Frau von Polizist bei Pro-Palästina-Demo ins Gesicht geschlagen: Jetzt schaltet sich die irische Botschaft ein

Von Björn Graas, Stefan Kruse, Jan Mies

Berlin - Eine tätliche Auseinandersetzung zwischen der Berliner Polizei und propalästinensischen Demonstranten wird zum internationalen Politikum.

Die Polizei konnte den entsprechenden Polizisten bereits identifizieren. (Archivbild)
Die Polizei konnte den entsprechenden Polizisten bereits identifizieren. (Archivbild)  © Caroline Bock/dpa

Das irische Außenministerium bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, über einen konkreten Zwischenfall am Donnerstagabend in Berlin-Mitte informiert worden zu sein. Die irische Botschafterin Maeve Collins und weitere hochrangige Beamte hätten deshalb die deutschen Behörden kontaktiert und ihre Besorgnis mitgeteilt.

Auf mehreren Videos von der Kundgebung ist zu sehen, wie ein Polizist einer Demonstrantin aus Irland mit der Faust zweimal ins Gesicht schlägt, der Frau läuft Blut aus der Nase. Dem irischen Sender RTÉ zufolge teilte die irische Protestorganisation "Irish Bloc Berlin" mit, der Arm der Frau sei gebrochen, sie müsse operiert werden.

Die Berliner Polizei hatte am Samstag bestätigt, Videoaufnahmen von dem Zwischenfall zu kennen. Der betreffende Beamte sei identifiziert, der Vorfall werde geprüft, sagte ein Sprecher. Ein Ermittlungsverfahren gegen den Beamten wurde zunächst nicht eingeleitet. Es werde noch geprüft, "ob das Verhalten verhältnismäßig war".

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Die geschlagene Frau wurde demnach von der Berliner Feuerwehr behandelt, wegen unbekannter Verletzungen. Gegen sie werde wegen Beleidigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt, hieß es weiter.

Einzelne Demonstranten verhielten sich "verbal aggressiv"

Bei den propalästinensischen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. (Archivbild)
Bei den propalästinensischen kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. (Archivbild)  © Malin Wunderlich/dpa

Laut Polizei hatten mehrere hundert Einsatzkräfte am Donnerstagabend eine unerlaubte "Ansammlung im Kontext des Nahostkonfliktes" in der Nähe des Hackeschen Marktes aufgelöst. Den Angaben zufolge bewegten sich rund 100 Personen zwischen Rosenthaler Platz und Hackeschem Markt "hin und her". Einzelne hätten sich gegenüber Einsatzkräften "verbal aggressiv" verhalten.

Da keine Versammlungsleitung zu erkennen war, sei die Menschenansammlung aufgelöst worden. Bei dem Einsatz sei es zu Beleidigungen, tätlichen Angriffen und Widerstandshandlungen auf und gegen Polizisten gekommen.

94 Personen setzte die Polizei laut einer am Freitag veröffentlichten Bilanz vorläufig fest. Sie leitete 96 Ermittlungsverfahren ein, unter anderem wegen des Verdachts des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger und terroristischer Organisationen, des tätlichen Angriffes auf und des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Verfahren gibt es auch wegen Beleidigung, Körperverletzung sowie wegen des Verdachts des unerlaubten Aufenthaltes.

Titelfoto: Caroline Bock/dpa

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