Sie wurden mit über 60 anderen Hunden im Keller gehalten: Piet und Finn hoffen auf Happy End
Chemnitz - Piet und Finn haben den schlimmsten Teil ihres Lebens hinter sich. Seit Ende März leben die beiden Mischlingshunde im Tierheim Chemnitz, nachdem sie gemeinsam mit rund 60 weiteren Hunden bei einem Großeinsatz aus einem Wohnhaus in Grimma gerettet wurden. Nun fehlt den beiden Angsthunden nur noch eines: Menschen, die ihnen zeigen, wie sich ein normales Hundeleben anfühlt.
Die knapp zwei Jahre alten Mischlinge gelten aufgrund ihrer Vergangenheit als sogenannte Angsthunde.
"Sie haben noch nie etwas erlebt, dadurch, dass sie mit 60 Hunden im Keller gehalten wurden. Es sind Hunde, die noch nie Gras unter den Pfoten hatten, noch nie eine Leine getragen haben, die keine Menschen kannten", erzählt Tierpflegerin Vanessa Haasper (32).
Wie tief die Erlebnisse die beiden geprägt haben, zeigte sich besonders in den ersten Wochen im Tierheim. "Die hatten Angst vor uns, die hatten Angst, wenn wir ihnen Futter gegeben haben, die hatten Angst, wenn man die Tür aufgemacht hat", erinnert sich Haasper.
Mit viel Geduld und täglichem Training haben Piet und Finn inzwischen jedoch große Fortschritte gemacht. "Es ist viel besser geworden. Sie können an der Leine laufen, die kriechen einem auf den Schoß. Sie können auch bei neuen Personen auf Dinge zurückgreifen, die sie bei uns gelernt haben."
Ganz überwunden sind ihre Ängste allerdings noch nicht. Beim Gassigehen tragen die Hunde deshalb weiterhin Halsband und Sicherheitsgeschirr. So soll verhindert werden, dass sie bei plötzlich auftretenden Reizen - etwa durch Böller, Inlinefahrer oder andere ungewohnte Situationen - in Panik flüchten.
Herrchen und Frauchen mit Hundeerfahrung gesucht
Für ihre künftigen Besitzer bringt das einige Herausforderungen mit sich. Besonders schwer fällt Piet und Finn das Alleinbleiben.
"Sie brauchen Menschen, die möglicherweise immer zu Hause sind, bestenfalls am Anfang", sagt Haasper. "Um das Schritt für Schritt mit denen zu üben, dass jemand zurückkommt und sie nicht wieder alleine lässt."
Auch sonst müssen die beiden noch vieles lernen, was für andere Hunde selbstverständlich ist. "Sie müssen viele Umweltreize kennenlernen, viele Ausflüge machen, damit sie einfach die Welt kennenlernen." Ebenso wichtig sei der Kontakt zu anderen Hunden, an den sie sich langsam gewöhnen müssten.
Deshalb möchte das Tierheim Piet und Finn möglichst getrennt vermitteln, "damit jeder für sich sein Leben starten kann".
Wer den beiden ein Zuhause schenken möchte, braucht vor allem Geduld, Zeit und einen souveränen Umgang mit unsicheren Hunden. "Man darf selbst in bestimmten Situationen keine Nervosität bekommen, sonst werden die Hunde auch noch nervös", sagt die stellvertretende Tierheimleiterin Ira Weißbach (43).
Idealerweise bringen die künftigen Halter bereits Erfahrung mit Angsthunden mit. Dann hätten Piet und Finn die Chance, endlich das nachzuholen, was ihnen bislang verwehrt geblieben ist: ein unbeschwertes, ganz normales Hundeleben.
Titelfoto: Bildmontage: Kristin Schmidt (2)

