Erlangen verbietet "sexistische" Volksfest-Songs: "Joana" nein, aber "Dicke Titten" ja - ein Kommentar

Erlangen - Auf der Bergkirchweih im mittelfränkischen Erlangen sollen zwölf Songs "aufgrund sexistischer oder frauenfeindlicher Inhalte" nicht mehr gespielt werden. Das will die Gleichstellungsstelle der Stadt. Eine peinliche Aktion, findet TAG24-Redakteur Marco Schimpfhauser. Ein Kommentar.

Die Bergkirchweih im mittelfränkischen Erlangen zieht jedes Jahr rund eine Million Besucher an.  © Daniel Karmann/dpa

War ja klar, dass sich ausgerechnet ein Mann zu Wort melden muss, was? Wir kommen darüber hinweg und holen erst einmal alle ins Boot. Um folgende Titel geht es:

  • "Layla" von DJ Robin & Schürze
  • "Nein heißt ja" von G.G. Anderson
  • "Donaulied", Volkslied
  • "Baby Bell" von Breitner
  • "Joana (du geile Sau)" von Peter Wackel
  • "Olé, wir fahr’n in’ Puff nach Barcelona" von Besoffskis, Cover: Mickie Krause
  • "20 Zentimeter" von Mirja Boes
  • "Die Glöcknerin von Dingolfing" von Dorfrocker
  • "Skandal im Sperrbezirk" von Spider Murphy Gang
  • "Geh mal Bier hol’n" von Mickie Krause
  • "Deine Freundin" von SDP
  • "10 nackte Friseusen" von Mickie Krause

So weit, so lückenhaft. Dass man nach dem Genuss seines x-ten lauwarmen Restbieres geneigt ist, grenzdebilen Blödsinn zu grölen, ist – unabhängig vom Geschlecht – wahrlich nichts Neues. Was hier aber passiert, ist reine "Wir haben halt auch mal was gemacht"-Politik.

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Vielleicht sogar ein PR-Stunt? Glückwunsch – mich habt ihr.

Zwölf Songs auf der Roten Liste also. Erlaubt bleibt übrigens Madonnas "Like a Prayer". Was glaubt ihr, was Madonna meint, wenn sie sagt: "I'm down on my knees, I wanna take you there. In the midnight hour I can feel your power."

Und während sie auf den Knien seine Power fühlt, erkennt sie: "I hear your voice. It's like an angel sighing." Hach, ja. Wie das Seufzen eines Engels. Vermutlich arrangieren sie gerade gemeinsam ein Blumenbouquet.

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Das Problem ist nicht der Text, sondern der Promillegehalt

Wenn Ihr Euch fragt, warum Euer Blick zu diesem Bild gewandert ist: An der Musik lag es schon einmal nicht.  © 123rf/franky242

Mit Frank Zappas "Bobby Brown" fange ich besser erst gar nicht an.

Vier Lieder von Mickie Krause sind auf dem Index, "Zieh dich aus, kleine Maus", "Nur noch Schuhe an" und der Rest bleiben erlaubt. "Ich schau dich an" von der Spider Murphy Gang auch. (Es geht darin um eine Peepshow.)

Ebenso "Dicke Titten" (mit oder ohne Kartoffelsalat), "Bumsbar" und "Unten kommt die Gurke rein" gehören wohl zum aufklärerischen Grundgedanken des Drogenfestivals. Ja, Alkohol ist eine Droge. Und trägt mehr zu Problemen bei als eine Setliste. Saufi-Saufi-Songs auf die 1.

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Das Verbot ist lächerlich, und ich könnte spontan rahmen­sprengende 20 bis 30 weitere Titel aufzählen, um das zu untermauern – Männer sind ja bekanntlich Schweine. Aber wäre das sinnvoll? Sind Lieder neuerdings allgemeingültige Verhaltensregeln?

Solange in der kollektiv unausgesprochenen Grenzüberschreitung eines Bierzeltes zwar Blödsinn zelebriert, aber im Ernstfall aufeinander geachtet wird, haben solche selektive Verbotsbriefchen keinen Wert. Keine Daseinsberechtigung. Und finden auch keine Akzeptanz. Und das ist auch gut so.

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