verlängert Thüringen die landesweiten Corona-Regelungen bis zum 31. Oktober - vorerst unverändert. Sie schreiben unter anderem die Verpflichtung zum Erheben von Kontaktdaten bei Gaststättenbesuchern, Maskenpflicht für Kunden im Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr und ein Bußgeld von 60 Euro für Maskenverweigerer vor. Familienfeiern mit mehr als 50 Teilnehmern in Räumen und ab 100 Teilnehmern im Freien müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Die derzeitige Verordnung gilt bis Ende September.

Eisenach: Die Georgenkirche und der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt.
Eisenach: Die Georgenkirche und der Weihnachtsmarkt in der Innenstadt.  © Martin Schutt/ZB/dpa

Update, 23. September, 13.23 Uhr: Verwirrung um positive Corona-Tests bei Tennisprofi Paire in Hamburg

Der bereits bei den US Open in New York positiv auf das Coronavirus getestete Franzose Benoit Paire hat mit dem Öffentlichmachen weiterer positiver Tests beim Tennis-Turnier in Hamburg für Aufsehen gesorgt. Paire erklärte am Mittwoch, nachdem er seine Erstrunden-Partie gegen den Norweger Casper Ruud beim Stand von 4:6, 0:2 wegen Erschöpfung aufgegeben hatte, er sei in Hamburg zwei Mal positiv getestet worden, habe nach einem weiteren negativen Test aber am Turnier teilnehmen dürfen.

Nach seiner Rückkehr aus den USA, wo er sich nach seinem Ausschluss von den US Open tagelang im Hotel in Quarantäne hatte begeben müssen, sei er sowohl in Frankreich als auch beim Masters-1000-Event in Rom negativ getestet worden. "Ich verstehe das alles nicht mehr", sagte Paire. "Ich bin einfach nur müde."

Ob er bei den am Sonntag beginnenden French Open in seiner Heimat antreten werde, ließ der 31 Jahre alte Franzose offen. Wenn nicht, werde er seine Saison sofort beenden. "So macht es keinen Spaß", sagte Paire. Das Leben bestehe nicht nur aus Netflix und Playstation, sagte der Franzose mit Blick auf den Zeitvertreib in der Quarantäne.

Tennis ATP-Tour - German Open, Einzel, Herren, 1. Runde im Stadion am Rothenbaum. Ruud (Norwegen) - Paire (Frankreich). Benoit Paire in Aktion.
Tennis ATP-Tour - German Open, Einzel, Herren, 1. Runde im Stadion am Rothenbaum. Ruud (Norwegen) - Paire (Frankreich). Benoit Paire in Aktion.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Update, 23. September, 12.45 Uhr: Drosten: "Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen" - besser wappnen

Der Berliner Virologe Christian Drosten sieht Deutschland in der Corona-Pandemie noch nicht ausreichend für die kommende Zeit gewappnet. "Wir müssen, um die Situation in den kommenden Monaten zu beherrschen, Dinge ändern", sagte er im Vorfeld der im Oktober anstehenden Gesundheitskonferenz World Health Summit in Berlin. "Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns."

Pragmatische Entscheidungen seien nötig, sagte Drosten dem World Health Summit zufolge. "Es werden schon Festtagsreden auf den deutschen Erfolg gehalten, aber man macht sich nicht ganz klar, woher er kam." Er gehe schlichtweg darauf zurück, dass Deutschland ungefähr vier Wochen früher reagiert habe als andere Länder. "Wir haben mit genau den gleichen Mitteln reagiert wie andere. Wir haben nichts besonders gut gemacht. Wir haben es nur früher gemacht", erklärte der Leiter des Instituts für Virologie der Charité.

"Wir waren nicht deshalb erfolgreich, weil unsere Gesundheitsämter besser waren als die französischen, oder weil unsere Krankenhäuser besser ausgestattet sind als die italienischen", so Drosten weiter. "Wenn man das jetzt überträgt in den Herbst, dann muss man sich natürlich klarmachen, dass wir auch weiterhin nichts besser machen als andere." Deutschland müsse viel differenzierter und genauer auf die Entwicklungen im Ausland schauen. "Wir müssen aufhören, uns über so Dinge wie Fußballstadien zu unterhalten. Das ist wirklich komplett irreführend."

Im Moment wisse niemand genau, wie die Pandemie weiter verlaufen wird. Es gebe die Möglichkeit, dass das Ganze nicht mehr so gut zu beherrschen sei und "dass die Wissenschaft beispielsweise mit der Verfügbarkeit von Impfstoffen einfach zu langsam gewesen ist". Erst am Ende werde klar sein, wie sich die Wissenschaft geschlagen habe. "Denn diese Pandemie ist ja erst mal kein wissenschaftliches Phänomen, es ist eine Naturkatastrophe."

Eine wichtige Lektion aus der Pandemie für die Zukunft sei, dass Gesundheit das Wichtigste für den Einzelnen und die Grundlage für eine funktionierende Gesellschaft sei, sagte Detlev Ganten, Präsident und Gründer des World Health Summit, bei dem Doppelinterview. "Wirtschaft, Kultur und all das funktioniert eben nicht mehr, wenn das, was wir als garantiert ansehen, nicht mehr da ist. Ich bin nicht sicher, ob das allen wirklich so klar ist."

Klar müsse auch sein, dass die Zulassung eines Impfstoffs nicht sofort die Lösung des Problems bedeute, sagte Drosten. Zunächst müsse die Priorität bei Risikogruppen liegen. "Neben der zu erwartenden Verteilungskompetition ist es auch gar nicht so einfach, so viele Vakzinedosen in Flaschen abzufüllen und die dann auch zu verimpfen", erklärte er. "Deswegen ist das schon eine Unternehmung fürs ganze Jahr 2021."

Christian Drosten, Direktor am Institut für Virologie an der Charite - Universitätsmedizin Berlin, aufgenommen im Forschungsministerium bei einer Pressekonferenz zum Nationalen Forschungsbündnis der Universitätsmedizin im Kampf gegen Covid-19.
Christian Drosten, Direktor am Institut für Virologie an der Charite - Universitätsmedizin Berlin, aufgenommen im Forschungsministerium bei einer Pressekonferenz zum Nationalen Forschungsbündnis der Universitätsmedizin im Kampf gegen Covid-19.  © Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Update, 23. September, 12.43 Uhr: Erste Schadenersatz-Klagen nach Corona-Fällen in Ischgl eingereicht

Der Umgang der österreichischen Regierung mit der Coronavirus-Ausbreitung im Skiort Ischgl hat erste Schadenersatz-Klagen zur Folge. Vier Musterklagen von Menschen, die sich im März in dem Tiroler Ort angesteckt haben, liegen seit dieser Woche beim Landgericht Wien, wie das Gericht am Mittwoch bestätigte. Bei den Amtshaftungsklagen gegen die Republik Österreich geht es nach Angaben von Verbraucherschützer Peter Kolba um verschiedene Summen von bis zu 100.000 Euro, unter anderem für Schmerzensgeld und Kostenerstattung. Außerdem soll die Haftung für Folgeschäden geklärt werden.

Unter den Muster-Fällen sind drei Deutsche sowie ein Österreicher, der nach dem Skiurlaub im April an Covid-19 starb. Die drei anderen, unter ihnen ein Geschäftsreisender aus München, waren teils schwer erkrankt und könnten Dauerschäden behalten, hieß es. "Es sind nur die ersten Klagen, weitere werden folgen", kündigte Kolba an.

Kolbas Verbraucherschutzverein (VSV) wirft den Verantwortlichen vor, den Tourismusbetrieb im Tiroler Paznauntal trotz des grassierenden Virus nicht bereits vor dem Anreisetag 7. März beendet zu haben. Die Verkündung der Quarantäne "ab sofort" am 13. März durch Bundeskanzler Sebastian Kurz habe für chaotische Zustände und Massenabreisen gesorgt.

Bei dem Verein haben sich nach Kolbas Angaben mehr als 6000 Menschen aus 45 Ländern gemeldet, die sich in Ischgl angesteckt haben sollen. Mehr als 1000 von ihnen erteilten dem Verein laut ihm die Vollmacht, in ihrem Namen zu klagen. Die Klagen würden fallen gelassen, wenn die Regierung Fehler eingestehe und Schadenersatz anbiete, sagte Kolba.

Ein Ortsschild steht am Ausgang der Ortschaft Ischgl.
Ein Ortsschild steht am Ausgang der Ortschaft Ischgl.  © Jakob Gruber/APA/dpa

Update, 23. September, 12.31 Uhr: Kanzleramtschef: Kein Anlass für weitere Corona-Lockerungen

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) sieht momentan keine Möglichkeiten für weitere Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen. Mit Blick auf die nächsten Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten der Länder am kommenden Dienstag, sagte Braun am Mittwoch in Berlin, man habe schon bei den letzten Gesprächen mit den Ministerpräsidenten gesagt, dass momentan kein Anlass dafür gegeben sei, über weitere Lockerungen nachzudenken.

Braun sprach von einer zunehmenden Tendenz bei den Corona-Zahlen und verwies auf eine abnehmende Zahl von Landkreisen ohne Fälle sowie eine steigende Zahl sogenannter Hotspots. "Wir müssen eben sehr darauf dringen, dass wir überall, wo Hotspots entstehen, wo ein diffuses Infektionsgeschehen ist, auch über klare Beschränkungen sprechen, damit sich das Geschehen insgesamt in Deutschland weiter gut eindämmen lässt."

Merkel und die Länderchefs hatten zuletzt Ende August über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten und wollen am kommenden Dienstag bei einer Videokonferenz erneut miteinander sprechen.

Jens Spahn (M, CDU), Bundesgesundheitsminister, äußert sich zusammen mit Dorothee Bär (l, CSU), Staatsministerin für Digitalisierung, und Helge Braun (CDU), Chef Bundeskanzleramt, bei einer Pressekonferenz zur Corona-Warn-App, die seit 100 Tagen von den Bürgen genutzt werden kann.
Jens Spahn (M, CDU), Bundesgesundheitsminister, äußert sich zusammen mit Dorothee Bär (l, CSU), Staatsministerin für Digitalisierung, und Helge Braun (CDU), Chef Bundeskanzleramt, bei einer Pressekonferenz zur Corona-Warn-App, die seit 100 Tagen von den Bürgen genutzt werden kann.  © Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

Update, 23. September, 12.27 Uhr: Irlands Vize-Regierungschef Leo Varadkar in Quarantäne

Irlands Vize-Regierungschef Leo Varadkar hat sich nach Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person vorsorglich in Quarantäne begeben. "Mir geht es gut, und ich werde von zuhause arbeiten", sagte der Politiker der bürgerlichen Fine Gael-Partei dem irischen Sender RTE zufolge am Mittwoch.

Er sei in "engem Kontakt" mit jemandem gewesen, der positiv auf Covid-19 getestet worden sei. Sein eigener Test sei zwar negativ ausgefallen, er wolle jedoch den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden folgen, so Varadkar.

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa Pool/dpa

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