Vor 85 Jahren starb Hachiko, der treueste Hund aller Zeiten

Japan - Ewige Treue bis in den Tod. Dass ein Hund über Jahre hinweg Tag für Tag am Bahnhof auf sein längst verschiedenes Herrchen wartet, rührte die Japaner einst so sehr, dass sie diesem Tier bereits zu Lebzeiten und in seiner Anwesenheit ein Denkmal aus Bronze setzten.

Hachiko wartet jahrelang auf sein Herrchen. Nach dem Angriff eines anderen Hundes hing sein linkes Ohr schlaff herab.
Hachiko wartet jahrelang auf sein Herrchen. Nach dem Angriff eines anderen Hundes hing sein linkes Ohr schlaff herab.  © picture alliance/CPA Media

Der Stoff um Sehnsucht und echte Liebe geht auch heute noch ans Herz, dass selbst Hollywood diese Geschichte mit Richard Gere verfilmte. Heute vor 85 Jahren starb Hachiko, der treueste Hund der Welt, an verzehrtem Herzen.

Bei der alten japanischen Akita-Rasse sagt man, dass die Hündchen möglichst früh in die Hände ihres Herrchens gegeben werden sollten. Nur so könne eine innige Mensch-Tier-Beziehung entstehen. Deshalb kam die Welpe bereits im zarten Alter von nicht einmal zehn Wochen zu seinem neuen Besitzer.

Mit dem hatte das Tier auch richtig Glück. Hidesaburo Ueno (damals 54) war kinderlos und arbeitete als Agrar-Professor an der Kaiserlichen Universität zu Tokyo. Er gab dem Hündchen den Namen Hachi, was so viel wie Biene heißt. Die beiden spielten viel miteinander, und auch an guter Erziehung ließ es der Professor nicht mangeln.

Innerhalb eines Jahres wuchs Hachi zu einer prachtvollen, cremefarbenen Schönheit heran. Wochentags begleitete er morgens sein Herrchen zum Vorstadt-Bahnhof Shibuya, wo der in den Zug zur Uni stieg. Und abends, kurz vor 17 Uhr, wartete Hachi bereits voller Sehnsucht auf die Rückkehr. Und wenn der schmächtige Mann zwischen all den Fahrgästen auftauchte, gab es einen begeisterten Freudentanz und Schwanzwedeln bis zum Abwinken.

Wie jeden Tag wartete der Hund auch am 21. Mai 1925 - Hachi war gerade 17 Monate alt - am Bahnhof. Vergebens. Spät in der Nacht trollte er sich heim. Was man ihm nicht vermitteln konnte: Sein Herrchen erlitt während der Vorlesung eine Hirnblutung und war gestorben. Von nun an kümmerte sich der Gärtner des Professors, der nur einige Straßen weiter wohnte, um Hachi.

Doch eines konnte er dem Tier nicht abgewöhnen: die Suche nach seinem Herrchen. Täglich schaute der Hund bei seinem ehemaligen Heim nach, dann auf dem Friedhof, wo der Professor begraben wurde. Und dann ging er zum Bahnhof Shibuya. Und wartete. Egal, ob es stürmte und regnete oder die Sonne brannte: Hachi saß und wartete. Jeden Tag. Wochen vergingen. Monate. Jahre voller Sehnsucht. Hachi wartete.

Hachiko war ein Star

Plötzlich Star: Die Japaner verehrten Hachiko bereits zu seinen Lebzeiten.
Plötzlich Star: Die Japaner verehrten Hachiko bereits zu seinen Lebzeiten.  © picture alliance/CPA Media

Er war ein artiger Hund, der nicht nervte. Doch er war herrenlos und immer vor Ort. Einige spuckten nach ihm, andere warfen Steine oder traten gar zu. Kinder machten ihre Streiche, beschmierten das Tier gar mit Farbe. Das alles nahm Hachi duldsam hin, wartete doch die Belohnung eines Wiedersehens. Doch er litt auch zunehmend unter Krankheiten, wurde schwächer.

Eines Tages wurde er von einem Schüler seines Herrchens wiedererkannt. Der forschte gerade zu alten japanischen Hunderassen und stellte fest, das Hachi eines der letzten 30 verbliebenen reinrassigen Exemplare war. In einer Tokioter Zeitung schrieb er die Geschichte über diesen besonders treuen Hund. Über Nacht war Hachi ein Star.

Tausende Schaulustige strömten nun herbei, um Hachi beim würdevollen Warten zu bewundern. Man gab seinem Namen den kleinen Zusatz "ko", was in etwa "kleiner Herr" bedeutet. Man brachte ihm Futter, pflegte sein Fell, Tierärzte kümmerten sich kostenlos um Hachiko. Schulklassen machten ihre Wandertage zu diesem Symbol der ewigen Treue und echten Liebe. Schon zu seinen Lebzeiten galt Hachiko als Denkmal.

Und so gab es tatsächlich eine landesweite Spendensammlung, um dem Hund ein Denkmal zu setzen. Die Zeremonie zur Enthüllung wurde im Radio übertragen. Man hatte Hachiko zwar mit Bändchen geschmückt, doch er nahm an der Feier auf dem Bahnhofsvorplatz nur passiv teil. Krank, wie er war, wartete er einfach nur auf sein Herrchen.

Vergebens. Insgesamt zehn lange Jahre lang. Am 8. März 1935 starb Hachiko. Sein Körper wurde präpariert und begrüßt jetzt die Besucher des Naturkundemuseums. Sein Denkmal ist heute der Verabredungsort vieler Touristen an einem der verkehrsreichsten Plätze der Welt. Hachikos Organe wurden in Formaldehyd eingelegt und vor einigen Jahren noch einmal untersucht. Er starb an einem sehr seltenen Herzkrebs - die Sehnsucht hat ihm wohl das Herz verzehrt.

Viele Japaner glauben, dass es für Mensch und Tiere nach dem Tod einen gemeinsamen Himmel gibt. Was muss das heute vor 85 Jahren für ein Wiedersehen gewesen sein...

Professor Hidesaburo Ueno starb früh - sein Hund hat es nie verkraftet.
Professor Hidesaburo Ueno starb früh - sein Hund hat es nie verkraftet.  © picture alliance/CPA Media
Trauer um den toten Helden: Heute vor 85 Jahren starb Hachiko als Legende.
Trauer um den toten Helden: Heute vor 85 Jahren starb Hachiko als Legende.  © wikipedia
Der Bahnhof von Shibuya war damals noch eine Vorstadt-Station - heute ist er ein Dreh- und Angelpunkt.
Der Bahnhof von Shibuya war damals noch eine Vorstadt-Station - heute ist er ein Dreh- und Angelpunkt.  © wikipedia

Titelfoto: picture alliance/CPA Media

Mehr zum Thema Hunde:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0