Storch stirbt an Windrad in Sachsen: Das sagen Experten dazu

Großharthau - Drama an einer Windkraftanlage im Großharthauer Ortsteil Schmiedefeld: Ein Weißstorch wurde am 2. Juli tot aufgefunden. Damit seine Jungtiere nicht verhungern, mussten sie in einer Rettungsaktion aus dem Nest geholt werden. TAG24 hat mit Experten über den Fall gesprochen.

Neben dem Artenschutzbeauftragten des Landkreises war auch der Netzbetreiber SachsenNetze bei der Rettungsaktion der Jungstörche im Einsatz.  © Facebook/Screenshot/Grossharthau Talking

Wie das Umweltamt Pirna auf TAG24-Anfrage bestätigt, soll der Altvogel aus Rennersdorf (Stolpen) durch den Schlag eines Rotorblatts am Hals ums Leben gekommen sein.

Der Bürgermeister der Gemeinde Großharthau, Jens Krauße, erklärte von dem Vorfall Kenntnis zu haben, konnte dazu jedoch keine weiteren Angaben machen. Eine Antwort des Stolpener Bürgermeisters Maik Hirdina auf TAG24-Anfrage blieb aus.

Nach dem Tod des Altvogels wurden kurz darauf zwei der vier geschwächten Jungstörche mithilfe eines Hubsteigers aus dem Nest in Rennersdorf geholt. Hintergrund war die Sorge, dass ein einzelner Altvogel die bereits größeren Jungtiere nicht mehr ausreichend versorgen kann.

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Eine Sprecherin des Naturschutzinstituts Dresden erklärte dazu: "Der Verlust eines Altvogels während der Aufzucht führt meist zum Verhungern bzw. anderweitigen Versterben (weil die Jungen bspw. bei Nässe nicht mehr gehudert werden können und verklammen)."

"Der Artenschutzbeauftragte des Landkreises war bei der Rettungsaktion für die beiden Jungstörche dabei", so der Leiter des Umweltamtes Pirna, Tobias Gockel.

Bei der Rettungsaktion unterstützte auch der Netzbetreiber SachsenNetze. Auf TAG24-Anfrage erläutert das Unternehmen: "Selbstverständlich haben wir dafür sowohl am Samstag als auch am Sonntag unseren Hubsteiger zur Verfügung gestellt und zwei Kollegen haben die Naturschützer des Landkreises vor Ort unterstützt. Bereits in der Vergangenheit haben wir bei der Umsiedlung von Störchen mit der Unteren Naturschutzbehörde eng zusammengearbeitet."

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Die Jungstörche werden nun von Menschenhand aufgezogen

Die beiden Jungstörche wurden nach Cotta zu einem anderen Storchenpaar gebracht.  © Bildmontage: Facebook/Screenshot/Grossharthau Talking

Anschließend wurden die beiden Jungstörche zu einem anderen Storchenpaar nach Cotta gebracht, das sie zunächst aufziehen sollte.

Doch laut einem Naturschützer auf Facebook erkannten die Altvögel, dass es sich nicht um ihren eigenen Nachwuchs handelte. Die beiden Jungtiere wurden attackiert.

Inzwischen werden die kleinen Störche Berichten zufolge von Menschen per Hand aufgezogen. Ob sie überleben, ist derzeit ungewiss.

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Die Sprecherin des Naturschutzinstituts erklärt: "Eine Handaufzucht gestaltet sich wesentlich schwieriger, hier müssen vom Fütterer Attrappen, bspw. aus Holz oder eine Storchenmaske verwendet werden, um Fehlprägungen auf den Menschen zu vermeiden."

Bereits im Mai wurde ein Rotmilan im Umfeld der Windkraftanlagen Schmiedefeld gemeldet. Seit der Inbetriebnahme der Anlagen sind sieben Greifvogel-Totfunde bekannt, "darunter 4 Rotmilane, 2 Mäusebussarde und eine Sumpfohreule", so Tobias Gockel.

Der neue Fall sorgt auf Facebook für Diskussionen über die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Vögel - insbesondere auf geschützte Arten wie den Weißstorch.

Wie groß ist die tatsächliche Gefahr durch Windkraft für Weißstörche?

Windkraftanlagen stellen für Störche laut einer Sprecherin des Naturschutzinstituts eigentlich nur eine geringe Gefahr dar.  © Facebook/Screenshot/Grossharthau Talking

Eine Sprecherin des Naturschutzinstituts ordnet die Gefahr durch Windkraftanlagen jedoch als eher gering ein: "Eine Windkraftanlage braucht einen festen Untergrund, der Storch sucht auf moorigem Boden nach Beute." Demnach liegt der Anteil solcher Todesfälle bei weniger als fünf Prozent.

Sie ergänzt: "Haupttodesursache für adulte Weißstörche waren im Jahre 2025 Verkehrskollisionen, für flügge Jungstörche Abstürze durch Sturm, Kollisionen mit Gebäuden oder Fahrzeugen und Fressen von Gummibändern."

Zum Schutz europäischer Vogelarten sieht das Bundesnaturschutzgesetz zudem verschiedene Maßnahmen zur Vermeidung von Tötungen und Verletzungen durch Windenergieanlagen vor.

"Dies können bspw. Antikollisionssysteme, Abschaltung bei landwirtschaftlichen Ereignissen, oder die Anlage attraktiver Ausweichnahrungshabitate sein", so der Leiter des Umweltamtes Pirna.

Darüber hinaus hält das Umweltamt es für entscheidend, bekannte Brutplätze schlaggefährdeter Vogelarten frühzeitig zu erfassen und diese Daten bei der Planung neuer Windkraftstandorte zu berücksichtigen.

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