Ist heute kein Lieferando-Fahrer unterwegs? Gewerkschaft ruft in Leipzig zum Streik auf

Leipzig - Höhere Löhne, Zuschläge und sechs Wochen bezahlter Urlaub: Leipzigs Lieferando-Mitarbeiter gehen am Freitag für einen Sozialtarif auf die Straße.

Die Gewerkschaft fordert unter anderem ein höheres Einstiegsgehalt für die Lieferando-Fahrer. (Symbolbild)
Die Gewerkschaft fordert unter anderem ein höheres Einstiegsgehalt für die Lieferando-Fahrer. (Symbolbild)  © Lilli Förter/dpa

Nachdem es in den vergangenen Monaten bereits zu Demonstrationen in Dresden und Berlin-Mitte gekommen war, ruft die Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) nun auch Leipzigs Lieferando-Mitarbeiter zu Streiks auf. Von 13 bis 0 Uhr sollen knapp 250 Beschäftigte ihre Arbeit niederlegen.

Gründe für einen derartigen Streik gebe es laut Angaben der Gewerkschaft zur Genüge. Immerhin fordere man seit 2021 einen Einstiegslohn von 15 Euro pro Stunde, Zuschläge für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste sowie sechs Wochen bezahlten Urlaub - Maßnahmen, die von dem Unternehmen seither ignoriert blieben.

"Vor allem Lieferando als Marktführer in Deutschland mit einem Marktanteil von circa 75 Prozent sollte in Bezug auf Direktanstellung und einer fairen Entlohnung für die harte Arbeit mit einem guten Beispiel vorangehen", erklärte Gewerkschaftssekretärin Lea Marschall.

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Hinzu kommt, dass im Sommer angekündigte Stellenstreichungen von etwa 2000 Beschäftigung zusätzlich für Beunruhigung sorgen.

"Auch, wenn unser Standort aktuell noch nicht von der großen Entlassungswelle betroffen ist, ist die Verunsicherung in der Belegschaft groß. Deswegen fordern wir von unserem Arbeitgeber: sichere Jobs und gute Löhne!", so Kurier Richard Bauer.

"In Leipzig gibt es keine einzige Kündigung. Die 10-prozentige Flottenreduktion kommt hier zum Glück ganz ohne Entlassungen aus, indem wir die 10-12 Stellen einfach nicht nachbesetzen", so ein Sprecher von Lieferando.

Umsetzung der EU-Plattformrichtlinie: NGG setzt auf Bundesregierung

In den vergangenen Monaten wurde unter anderem schon in Berlin gestreikt.
In den vergangenen Monaten wurde unter anderem schon in Berlin gestreikt.  © Lilli Förter/dpa

Da mit einer sozialeren Personalpolitik seitens des Unternehmens nicht zu rechnen sei, hofft NGG auf das Entgegenkommen der Bundesregierung.

Innerhalb eines Jahres soll diese die sogenannte EU-Plattformrichtlinie in national geltendes Recht umsetzen. Dabei gehe es vor allem um ein Direktanstellungsgebot.

Lieferandos konzernangehörige Logistik sei im Branchenvergleich bereits besonders arbeitnehmerfreundlich, und ihr Direktanstellungsmodell ist einzigartig im Markt, so der Sprecher des Unternehmens weiter.

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"Ihre Fahrer verdienen im durchschnittlich mehr als 14 Euro pro Stunde zuzüglich Trinkgeld. Ihr Absicherungen reichen dabei von einer arbeitgeberseitigen Versicherung sowie einer Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Urlaub über geregelte Pausenansprüche und bezahlte Überstunden bis hin zu einer betrieblichen Mitbestimmung."

Um gegen fälschliche Einstufungen vorzugehen, führte die EU bereits im Februar 2024 eine widerlegbare gesetzliche Beschäftigungsvermutung ein.

Nach Angaben des Unternehmenssprechers konnten Kunden am Freitag dennoch weitgehend problemlos bestellen und haben ihre Lieferungen erhalten.

Aktualisiert am 24. November

Titelfoto: Lilli Förter/dpa

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