Schneverdingen - Seit über 20 Jahren kümmert sich Dr. Usha Peters (60) mit ihrem Tierschutzhof "De Hun'nenhoff" in Schneverdingen (Landkreis Heidekreis) schwerpunktmäßig um Tiere mit Behinderung und gibt diesen eine zweite (oder dritte) Chance, wo andere längst aufgegeben hätten. Für ihr jahrzehntelanges Engagement, insbesondere für gelähmte und schwer vermittelbare Hunde wurde die Hamburger Ärztin am Donnerstag mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Als sie vor rund einem Monat den Brief aus Schloss Bellevue erhielt, sei sie "völlig baff" gewesen, erzählt Peters im TAG24-Interview. Wer sie für die Ehrung vorgeschlagen habe, wisse sie bis heute nicht.
Im Rahmen einer kleinen Zeremonie auf ihrem Hof, umgeben von ihren geliebten Tieren, nahm Peters am Donnerstagnachmittag die Auszeichnung sichtlich gerührt von Landrat Jens Grote (58, parteilos) entgegen. Er überreichte das Bundesverdienstkreuz stellvertretend für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70).
Grote würdigte in seiner Rede ihren außergewöhnlichen Einsatz: "Das ist vorbildhaft für uns in der Gesellschaft." Der Hof helfe nicht nur Tieren, sondern gebe auch Menschen Sicherheit, die ihre Tiere nicht mehr versorgen könnten. "Sie setzen sich für Tiere ein – und damit auch für die Menschen."
Anschließend verlas der Landrat die Begründung des Bundespräsidenten. Darin wird Peters' Weg von ihrer ersten gelähmten Hündin Lia bis zum Aufbau einer bundesweit einzigartigen Einrichtung für Rolli-Hunde und andere Tiere mit Handicap nachgezeichnet. Passend dazu stimmten während der Zeremonie auch die rund 65 Hunde auf dem Hof in den Applaus ein – mehr als 30 von ihnen sind auf einen "Rolli" angewiesen.
Für Peters ist die Auszeichnung vor allem eine Chance für den Hof, wie sie gegenüber TAG24 betonte. "Ich hoffe, dass dadurch noch mehr Menschen auf uns aufmerksam werden und das vielleicht auch als Qualitätssiegel sehen."
Besonders freue sie der Gedanke, dass der Bundespräsident den Einsatz für Rolli-Hunde sichtbar unterstütze. "Es gibt immer noch Kritiker, die nicht sehen, wie lebensfroh diese Hunde sind. Aber, wenn ein Herr Steinmeier das unterstützt, dann hat das ein ordentliches Gewicht. Wer soll ihnen jetzt noch das Lebensrecht absprechen?"
Usha Peters über ihr Team: "Das sind die eigentlichen Alltagshelden!"
In ihrer Dankesrede machte Peters deutlich, dass sie die Ehrung nicht als persönliche Auszeichnung versteht: "Ich nehme das stellvertretend entgegen."
Der Hundenhof sei "natürlich nicht das Projekt eines einzelnen Menschen". Mit einem Augenzwinkern ergänzte sie: "Wenn ich hier alleine stünde, wäre es Animal Hoarding, kein Tierschutz."
Sie dankte ihrem Team, den zwei Hofleiterinnen, den mehr als 40 Ehrenamtlichen, den Tierärzten sowie den zahlreichen Spenderinnen und Spendern. Über ihre Mitarbeitenden sagte sie: "Das sind die eigentlichen Alltagshelden."
Peters griff zudem die Worte von Landrat Grote auf, der sie zuvor als einen "bestimmt sehr glücklichen Menschen" beschrieben hatte, da Tiere einem soviel zurückgeben würden.
"Und das stimmt", so die Tierschützerin. Ihre größte Motivation sei bis heute zu erleben, wie sich schwer gehandicapte Tiere entwickeln: "Wenn sie als kleine Elendshäuflein ankommen und dann hier zu solchen frechen Kerlchen werden, die ganz selbstverständlich über den Hof rollen und denken: 'Alles meins.' Das ist einfach großartig."
Diese Momente gäben ihr die Kraft, den Hof seit Jahren mit so viel Engagement zu führen. "Jedes junge Mädchen träumt doch von einem Tierhof – und ich lebe da. Ich gucke morgens aus dem Fenster und sehe die Tiere."
Hundeprofi Martin Rütter gratuliert zum Bundesverdienstkreuz
Mit Blick auf die Zukunft macht sich die 60-Jährige bereits Gedanken über die Nachfolge. Von einem Abschied könne jedoch keine Rede sein, betont Peters. Sie wolle De Hun'nenhoff so lange weiterführen, wie es irgendwie geht.
Dennoch müsse frühzeitig vorgesorgt werden: "Man muss rechtzeitig anfangen, Leute zu finden, die da hineinwachsen und das weitermachen können und wollen", so Peters gegenüber TAG24.
Inzwischen habe sie dafür "wirklich super Leute gefunden". Das beruhige sie sehr, denn sie wäre "sehr traurig", wenn ihr Lebenswerk eines Tages nicht mehr bestehen würde.
Der Tierschutzhof ist stets und weiterhin auf Unterstützung angewiesen – insbesondere, nachdem im vergangenen Jahr ein wichtiger Hauptsponsor weggefallen ist.
Neben finanzieller Hilfe freut sich der Hof deshalb auch über weitere Ehrenamtliche.
"Die Tiere freuen sich über jeden Spaziergang, jede Kuscheleinheit und jede Stunde Zeit", so Peters. Neben Hunden wohnen auch Schafe, Ziegen, Pferde, Hühner, Katzen und Enten auf dem Hun'nenhoff. Viele von ihnen haben ebenfalls körperliche Einschränkungen.
Zu den Gratulanten am Donnerstag gehörten neben zahlreichen langjährigen Wegbegleitern auch Hundeprofi Martin Rütter (56). Der bekannte Hundetrainer gratulierte Peters per Videobotschaft zur Auszeichnung und würdigte ihr langjähriges Engagement für den Tierschutz sowie ihren unermüdlichen Einsatz für Hunde mit Handicap.