Zug vs. Flieger: Eine Reise über Nacht von Halle nach Paris

Leipzig/ Halle - Seit Dezember bietet die staatliche Österreichische Bundesbahn (ÖBB) eine Direktanbindung von Halle nach Paris an. Die MDR-Sendung "Umschau" hat die Zugfahrt im Vergleich zum Flug auf die Probe gestellt.

Die Züge der Marke "Nightjet" bringen ihre Passagiere über Nacht zu Europas Metropolen.
Die Züge der Marke "Nightjet" bringen ihre Passagiere über Nacht zu Europas Metropolen.  © Georg Hochmuth/APA/dpa

"Wir sehen jetzt doch seit einigen Jahren einen richtigen Boom bei den Nachtzügen", erklärt Bernhard Rieder als ÖBB-Sprecher.

"Während im Jahr 2016 das Nachtzug-Geschäft praktisch am Boden lag, haben wir es mit der Marke 'Nightjet' geschafft, wieder europaweit durchzustarten."

Mit insgesamt 33 neuen Zügen und einem Fahrplanwechsel wolle die ÖBB Angebote wie die Zugfahrt von Halle nach Paris künftig weiter ausbauen.

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Auch die Deutsche Bahn, die ihr Schlafwagen-Konzept 2016 einstellte, beteiligt sich an dem Vorhaben.

Doch wie schlägt sich der Nachtzug gegen den Flieger?

Flugzeug vs. Nachtzug: Die "Nightjet"-Reise im Vergleich

Die Reise der Tester startete vom Leipziger Hauptbahnhof. Während zum Berliner Flughafen der ICE fuhr, genügte für den Weg zum Hallenser Hauptbahnhof ein Ticket für die S-Bahn.
Die Reise der Tester startete vom Leipziger Hauptbahnhof. Während zum Berliner Flughafen der ICE fuhr, genügte für den Weg zum Hallenser Hauptbahnhof ein Ticket für die S-Bahn.  © Hendrik Schmidt/dpa

Der Vergleich startet am Freitagnachmittag am Leipziger Hauptbahnhof.

Da es seit etwa einem Jahr keinen Direktflug vom Flughafen Leipzig/Halle nach Paris mehr gibt, geht es für "Umschau"-Reporter Thomas mit dem ICE nach Berlin.

Reporterin Maria hingegen fährt mit der S-Bahn von Leipzig nach Halle. Von da aus soll sie dann der Nachtzug ohne weiteres Umsteigen über Erfurt, Frankfurt und Brüssel direkt in die Stadt der Liebe bringen.

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Während bei Thomas mit dem ICE und Flieger alles glattläuft, hat Marias Nachtzug Verspätung.

Nach einer halben Stunde Wartezeit kann sie ihre Reise um 22.48 Uhr schließlich fortsetzen. Die Nacht verbringt die Reporterin in einem Liegewagen, den sie sich mit vier Frauen und zwei Männern teilt. Einen solchen Platz bekomme man als Frühbucher schon für 58 Euro.

Nach einer unruhigen Nacht, ohne Speisewagen und einem etwas spärlichen Frühstück kommt Maria pünktlich um 10.30 Uhr an.

Das Fazit der Tester

Auch wenn die Reise mit dem Flugzeug deutlich weniger Zeit beanspruchte, glänzte die Variante mit dem Zug in puncto Kosten und CO₂-Ausstoß. (Symbolbild)
Auch wenn die Reise mit dem Flugzeug deutlich weniger Zeit beanspruchte, glänzte die Variante mit dem Zug in puncto Kosten und CO₂-Ausstoß. (Symbolbild)  © Jan Woitas/dpa

"Es war schon speziell, muss ich sagen", gesteht Maria am Ende der Reise. "Ich habe mir schon etwas mehr Komfort vorgestellt."

Auch wenn sie mit insgesamt 13 Stunden Reisezeit fast doppelt so lang unterwegs war wie Thomas, glaube sie, dass sie es nochmal probieren würde.

Denn während ihr Kollege ganze 368 Euro für seine Reise ausgegeben hat, habe sie gerade einmal 110 Euro bezahlt.

Neben dem Geldbeutel schone die Variante mit dem Nachtzug auch die Umwelt. So habe Thomas ganze 215 Kilogramm CO₂ verursacht, während Maria nur 27 Kilogramm zu verantworten hat.

Trotz alledem würde es für die Nachtzüge schwer werden, mit dem Flugverkehr in Konkurrenz zu treten, so Luftverkehrsexperte Heinrich Großbongardt.

"Die Ursache ist die Geschwindigkeit, ganz klar, und auch, das darf man nicht unterschätzen, die unglaublichen hohen Infrastruktur-Kosten, die die Bahn hat", erklärt er der Umschau.

Das Fazit der Tester lautet dennoch: "Für die Umwelt lieber Bahn!"

Die komplette Folge "Umschau" gibt es in der ARD-Mediathek zum Streamen.

Titelfoto: Georg Hochmuth/APA/dpa

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