Eskalation bei "Gen Z"-Demos: Polizist verliert nach Steinwurf mehrere Zähne

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Berlin/Frankfurt am Main - Zuerst Zehntausende junge Menschen zumeist friedlich auf den Straßen - danach teils schwere Krawalle, Plünderungen und Festnahmen: Nach Jugend-Demonstrationen in mehreren Städten ist die Lage am Abend und in der Nacht zum Sonntag vor allem in Frankfurt am Main eskaliert. Nach Polizeiangaben flogen Brandflaschen, Randalierer zerstörten Schaufenster. Auch in Köln gab es gewalttätige Szenen. 

Alleine in Frankfurt wurden 54 Menschen festgenommen.
Alleine in Frankfurt wurden 54 Menschen festgenommen.  © Florian Wiegand/dpa

Die Ausschreitungen wurden parteiübergreifend scharf verurteilt. Zugleich kamen Mahnungen, die Anliegen junger Menschen etwa für bessere Bildung stärker zu beachten.

In einigen Städten kippte die Stimmung nach den Versammlungen. In Frankfurt sperrte die Polizei die Einkaufsmeile Zeil ab, Spezialeinsatzkräfte (SEK) waren im Einsatz.

In der Innenstadt beobachteten dpa-Reporter, wie Personen in Geschäfte eindrangen und Turnschuhe und andere Gegenstände stahlen. Auch ein Waffenfachgeschäft wurde attackiert.

Böllerwurf: Verletzter bei Jugend-Demo in Nürnberg
Demonstrationen Böllerwurf: Verletzter bei Jugend-Demo in Nürnberg

In Köln kam es nahe dem Hauptbahnhof zu Angriffen auf Polizisten, es wurden Flaschen und Fahrräder geworfen. Aus Berlin wurden Flaschen-, Böller- und Eierwürfen gemeldet, aus Hamburg brennende Barrikaden. In einigen Städten setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

TAG24 hält Euch im Live-Ticker auf dem Laufenden.

1. November, 14.04 Uhr: Über 100 verletzte Polizisten in Frankfurt - 54 Festnahmen

Bei den Krawallen in Frankfurt am Main sind mehr als 100 Polizeikräfte verletzt worden. Darunter sei auch ein schwerer verletzter Polizist, sagte der hessische Innenminister Roman Poseck (CDU) in Frankfurt. Der Mann habe nach einem Steinwurf ins Gesicht Zähne verloren. 

Die Polizei, die in der Spitze mit bis zu 1300 Kräften vor Ort war, habe 54 Personen festgenommen, sie seien im Alter zwischen 13 und 29 Jahren, sagte Poseck. 17 Geschäfte seien beschädigt und fünf geplündert worden. "Sie haben jedenfalls überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit", sagte Poseck über die Festgenommenen.

Nach Angaben der Einsatzleitung wurden 87 Strafanzeigen gestellt, es gab 366 Personenkontrollen und 1225 Platzverweise. Die entsprechenden Wohnsitze sind laut Polizei in Hessen, aber etwa auch in Zweibrücken in Rheinland-Pfalz und in Recklinghausen in Nordrhein-Westfalen. 

Das Ausmaß in Frankfurt ist verheerend.
Das Ausmaß in Frankfurt ist verheerend.  © Andreas Arnold/dpa

1. November, 13.50 Uhr: Einsatzleiter - Neue Gewalt-Dimension nach Demo in Frankfurt

Nach der Krawallnacht in Frankfurt hat der Einsatzleiter der Polizei von einer "neuen Dimension der Gewalt" im Anschluss an die aufgelöste Demonstration berichtet.

"Die weit überwiegende Zahl der Menschen, die gestern in Frankfurt demonstriert haben, hat dies friedlich getan", sagte Erik Hessenmüller in Frankfurt. "Wir müssen klar zwischen der Versammlung und den Ausschreitungen im Nachgang differenzieren."

Noch in dem Demonstrationszug sei es wiederholt zu Vermummungen, dem Abbrennen von Pyrotechnik und dem Werfen von Böllern gekommen - von einer im Vergleich zur Gesamtzahl der Demo-Teilnehmer kleinen Zahl an Personen. Es habe sich ein "zunehmend gewalttätiger Schwerpunkt" in dem Demozug gebildet. 

1. November, 11.30 Uhr: Auch Dobrindt verurteilt Gewalt nach Demos

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56) hat die Krawalle nach Jugend-Demonstrationen in mehreren Städten verurteilt und sieht vor allem bestimmte Gruppen als Urheber von Ausschreitungen.

"Gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu haben gestern Abend die friedlichen Demonstrationen vom Nachmittag gekapert", sagte der CSU-Politiker der "Bild".

"Die Randalierer und Plünderer werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Auf diesen Landfriedensbruch müssen harte Strafen folgen."

Zugleich lobte er das Agieren der Sicherheitskräfte. "Gewaltexzesse wie in Paris wurden dank unserer hoch engagierten Polizeikräfte verhindert", sagte Dobrindt. "Das Einsatzkonzept der Polizei mit massiver Präsenz und dezentraler Kräfteaufstellung ist aufgegangen."

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56) lobte die Einsatzkräfte.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56) lobte die Einsatzkräfte.  © Michael Brandt/dpa

1. November, 8.01 Uhr: CDU-Generalsekretärin kritisiert Krawalle nach Jugend-Demos

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44) hat die Krawalle nach Jugend-Demonstrationen in mehreren deutschen Städten kritisiert.

Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei traurig, dass friedlicher Protest teilweise kaum mehr möglich sei.

"Ein wirklich inhaltliches Ziel der Demonstrationen blieb bis zuletzt fraglich - für einige war das der perfekte Deckmantel für Gewalt und Ausschreitungen, die sicher die Mehrheit der Teilnehmer ablehnten. Diese zerstörerische Wut gegen das Land, in dem man lebt, ist mir unerklärlich."

Hoppermann verurteilte, dass sich bei Protesten teils Hass und Aggressivität gegen den Staat und die Polizei durchgesetzt hätten. Der gewaltbereite Linksextremismus sei das "politische Vorfeld" der Linkspartei, mit der SPD und Grüne im Land Berlin regieren wollten.

Mit Blick auf migrantische Gewalttäter betonte sie: "Respekt vor diesem Staat, unseren Institutionen und vor allem unserer Polizei sollten bei der Aufnahme in unsere Gesellschaft zentral sein."

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44).
CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann (44).  © Michael Kappeler/dpa

31. Oktober, 23.03 Uhr: Randale auf Kölner Domplatte - Flaschenwürfe gegen Beamte

In der Kölner Innenstadt hat sich nach den "Gen Z regelt"-Protesten die Lage am Abend durch rund 200 teils randalierende Personen zugespitzt.

Auf der Domplatte nahe dem Kölner Hauptbahnhof kam es zu Angriffen auf Polizisten, Flaschen wurden geworfen, Fahrräder flogen, ein Mensch erlitt Verletzungen. Randalierer wurden festgesetzt. Es gab nach Polizeiangaben fünf Ingewahrsamnahmen. 

In einer Nebenstraße ging demnach eine Fensterscheibe durch einen geworfenen E-Scooter zu Bruch. Eine Polizeisprecherin sprach von einem dynamischen Lagebild.

Polizeikräfte wurden zusammengezogen. Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, an mehreren Stellen im Stadtgebiet komme es zu Einsätzen aufgrund von Störern und Krawallmachern, die Böller und Raketen zündeten. 

Die Lage in Köln spitzte sich am Sonntagabend mit Angriffen auf Einsatzkräfte zu.
Die Lage in Köln spitzte sich am Sonntagabend mit Angriffen auf Einsatzkräfte zu.  © Thomas Banneyer/dpa

31. Oktober, 22.46 Uhr: Plünderungen und Gewalt überschatten Gen-Z-Demonstrationen

Plünderungen, Molotowcocktails auf Polizisten und eingeschlagene Schaufensterscheiben: Nach einem zunächst friedlichen Protest Zehntausender junger Menschen ist es am Samstagabend vor allem in Frankfurt und Köln zu gewalttätigen Szenen und heftigen Ausschreitungen gekommen. 

In beiden Städten spitzte sich nach den "Gen Z regelt"-Protesten die Lage am Abend zu. In der Frankfurter Innenstadt beobachteten dpa-Reporter, wie mehrere Personen in Geschäfte eindrangen und Turnschuhe und andere Gegenstände stahlen. Auch ein Waffenfachgeschäft wurde attackiert.

Die Polizei sprach ebenfalls davon, dass an mehreren Läden Scheiben eingeschlagen wurden. "Es werden zudem Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen."

Zehntausende Menschen gehen bei Jugendprotesten auf die Straße. Anfangs bleibt es friedlich - doch das ändert sich.
Zehntausende Menschen gehen bei Jugendprotesten auf die Straße. Anfangs bleibt es friedlich - doch das ändert sich.  © Thomas Banneyer/dpa

31. Oktober, 22.22 Uhr: Festnahmen nach Attacke auf Waffengeschäft in Frankfurt

Nach einer Attacke von Randalierern auf ein Waffengeschäft in der Frankfurter Innenstadt sind mehrere Personen festgenommen worden.

Das sagte ein Polizeisprecher am Samstagabend. Beamte seien schnell vor Ort gewesen und hätten zwei Waffen sichergestellt. Um was für Waffen es sich handelte, sagte er nicht. 

Im Zentrum Frankfurts kam es seit dem Abend und nach der Auflösung einer Demonstration von der Initiative "Gen Z regelt" und von "Generation Aufbruch" rund um die Einkaufsstraße Zeil zu Attacken auf Einsatzkräfte.

Schaufenster wurden eingeschlagen, Geschäfte geplündert. Die Polizei riet, den Innenstadtbereich zu meiden beziehungsweise zu verlassen.

In Frankfurt wurden Schaufenster eingeschlagen und Läden geplündert: Als Randalierer ein Waffengeschäft ins Visier nehmen, nimmt die Polizei mehrere Personen fest.
In Frankfurt wurden Schaufenster eingeschlagen und Läden geplündert: Als Randalierer ein Waffengeschäft ins Visier nehmen, nimmt die Polizei mehrere Personen fest.  © Boris Roessler/dpa

31. Oktober, 21.33 Uhr: Randalierer schlagen Schaufenster in Frankfurt ein

In der Frankfurter Innenstadt haben sich Randalierer und Polizei am Abend weiter Auseinandersetzungen geliefert.

Dpa-Reporter beobachteten, wie mehrere Gewalttäter Schaufensterscheiben von Geschäften einschlugen und versuchten, Gegenstände daraus mitzunehmen.

Auch nach Auflösung einer Demonstration wegen wiederholter Attacken gegen Einsatzkräfte sind nach Darstellung der Polizei weiterhin gewalttätige Gruppen in der Frankfurter Innenstadt unterwegs. Insbesondere im Bereich der Einkaufsstraße Zeil ist die Polizei mit einem großen Aufgebot im Einsatz, dort kam es teils zu tumultartigen Szenen.

Randalierer haben am Abend in Frankfurt Schaufensterscheiben eingeschlagen.
Randalierer haben am Abend in Frankfurt Schaufensterscheiben eingeschlagen.  © Boris Roessler/dpa

31. Oktober, 20.44 Uhr: "Gen Z regelt" zählt mehr als 100.000 Demo-Teilnehmer

Die Initiative "Gen Z regelt" hat ein positives Fazit der bundesweiten Jugendproteste gezogen.

"Heute haben hunderttausend Menschen gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen", sagte ein Sprecher vom Presseteam der Initiative, der öffentlich nur unter seinem Vornamen Amadeo auftreten will. Kurz vor 20 Uhr sprach er von mehr 100.000 Teilnehmern, die Zahlen von sechs bis acht Städten würden noch fehlen.

Zugleich betonte er, dass seine Initiative in drei Wochen wieder viele junge Menschen für Aktionen mobilisieren wolle. "Für uns ist das nur der erste Schritt. Wir wollen uns an den europaweiten Protesten am 20. November beteiligen", sagte Amadeo der Deutschen Presse-Agentur.

Die Veranstalter kündigten schon die nächsten Protesten für Mitte November an.
Die Veranstalter kündigten schon die nächsten Protesten für Mitte November an.  © Christoph Reichwein/dpa

31. Oktober, 20.41 Uhr: Polizei stoppt Demo in Berlin

Die Polizei hat eine Demonstration in Berlin vorzeitig beendet. Grund dafür seien unter anderem Steinwürfe auf Polizisten sowie das Abbrennen von Pyrotechnik, sagte Polizeisprecherin Julia Scholz am Abend.

Deshalb habe man den in Mitte begonnenen Protestzug in Absprache mit dem Veranstalter frühzeitig kurz vor der Diesterwegstraße in Prenzlauer Berg gestoppt. Eigentlich hätte es noch ein paar hundert Meter weiter bis zum S-Bahnhof Prenzlauer Allee gehen sollen. 

Die Polizei hat eine Demo in Berlin-Mitte frühzeitig gestoppt.
Die Polizei hat eine Demo in Berlin-Mitte frühzeitig gestoppt.  © Sebastian Gollnow/dpa

31. Oktober, 20.03 Uhr: Demonstranten werfen Pyrotechnik und Steine auf Beamte in Köln

Am Rande der Gen-Z-Demo in Köln ist es zu Zusammenstößen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei gekommen.

Aus den Reihen der Demonstrierenden seien Pyrotechnik und Steine auf Einsatzkräfte geworfen worden, berichtete eine Polizeisprecherin. Ein Beamter sei an der Hand verletzt worden und habe seinen Dienst nicht fortsetzen können. Ein Demo-Teilnehmer sei festgenommen worden.

Auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz. Ermittelt werde wegen schweren Landfriedensbruchs. 

Am Rande der Gen-Z-Demo kam es in Köln zu Zusammenstößen zwischen Beamten und gewaltbereiten Demonstranten.
Am Rande der Gen-Z-Demo kam es in Köln zu Zusammenstößen zwischen Beamten und gewaltbereiten Demonstranten.  © Thomas Banneyer/dpa

31. Oktober, 20.01 Uhr: Polizei wird in Frankfurt nach Demo weiter attackiert

Auch nach Auflösung der Demonstration in Frankfurt kommt es zu Attacken gegen die Polizei in der Innenstadt.

Es würden weiter Steine und Böller auf Einsatzkräfte geworfen, teilte die Polizei mit. Es werde konsequent gegen diese Störer vorgegangen. Die Polizei empfahl Unbeteiligten, sich von gewaltbereiten Personen zu distanzieren. 

Titelfoto: Florian Wiegand/dpa

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