"Ich bin Sally" - Querdenker-Aussteigerin erzählt, wie sie in der "Sekte" landete

Twitter - "#IchbinSally" - so lautet der Hashtag, unter dem eine Aussteigerin bei Twitter berichtet, wie sie in die Querdenker-Szene hinein- und glücklicherweise wieder rausfand. Der umstrittene Messenger-Dienst "Telegram" spielt dabei eine große Rolle.

Absichtliche Fakenews zur Pandemie gehören zur Querdenker-Strategie.
Absichtliche Fakenews zur Pandemie gehören zur Querdenker-Strategie.  © Sven Hoppe/dpa

"Meine Erfahrungen und Ausstieg aus Querdenken in einem Thread", damit beginnt die Geschichte von "Kirschblüte", wie sie sich auf Twitter nennt.

"Durch Telegram bin ich in die Sekten-artige Welt von Querdenken um Ballweg, QAnon, Hildmann, Brauner, Schiffmann, Reichsbürgerströmungen, Verschwörungstheoretikern, Rechtsradikalen, und Co. geraten."

Sie kam vor zehn Jahren von Japan nach Deutschland, ist 24 Jahre, wie sie schreibt, "und für mich war es schon immer schwer 'Anschluss' zu finden, weil ich politisch neutral bin, Gamerin, und in einem Umfeld lebte sowie zur Schule ging, wo man weniger Kontakt zu 'Deutschen' hatte".

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Als eine "Querdenker-Demo" stattfand, "habe ich mich dem 'Freiheits-Chat' sowie anderen Chats auf Telegram angeschlossen und diese erste Demo besucht".

Man wird sehr schnell teil dieser "Querdenker"-Familie

"Kirschblüte" berichtete auf Twitter, wie sie in die "Sekte der Querdenker" gelangte - und warnt eindringlich.
"Kirschblüte" berichtete auf Twitter, wie sie in die "Sekte der Querdenker" gelangte - und warnt eindringlich.  © Screenshot/twitter

Das sei wie bei einer Sekte: "Ich habe gemerkt, wie radikal manche sind, wie ich auf einmal neben Leuten stand, welche ich nie in meiner Nähe haben wollte. Knallharte Nazis."

Rassismus sei weit verbreitet. Ein Großteil der Nazis dort gehört zur 'Neuen Rechten'. "Dann steht man da, und merkt, dass man selbst rassistisch wird, um zu gefallen", gibt "Sally" zu.

Reichsbürger wie "Hildmann, Schiffmann, Brauner" bettelten permanent um Spenden. "Fakten zählen nicht". Es zähle nur, "was den Interessen der Admins/Gruppierungen dient".

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Sie habe gesehen, wie harmlose Christen gemobbt wurden, "weil sie es wagten zu widersprechen, wie man Fakefotos verteilte, und versuchte, das Privatleben zu zerstören".

Absichtliche Fakenews werden erstellt

Attila Hildmann wird unter anderem wegen Volksverhetzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte per Haftbefehl gesucht.
Attila Hildmann wird unter anderem wegen Volksverhetzung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte per Haftbefehl gesucht.  © Kay Nietfeld/dpa

"Diese ganze Gruppierung ist umgeben von höchst kriminellen Menschen."

Der Grund, weshalb sie ausstieg: "Der Auslöser war letztlich, dass einige meiner Freunde weg sind, und ich nicht verstand wieso. Ich habe gesehen, dass man oft gezielt Lügen verbreitet, damit andere profitieren."

"Irgendwann sieht man, wie gewisse Leute gezielt Fakenews erstellen, man kriegt es mit, weil es dieselben sind. Es sind vermutlich Fake-Accounts von Nutznießern der Pandemie."

Wenn die Fakenews entlarvt werden, "dann distanziert man sich davon oder lässt es umkommentiert. "Das wurde mir zu bunt, und irgendwann habe ich dann ganz mit den Leuten gebrochen, habe Telegram gelöscht."

Mit diesem Appell endet "Sallys" Bericht: "Bitte macht nicht denselben Fehler, fallt nicht auf Querdenken rein, spendet kein Geld, helft ihnen nicht, und auch nicht den Gruppierungen drum herum. #IchbinSally".

"Telegram" war auch am Donnerstag Thema bei "Maybrit Illner" - da gerieten der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (46, CDU) und der eventuell künftige Justizminister Marco Buschmann (44, FDP) aneinander (TAG24 berichtete).

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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