Kommentar zur Causa Jens Spahn: Leihmutter im Ausland, Moral im Inland

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Berlin - Maskenaffäre überstanden. Schlagzeilen ausgesessen. Politische Angriffe abgewehrt. Erst über seinen Kinderwunsch stolperte Jens Spahn (46, CDU). Ein Kommentar.

Jens Spahn (46, CDU) gab seinen Rücktritt als Fraktionschef bekannt.
Jens Spahn (46, CDU) gab seinen Rücktritt als Fraktionschef bekannt.  © Michael Kappeler/dpa

Sein Rücktritt als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion auf Wunsch von Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) kommt dabei überraschend. Ausgerechnet eine private Entscheidung brachte ihn in Bedrängnis: weil er gemeinsam mit seinem Mann Daniel Funke (44) mithilfe einer Leihmutter in den USA Vater wurde. Aus einem Familienglück entwickelte sich kurzerhand eine Glaubwürdigkeitskrise.

Klar: Für die beiden ist die Geburt ihres Sohnes ein Grund zur Freude. Daran gibt es nichts zu kritisieren. Politisch sieht die Sache anders aus.

Die CDU hält am Verbot der Leihmutterschaft fest. Erst im Februar bekannten sich die Christdemokraten auf ihrem Bundesparteitag erneut dazu - da war die Leihmutter längst schwanger.

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Spahn stellte diese Linie hingegen nie infrage. "Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden", sagte er 2015 dem Männermagazin "GQ".

Gleichzeitig nutzte er privat genau den Weg zur Familiengründung, den seine Partei anderen Menschen in Deutschland verwehren will.

Der Fall legt demnach einen grundsätzlichen Widerspruch offen. Hierzulande ist die Eizellspende verboten. Leihmutterschaft ebenfalls. Selbst der Schwangerschaftsabbruch steht noch immer im Strafgesetzbuch.

Währenddessen können Menschen mit genügend Geld und den richtigen Kontakten viele dieser Grenzen im Ausland umgehen. Wer diese Privilegien nicht hat, bekommt vom Staat vor allem eines: eine Lektion über Moral.

Causa Jens Spahn: Deutschlands Familienpolitik misst mit zweierlei Maß

Spahn geriet in die Kritik, weil er und sein Mann Daniel Funke (44) mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden waren.
Spahn geriet in die Kritik, weil er und sein Mann Daniel Funke (44) mithilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden waren.  © Kay Nietfeld/dpa

Dabei geht es längst nicht nur um homosexuelle Paare. Auch viele heterosexuelle Paare mit unerfülltem Kinderwunsch haben es in der Hinsicht schwer. Wer es sich leisten kann, reist ins Ausland. Wer das nicht kann, hat oft keine Alternative.

Das Problem bei Spahns Vaterschaft ist der politische Widerspruch des CDU-Hardliners. Der Ex-Gesundheitsminister mit sieben Leben im politischen Betrieb profitiert persönlich von Möglichkeiten, die anderen im eigenen Land verwehrt bleiben. Daher muss er bei all der Doppelmoral erklären, warum genau dieses Verbot richtig sein soll.

Die Causa zeigt deutlich, dass reproduktive Selbstbestimmung in Deutschland erstaunlich flexibel ausgelegt wird. Privilegierte Menschen haben da Glück.

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Sie stößt jedoch auf enge Grenzen, sobald Frauen über ihren eigenen Körper oder Menschen ohne entsprechende Mittel über ihren Kinderwunsch entscheiden wollen. Besagte Selbstbestimmung sollte jedoch kein Privileg sein. Und erst recht kein VIP-Service.

Titelfoto: Michael Kappeler/dpa

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