"Hamburg mach keinen Shit!": Über 100 Menschen demonstrieren für Tauben

Hamburg - Mehr als 100 Menschen haben am Samstag in der Hamburger Innenstadt für den Ausbau von Taubenschlägen und ein nachhaltiges Stadttauben-Management demonstriert. Unter dem Motto "Hamburg mach keinen Shit – Taubenschläge sind der einzig richtige Schritt" zogen die Teilnehmenden vom Heidi-Kabel-Platz am Hauptbahnhof durch die Innenstadt bis zum Heiligengeistfeld. Organisiert wurde die Demo vom Verein "Hamburger Stadttauben".

In Hamburg haben heute mehr als 100 Menschen für die von der Stadt versprochenen Taubenschläge demonstriert.  © Citynewstv

Der Verein kritisiert, dass die von der Stadt im Jahr 2024 angekündigten und politisch beschlossenen sechs neuen Taubenschläge bislang nicht umgesetzt worden seien.

Damals hatte der Senat angekündigt, sein Stadttauben-Management nach dem sogenannten "Augsburger Modell" auszubauen.

Dieses setzt auf betreute Taubenschläge, die kontrollierte Versorgung der Tiere sowie den Austausch von Eiern, um die Bestände langfristig und tierschutzgerecht zu regulieren.

Tiere Frischling auf "Entdeckungstour": Kleines Wildschwein ruft Polizei auf den Plan

Nach Ansicht des Vereins werde die Umsetzung jedoch seit Jahren verzögert: "Bis heute wurde keiner dieser sechs angekündigten neuen städtischen Schläge umgesetzt."

2026 sollten nach Angaben der Stadt eigentlich die Aufstellung von je drei Schlägen in Altona und Mitte erfolgen.

Gleichzeitig beobachten die Tierschützer eine zunehmende Verdrängung der Tiere durch Maßnahmen wie die Schließung von Nist- und Schlafplätzen, Fangaktionen sowie Kontrollen gegen Menschen, die Tauben füttern.

"Werden Tiere verdrängt, weichen sie häufig auf umliegende Bereiche aus: Balkone, Hinterhöfe, Dächer und Privatflächen. Probleme werden dadurch lediglich verlagert!"

Anzeige

"Der Handlungsbedarf ist nicht neu – er ist lediglich weiter eskaliert"

Der Taubenschlag in der Nähe des Barmbeker Bahnhofs wurde offiziell im November 2024 eröffnet. Im selben Jahr wurde von der Bürgerschaft über eine Million Euro für die Betreuung von sechs weiteren Taubenschlägen beschlossen.  © Madita Eggers/TAG24

Für zusätzlichen Handlungsdruck sorgt aus Sicht der Tierschützer die steigende Zahl hilfsbedürftiger Stadttauben.

Laut der im Januar veröffentlichten Notfallstatistik des Vereins "Gandolfs Taubenfreunde Hamburg" wurden im Jahr 2025 fast 2500 Tauben-Notfälle erfasst.

Die Statistik dokumentiert nicht nur einen kontinuierlichen Anstieg der gemeldeten Fälle, sondern auch die wachsende Belastung der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer.

Tiere Tierisches Orakel: Stinktiere, Papagei und Bakterien tippen auf WM-Spiele

Zudem berichtet der Verein von mehreren Fällen massiver Gewalt gegen Stadttauben. Auch die Zahl stark geschwächter Tauben nehme zu.

"Der Handlungsbedarf ist nicht neu – er ist lediglich weiter eskaliert", erklärte die Vorsitzende von Gandolfs Taubenfreunde Hamburg, Eileen Jörs, Anfang des Jahres gegenüber TAG24.

Zwar wurde mit dem Taubenschlag in Barmbek bereits ein erstes städtisches Projekt umgesetzt, dennoch verweist Jörs auf die Bedeutung einer konsequenten Betreuung und Begleitung solcher Maßnahmen.

"Damit Taubenschläge ihre tierschutzgerechte Wirkung entfalten können, ist es entscheidend, dass sie als zentraler Versorgungs- und Aufenthaltsort akzeptiert werden, sowohl von den Tauben als auch von den Menschen vor Ort. Geduld, konsequente Betreuung und begleitende Öffentlichkeitsarbeit sind hierbei unerlässlich", so Jörs.

Mehr zum Thema Tiere: