Hamburg - Das traditionsreiche Tierschutzfest des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) – das Größte in Norddeutschland - fand in diesem Jahr erstmals im Sommer statt. Trotz der anhaltenden Hitze zog es am Sonntag zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf das Gelände des Tierheims an der Süderstraße. Dort konnten sie einen Blick hinter die Kulissen werfen und sich an den Ständen von rund 40 weiteren Tierschutzvereinen über deren Arbeit informieren. Auch TAG24 war vor Ort.
Zuletzt hatte das Fest stets im Herbst stattgefunden. Dort sei die Veranstaltung allerdings immer häufiger von Sturm, Regen und kaltem Wetter überschattet worden.
Deshalb entschied sich der Hamburger Tierschutzverein in diesem Jahr bewusst für eine Verlegung in den Sommer.
"Dass es nun ausgerechnet so heiß werden würde, war natürlich nicht geplant. Deshalb haben wir das Programm etwas angepasst", so Janet Bernhardt, 1. Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins, im Gespräch mit TAG24.
Die Sorge, die hohen Temperaturen könnten deutlich weniger Besucherinnen und Besucher anlocken, bestätigte sich zum Glück nicht. Für Abkühlung von Mensch und Tier sorgten schattige Plätze, ausreichend Getränke und Wasserparcours.
Lediglich die Vorstellung einiger Schützlinge auf der Bühne wurde vorsorglich abgesagt. Stattdessen fand dort erstmals eine Versteigerung von Kunstwerken der Tierheimtiere statt. Mit viel Farbe und ein wenig Unterstützung ihrer Pflegerinnen und Pfleger hatten die Schützlinge die Bilder im Vorfeld selbst auf Papier gebracht.
Bernhardt: "Viele wissen immer noch nicht, dass Hamburg einen großen Tierschutzverein hat"
Die meisten Tiere konnten die Gäste ohnehin direkt an ihren Unterkünften kennenlernen. Ein Rundgang führte vorbei an den Hundezwingern, dem Katzenhaus sowie den Gehegen der Reptilien und Kleintiere.
Auf dem gesamten Gelände präsentierten außerdem zahlreiche Tierschutzvereine ihre Arbeit an Informationsständen.
"Zum einen ist das Fest für uns natürlich Werbung. Wir werden gesehen und erreichen Menschen, die teilweise immer noch nicht wissen, dass Hamburg ein großes Tierheim und einen großen Tierschutzverein hat", erklärte Bernhardt.
Gleichzeitig sei das Fest ein wichtiger Treffpunkt für die Tierschutzszene: "Viele andere Vereine können hier ihre Arbeit vorstellen und zeigen, wie vielfältig Tierschutz ist. Es gibt Vereine für bestimmte Tierarten oder solche, die sich für Tierrechte einsetzen."
Promi-Unterstützerin Mirja du Mont: "Tiere sind wehrlos und auf den Menschen angewiesen"
Am Stand der "Tiertafel Hamburg" traf man auf prominente Unterstützung: Schauspielerin Mirja du Mont (50) engagiert sich seit Jahren für den gemeinnützigen Verein und hilft, immer wenn sie in Hamburg ist, zweimal im Monat bei der Ausgabe.
"Hier heute beim Tierschutzfest haben wir wieder gemerkt, wie viele Menschen gar nicht wissen, dass es eine Tiertafel gibt", so die Wahl-Hamburgerin gegenüber TAG24, die am Sonntag trotz ihrer langjährigen Unterstützung zum ersten Mal beim Tierschutzfest dabei war.
"Als ich hier ankam, habe ich gedacht: Ist hier ein Badesee? Oder warum stehen hier so viele Autos? Dass hier so viele tolle Leute sind und sich informieren, finde ich sensationell."
Für die zweifache Katzenbesitzerin ("ich muss echt aufpassen, dass ich hier nicht noch 15 weitere mit nach Hause nehme!") ist ihr Engagement selbstverständlich: "Ich liebe Tiere, die geben so viel Liebe und sind nicht hinterhältig."
Besonders wichtig ist ihr die Arbeit der Tiertafel: "Tiere sind wehrlos und auf den Menschen angewiesen. Es wichtig, dass Menschen, die sich ihr Tier nicht mehr leisten können, es trotzdem behalten können. Viele von ihnen sind einsam – und dann lieber zusammen mit einem Tier!"
Anstieg von Qualzuchten, Vorurteile und "bequeme" Internetkäufe
Auch der HTV nutzte das Fest, um auf ein anhaltendes Problem aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit Influencerin Fiona Bliedtner (Der Bachelor 2023) sprach Janet Bernhardt über das Thema steigender Qualzuchten.
"Zu uns kommen immer häufiger ausrangierte Modehunde wie Französische Bulldoggen oder Möpse. Diese Tiere leiden oft unter den gesundheitlichen Folgen der Qualzucht und sind deshalb schwer zu vermitteln", erklärte die Tierschützerin gegenüber TAG24.
"Viele Menschen wünschen sich zunächst genau diese Hunderassen, merken aber später, wie hoch die Tierarztkosten sind und wie viele gesundheitliche Probleme auftreten. Dann landen die Hunde nicht selten bei uns."
Zudem würden viele Menschen Tiere immer noch im Internet kaufen, statt sich im Tierheim umzusehen.
"Es ist für viele Menschen einfach bequem. Sie schauen im Internet nach einem Hund, treffen sich mit dem Verkäufer, bezahlen – und den Verkäufer interessiert oft überhaupt nicht, wo das Tier später lebt", so Bernhardt. Im Tierheim sei der Vermittlungsprozess bewusst aufwendiger: "Das schreckt manche Menschen ab."
Hinzu kämen Vorurteile gegenüber Tierheimtieren: "Viele haben immer noch den Gedanken, sie seien 'verkorkst' oder Tiere 'aus zweiter Hand'. Natürlich gibt es Tiere, die schlechte Erfahrungen gemacht haben und bei denen man etwas Geduld braucht. Aber wir haben genauso viele tolle Tiere, die nichts für ihre Vorgeschichte können und ein liebevolles Zuhause suchen."
Rund 800 Tiere leben aktuell im Tierheim an der Süderstraße, einige von ihnen schon seit vielen Jahren. Am längsten lebt dort die Schlange Chantal.