Angriff am Holocaust-Mahnmal: Messer-Attentäter äußert sich erstmals zur Tat
Von Anne Baum
Berlin - Der mutmaßliche Attentäter vom Holocaust-Mahnmal in Berlin hat vor Gericht erstmals über sein Leben gesprochen.
Der 20-jährige Syrer, der einen spanischen Touristen mit einem 14 Zentimeter langen Schnitt an der Kehle lebensgefährlich verletzt haben soll, schilderte, wie er und sein Bruder Anfang 2023 mit Hilfe von Schleusern aus Syrien flohen, um einer Einberufung zum Militärdienst zu entgehen.
Seine Eltern hätten dafür ihr Haus verkauft, um die Flucht zu finanzieren.
Nach seiner Ankunft in Deutschland lebte der junge Mann zunächst in einem Wohnheim in Leipzig.
Dort besuchte er nur einige Monate die Schule, bevor er eine gut bezahlte Arbeitsstelle fand – die er Ende 2024 aus bisher ungeklärten Gründen verlor.
Cannabis und Einsamkeit sollen ihn zur Tat getrieben haben
In dieser Zeit begann er, zunehmend Cannabis zu konsumieren und Filme sowie IS-Videos zu schauen. "Diese Videos haben mich für eine gewisse Zeit verändert", gab er vor Gericht zu. Die Inhalte der Videos hätten ihn nicht immer überzeugt, er habe sie "manchmal so, manchmal so" gesehen.
Er kam nach Berlin, um Juden zu töten, so die Bundesanwaltschaft.
Doch eigentlich sei er nach Deutschland gekommen, um zu lernen und ein neues Leben aufzubauen.
Doch nach eigener Aussage sei er von diesem Weg abgekommen: "Es fing damit an, dass ich Haschisch und Marihuana rauchte und allein wohnte", erklärte er. Den Begriff Holocaust habe er erst verstanden, als man ihn auf die Tat ansprach. "Wenn ich es gewusst hätte, wäre ich dem Ort nicht nähergekommen", sagte er.
Der Prozess gegen den Syrer, dem die Bundesanwaltschaft versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vorwirft, läuft weiter. Der nächste Verhandlungstag ist für den 18. Februar angesetzt.
Titelfoto: Bildmontage: Hannes P. Albert/dpa, Sebastian Gollnow/dpa

