Coronavirus: Kurskorrektur? Olaf Scholz sieht keinen Grund, Inzidenz knackt 800er-Marke

Deutschland/Welt - In Deutschland verschärft sich die Corona-Lage, die Fallzahlen steigen. Strengere Auflagen treffen jetzt sogar Menschen, die noch nicht gegen das Covid-19-Virus geboostert sind.

Bundesweit gilt in vielen gesellschaftlichen Bereichen mindestens die 2G-Regel, oft sogar 2G plus.
Bundesweit gilt in vielen gesellschaftlichen Bereichen mindestens die 2G-Regel, oft sogar 2G plus.  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt bundesweit laut Robert-Koch-Institut bei 806,8 (Vortag: 772,7).

Laut RKI sind seit Beginn der Pandemie rund 8,7 Millionen nachgewiesene Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 in Deutschland aufgetreten. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Insgesamt 116.718 Menschen sind hierzulande mit oder an dem Virus bereits verstorben. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 7,2 Millionen an (alle Daten Stand 23. Januar, 5.04 Uhr).

Corona in Baden-Württemberg: Inzidenz steigt auf über 800
Coronavirus Corona in Baden-Württemberg: Inzidenz steigt auf über 800

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Update, 23. Januar, 20.23 Uhr: Lauterbach: Nach der Welle schrittweise Öffnungen

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (58, SPD) hat verteidigt, dass es bei der Verkürzung des Genesenenstatus von bisher sechs auf nun drei Monate keine Übergangsregelungen gibt.

"Ich kann jetzt nicht sagen, es gibt einen Übergang, wenn das medizinisch nicht zu halten ist", sagte der SPD-Politiker am Sonntagabend in der ZDF-Sendung "Berlin direkt".

Corona-Genesene hätten angesichts der nun vorherrschenden Omikron-Variante ihren Impfschutz nach drei Monaten leider verloren und könnten sich infizieren. "Wenn man da Sicherheit will und die Fallzahlen kontrollieren will und die Vulnerablen besonders schützen will, dann muss man schnell handeln."

Update, 23. Januar, 18.15 Uhr: 50.000 demonstrieren in Brüssel gegen Corona-Maßnahmen

Zehntausende Menschen haben in Brüssel gegen die Corona-Auflagen demonstriert - teilweise mit Gewalt. 50.000 Menschen versammelten sich am Sonntag in der Brüsseler Innenstadt, wie eine Sprecherin der Polizei der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.

Sechs Personen seien bereits vor Beginn der Demonstration wegen Besitzes von gefährlichen oder verbotenen Gegenständen festgenommen worden, sagte die Sprecherin.

Die Demonstranten marschierten vom Nordbahnhof ins europäische Viertel, wo teils Krawalle ausbrachen. Demonstranten Gegenstände auf Polizisten und beschädigten Gebäude. Die Polizei habe Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt, um die Beteiligten wegzudrängen. Ab 15 Uhr wurde die Demonstration nach Angaben der Polizei aufgelöst.

Polizisten und Demonstranten während des Protestes gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung in der belgischen Hauptstadt Brüssel.
Polizisten und Demonstranten während des Protestes gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung in der belgischen Hauptstadt Brüssel.  © Geert Vanden Wijngaert/AP/dpa

Update, 23. Januar, 17.45 Uhr: Harte Einschränkungen für Ungeimpfte treten in Frankreich in Kraft

In Frankreich treten drastische Einschränkungen für nicht gegen Corona Geimpfte in Kraft. Ab Montag haben Ungeimpfte und Nicht-Genesene etwa keinen Zugang mehr zu Restaurants, Bars, Kultureinrichtungen, Sportveranstaltungen und Fernzügen.

Grund ist die Einführung des "pass vaccinal" (Impfpass) in Frankreich. Dieser Nachweis über Genesung oder Impfung muss künftig für die Teilnahme am öffentlichen Leben vorgelegt werden. Bislang reichte auch der Nachweis über einen negativen Corona-Test.

Der "pass vaccinal" entspricht grob der 2G-Regelung in Deutschland. Ausnahmen sollen zunächst aber für Menschen gelten, die sich noch kurzfristig für eine erste Impfung entscheiden. Sie sollen vorerst weiter ein negatives Testergebnis vorlegen dürfen. Laut einem Urteil des französischen Verfassungsrats dürfen die Einschränkungen für Ungeimpfte nur solange in Kraft bleiben, wie es die Pandemie erfordert.

Update, 23. Januar, 16.58 Uhr: Erstmals seit Dezember Anstieg der Intensivbetten-Belegung

Erstmals seit Mitte Dezember gibt es wieder einen Anstieg bei der Zahl auf Intensivstationen behandelter Covid-19-Patienten.

Laut Tagesreport des Divi-Intensivregisters waren am Sonntag 2426 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung erfasst - und damit 28 mehr als am Vortag. Ein Anstieg war zuletzt im Tagesreport vom 13. Dezember gemeldet worden, um 21 auf 4926 Patienten. Danach war die Zahl stetig gesunken.

Bisher schien sich die Welle der neuen Corona-Virusvariante Omikron nicht auf die Intensivstationen niederzuschlagen, dies könnte sich nun ändern. Experten hatten stets davor gewarnt, dass im Zuge rasant steigender Fallzahlen auch die Zahl der Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung wieder steigen dürfte, auch wenn Omikron seltener zu schweren Verläufen führt als die zuvor dominierende Variante Delta.

Ein Symbol auf der Intensivstation für Corona-Patienten am Klinikum Offenbach weist auf den Covid-Bereich hin.
Ein Symbol auf der Intensivstation für Corona-Patienten am Klinikum Offenbach weist auf den Covid-Bereich hin.  © Sebastian Gollnow/dpa

Update, 23. Januar, 16.31 Uhr: Zunächst wohl keine neuen Maßnahmen

Auf die Bürger kommen zunächst wahrscheinlich keine weiteren Verschärfungen von Corona-Maßnahmen zu.

Vor der zweiten Omikron-Krisensitzung zwischen Bund und Ländern in diesem Jahr zeichnen sich aber auch keine Lockerungen ab. Vertreter der Bundesregierung und aus den Ländern machten vor den Beratungen am Montag deutlich, dass die im Moment geltenden Regelungen beibehalten werden sollten.

Update, 23. Januar, 16.05 Uhr: Lauterbach und Kahn sprechen über Corona

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (58, SPD) und FC Bayern Münchens Vorstandschef Oliver Kahn (52) haben sich bei einem Treffen in Berlin über die aktuelle Corona-Lage ausgetauscht.

An diesem Montag beraten die Regierungschefs der Länder mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ein weiteres Mal über den weiteren Umgang mit der Omikron-Welle.

"Mit Oliver Kahn habe ich heute kurz über Fußball und Corona gesprochen. Das Gespräch war sehr angenehm und spannend für mich", twitterte Lauterbach am Sonntag. "Trotzdem bin ich noch immer kein FC Bayern Fan", schrieb der Gesundheitsminister außerdem in dem Tweet. Zu den Inhalten des Gesprächs mit dem Bayern-Chef äußerte Lauterbach nichts Konkretes. Es soll aber einen weiteren Austausch geben: "Rückspiel ist vereinbart."

Update, 23. Januar, 15.09 Uhr: Bundeskanzler Olaf Scholz äußert sich vor Corona-Beratungen

Olaf Scholz (63, SPD) sieht momentan keinen Anlass für ein Umsteuern bei den Corona-Maßnahmen in Deutschland.

"Es ist jedenfalls sicher nicht angebracht, mitten in der Omikron-Welle auf breiter Front die Regeln zu lockern", sagte der Bundeskanzler in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung mit Blick auf die anstehenden Corona-Beratungen mit den Ländern an diesem Montag. "Wir brauchen keine Kurskorrektur."

Scholz sagte, das Land sei auf dem richtigen Weg. Die seit November eingeführten strengen Regeln hätten dazu geführt, dass die Omikron-Welle Deutschland später erreicht habe als die europäischen Nachbarn. Er verwies etwa auf die vor gut zwei Wochen beim letzten Bund-Länder-Gipfel vereinbarte 2G-plus-Regel für Restaurants.

Der SPD-Politiker verteidigte sein Eintreten für eine allgemeine Impfpflicht, über die im Bundestag ohne Fraktionszwang abgestimmt werden soll: "Mittlerweile bin ich überzeugt: Ohne eine Impfpflicht wird es uns nicht gelingen, die Quote auf das Niveau zu bringen, das nötig ist, damit wir die Pandemie hinter uns lassen können." Die Lage werde sich hoffentlich im Frühjahr und Sommer entspannen. Der nächste Herbst komme aber bestimmt. "Wenn wir durch eine allgemeine Impfpflicht eine sehr hohe Impfquote erreicht haben, werden wir der nächsten Volte des Virus ein Schnippchen schlagen können."

Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) sieht keinen Anlass für ein Umsteuern.
Bundeskanzler Olaf Scholz (63, SPD) sieht keinen Anlass für ein Umsteuern.  © Michael Sohn/AP pool/dpa

Update, 23. Januar, 14.10 Uhr: 39 Corona-Fälle bei Einreisekontrollen vor Winterspielen

Bei der ersten Anreisewelle zu den Winterspielen in Peking sind 39 Corona-Fälle bei Beteiligten festgestellt worden.

Es seien keine der 171 Athleten und Team-Funktionäre von den positiven Tests am Flughafen betroffen gewesen, teilten die chinesischen Organisatoren am Sonntag mit. Die Fälle verteilen sich demnach unter den 2415 anderen Akkreditierten, die zwischen dem 4. und 22. Januar in Peking angekommen waren.

Bei den Winterspielen gelten strenge Corona-Richtlinien. Vor der Anreise müssen alle Olympia-Beteiligten zwei negative PCR-Tests nachweisen. Nur mit Impfnachweis kann eine dreiwöchige Quarantäne bei der Einreise in Peking vermieden werden. Die Organisatoren wollen mit einer geschlossenen Blase und täglichen Tests die Verbreitung von Infektionen vermeiden und Kontakte zur chinesischen Bevölkerung verhindern. China verfolgt in der Pandemie eine Null-Covid-Politik.

Bei den insgesamt 336.421 Tests, die in den vergangenen gut zwei Wochen innerhalb der Olympia-Blase genommen wurden, stellten die Veranstalter 33 Corona-Fälle fest. Auch hier waren keine Athleten und Funktionäre betroffen.

Update, 23. Januar, 12.40 Uhr: IOC-Mediziner verteidigt Corona-Testregeln in Peking

In der Debatte um die Corona-Testregeln bei den Winterspielen in Peking hat das Internationale Olympische Komitee das Vorgehen verteidigt.

>>> Hier erfahrt Ihr mehr zu den Aussagen eines IOC-Mediziners und zur Diskussion um die Corona-Testregeln in Peking.

Die Olympischen Winterspiele finden dieses Jahr in Peking statt - trotz der Corona-Pandemie.
Die Olympischen Winterspiele finden dieses Jahr in Peking statt - trotz der Corona-Pandemie.  © Song Jiaru/Sipa Asia/SIPA Asia via ZUMA Press Wire/dpa

Update, 23. Januar, 11.10 Uhr: Corona-Expertenrat kritisiert dünne Datenlage in Deutschland

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung kritisiert eine zu dünne Datenlage bei der Pandemiebeobachtung in Deutschland und mahnt "dringende Maßnahmen für eine verbesserte Datenerhebung und Digitalisierung" an.

Auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie bestehe weiterhin kein Zugang zu einigen wichtigen, aktuellen Versorgungsdaten, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Gremiums. Die Omikron-Welle verstärke und verdeutliche das Defizit.

"Eine Echtzeitübersicht über alle verfügbaren Krankenhausbetten mit aktueller Belegung auch außerhalb der Intensivmedizin wird dringend benötigt." Die Expertinnen und Experten fordern "zeitnahe", "tagesaktuelle" Daten etwa zu Krankenhauseinweisungen in allen Altersgruppen und zu freien und belegten "Ressourcen".

Verwiesen wird auf andere Länder, wie Israel, wo eine "Datenerhebung in Echtzeit auf individueller Fallebene zur effizienten Bewältigung der Pandemie erheblich beigetragen" habe. Im Moment bediene sich Deutschland zur Einschätzung der Omikron-Variante vorrangig ausländischer Untersuchungen. Diese ließen sich aber wegen der unterschiedlichen Altersstruktur, unterschiedlicher Impfquoten und verschiedener Gesundheitssysteme nur schwer auf Deutschland übertragen.

Titelfoto: Michael Sohn/AP pool/dpa

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