Kameramann angegriffen: Angespannte Pro-Palästina-Demo in Leipzig

Leipzig - Auf dem vom Verfassungsschutz als "aufgeheizt" prognostizierten Demo-Samstag in Leipzig herrschte aufgeheizte Stimmung. Ein MDR-Mitarbeiter wurde angegriffen.

Die ersten Demonstrierenden fanden sich am Mittag in Connewitz ein.  © Silvio Bürger

Aus der propalästinensischen Versammlung heraus kam es gegen 13.45 Uhr auf dem Connewitzer Kreuz zu einem Angriff auf einen Kameramann des Mitteldeutschen Rundfunks. Die Polizei Sachsen informierte auf "X", dass ein Tatverdächtiger gestellt und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Wie Polizeisprecher Olaf Hoppe sagte, verlief der Einsatz bis zum offiziellen Ende trotzdem "weitgehend friedlich".

Über die Leipziger Stadtgrenzen hinaus war die linke Szene in den vergangenen Wochen zur Teilnahme an der "Anfita means Free Palestine"-Demo in Connewitz mobilisiert worden. Dem Aufzug standen verschiedene pro-israelische Demos gegenüber, weshalb die Behörden vor möglichen gewaltvollen Ausschreitungen beim Aufeinandertreffen der beiden gegnerischen Lager gewarnt hatten.

Insgesamt wurden mehr als 3000 Teilnehmende gezählt. Aufgrund einer kurzzeitigen Sperrung des Hauptbahnhofs kam es allerdings zu zahlreichen Verzögerungen bei der Anreise.

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Der Aufzug bewegte sich nicht wie zunächst geplant in Richtung Süden, sondern über die Karli bis zum Augustusplatz. Die für 13 Uhr angesetzte Kundgebung am Connewitzer Kreuz fand trotzdem wie geplant statt, zumindest hier standen sich die beiden gegnerischen Lager also direkt gegenüber.

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Hunderte sich mit Israel solidarisierende Demonstrierende wollen sich dem "Free Palestine" entgegenstellen.  © Silvio Bürger
Auch die Linke-Abgeordnete Juliane Nagel (47) ist vor Ort. Der Pro-Palästina-Demo steht sie kritisch gegenüber.  © EHL Media
Neben Sachsens Innenminister Armin Schuster (64, CDU, 2.v.l.) verschaffte sich auch Leipzigs Polizeipräsident René Demmler (50, M.) einen Überblick über die Lage.  © Silvio Bürger
Der Pro-palästinensische Aufzug ist gegen 17.30 Uhr auf dem Augustusplatz angekommen.  © Silvio Bürger

Demo-Samstag in Leipzig: Polizei stellte mehrere Verstöße fest

Inmitten der Demonstrierenden wurde Pyrotechnik gezündet.  © Silvio Bürger

Laut der Leipziger Stadtverwaltung handelte es sich bei der Routen-Änderung nicht etwa um eine "Untersagung", sondern um das "Ergebnis eines Kooperationsgesprächs" mit den Demo-Anmeldern. Die sächsische Polizei sprach sogar von einem "Wunsch der Anmelderin".

"Von Wunsch kann keine Rede sein", hielt die antiisraelische Gruppierung Handala dagegen. Erst gegen 15 Uhr setzte sich der Aufzug schließlich in Richtung Norden in Bewegung. Am Connewitzer Kreuz hatten sich mehrere Hundert Demonstrierende versammelt und Slogans wie "Viva Viva Palestina" und "Free Palestine" gerufen. Die Polizeibeamten setzten auf strikte räumliche Trennung. Ein Hubschrauber kreiste über Connewitz.

Am Nachmittag gab die Polizei bekannt, inmitten der Pro-Palästina-Kundgebung Verstöße gegen das Vermummungsverbot festgestellt zu haben. Die Beamten hätten zudem Banner aus der Menge sichergestellt und mehrere Identitätsfeststellungen durchgeführt.

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Insgesamt waren acht Demonstrationen und Kundgebungen angemeldet. Sachsens Innenminister Armin Schuster (64, CDU), der sich die Lage vor Ort anschaute, sprach von einer "kuriosen politischen Konstellation", die es für die Polizei "kniffliger gemacht" habe. Das Vorgehen der Polizei lobte er jedoch ausdrücklich.

Am Abend wurde die Abschlusskundgebung am Augustusplatz beendet.

Erstmeldung vom 17. Januar 2026, um 13.16 Uhr ; letzte Aktualisierung um 21.15 Uhr.

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