Kommentar zur AfD und Beatrix von Storch: Hass-Politik braucht neue Opfer – das ist niederträchtig

TAG24-Redakteur Florian Gürtler befasst sich in seinem Kommentar mit dem Eklat um die Rede der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch und analysiert, dass diese eventuell der Auftakt für eine Kampagne gegen das geplante Selbstbestimmungsgesetz und Menschen mit Trans-Hintergrund war.

Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch (50) hat mit ihrer verbalen Attacke gegen die Bundestagsabgeordnete und Trans-Frau Tessa Ganserer (44, Grüne) für einen handfesten Eklat gesorgt. Zufällig ist das nicht passiert, die 50-jährige Rechtspopulistin wusste genau, was sie da tat.

Die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch (50) ist eine von fünf stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion.
Die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch (50) ist eine von fünf stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion.  © Moritz Frankenberg/dpa

In ihrer Rede kam Frau von Storch auch auf das von der Ampel-Koalition geplante Selbstbestimmungsgesetz zu sprechen, mit dem SPD, Grüne und FDP das aktuell noch bestehende restriktive Transsexuellengesetz aufheben möchten (durch das geplante, neue Gesetz soll künftig die reine Willensäußerung reichen, um den Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde ändern zu lassen).

"Am Weltfrauentag ist ein guter Moment, um festzustellen: Ein Fisch ist kein Fahrrad, ein Mann ist keine Frau und Gender ist Gaga. Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht, und in diesem Parlament ist das die AfD", schloss die 50-jährige Politikerin ihre Rede vor dem Bundestagsplenum ab.

Es kann wohl angenommen werden, dass die Ausfälle von Beatrix von Storch der Auftakt für eine Kampagne der AfD gegen das kommende Selbstbestimmungsgesetz darstellen, wobei die Rechtspopulisten Seite an Seite mit der Zeitschrift "Emma" von Alice Schwarzer (79) marschieren.

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Das alleine wäre nicht weiter beachtlich – es ist normal, dass Parteien einzelne Themen kontinuierlich nutzen, um ihre eigenen Positionen bekannt zu machen.

Doch die Art und Weise, wie Frau von Storch diese mutmaßliche Kampagne im Bundestag einleitete, lässt Schlimmstes befürchten.

Die Hass-Politik der AfD richtet sich nun gegen Trans-Personen

TAG24-Redakteur Florian Gürtler (44) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler (44) lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Schon in der Vergangenheit hat die AfD gezeigt, dass ihr Politik-Stil immer darauf hinausläuft, einzelne soziale Gruppen als angebliche Bedrohung für die Allgemeinheit darzustellen, stets verbunden mit dem Hinweis, dass die Partei die einzige politische Kraft sei, die sich dagegen wehre.

Die Opfer dieser Politik werden dabei stets herabgewürdigt und den Anhängern und Sympathisanten der AfD als Ziel für deren Hass-Ausbrüche auf Social Media oder auf der Straße dargeboten.

In der Vergangenheit mussten Flüchtlinge und generell alle Personen mit Migrationshintergrund für dieses böse Spiel herhalten. Nun zeigt sich, dass die Opfer-Rolle in diesem Konzept tendenziell jede Gruppe treffen kann, die als Minderheit in der Gesellschaft auszumachen ist.

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Vor diesem Hintergrund kann man Britta Haßelmann (60), der Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, nur recht geben. Ja, die Attacke von Beatrix von Storch war menschenverachtend und niederträchtig, jedoch nicht nur gegenüber Tessa Ganserer, sondern gegenüber allen queeren Personen.

Menschen mit Trans-Hintergrund benötigen daher nun größtmöglichen Beistand, denn die Hass-Politik der AfD hat sie offenbar als neue Opfer auserkoren.

Titelfoto: Montage: Moritz Frankenberg/dpa, Florian Gürtler

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