Terroranschlag auf Bahn! Attentäter stellen Signale auf "Strecke frei"
Leipzig - Sachsen ist offenbar haarscharf an einer Zugkatastrophe vorbeigeschlittert. Unbekannte manipulierten in der Nacht zu Donnerstag im Leipziger Umland mehrere Signalanlagen der Bahn so, dass Züge der Regionalbahn RB110 hätten kollidieren können. Offenbar handelte es sich um einen gezielten Terroranschlag!
Es ist einem aufmerksamen Lokführer zu verdanken, dass es nicht zur Katastrophe kam. Ihm war gegen 2 Uhr morgens die Fehlstellung der Signale auf der Strecke Leipzig - Döbeln aufgefallen. Er informierte den Leitstand der Bahn, der sofort die Strecke sperrte.
Was sich im weiteren Verlauf des Morgens offenbarte, ließ nicht nur Bahn-Mitarbeitern den Atem stocken.
Im Bereich der Bahnhöfe von Beucha und Naunhof (Landkreis Leipzig) hatten Unbekannte die Signale auf den Masten so manipuliert, dass sie dauerhaft "Strecke frei" anzeigten und so einen Zusammenstoß von Zügen provozierten.
Kurz nach 4 Uhr morgens hätte der erste Pendlerzug nach Leipzig die Strecke passiert.
"Das hätte böse ausgehen können", sagte ein Bahn-Mitarbeiter vor Ort. Und nahm das Wort "Terroranschlag" in den Mund.
Noch kein Bekennerschreiben, aber politischer Hintergrund wahrscheinlich
Dass die Einschätzung nicht weit hergeholt ist, zeigt, dass sofort das Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ) des sächsischen Landeskriminalamtes die Ermittlungen übernahm.
Den ganzen Tag über sicherten Dresdner Kriminaltechniker an den Anlagen Spuren. "Wir ermitteln zunächst wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr", sagte LKA-Sprecher Kay Anders.
Zu einem möglichen politischen Hintergrund gibt es zwar noch keine konkreten Erkenntnisse. Auch gab es bis zum Abend kein Bekennerschreiben. Doch die Ermittler halten es für wahrscheinlich, dass hier "Missionstäter" am Werke waren.
Ersten Ermittlungen zufolge wurden die Signalanlagen zwischen 22 und 1.45 Uhr manipuliert.
Das PTAZ sucht nun Zeugen, die in dieser Zeit verdächtige Personen- oder Fahrzeugbewegungen im Bereich der Bahnhöfe Beucha und Naunhof wahrgenommen haben. Fahndungs-Telefonnummer: 0800/855 2055.
Titelfoto: Sören Müller

