Engagement über Grenzen hinweg: Das sind die Zuchtprogramme in Sachsens Tierparks und Zoos

Leipzig - Sachsens Zoos und Tierparks haben sich gewandelt. Anstatt Tiere in kleinen Käfigen zur Belustigung der Besucher zur Schau zu stellen, muss man heutzutage manches Tier in den oft großzügigen Gehegen schon suchen. Ziel des modernen Zoos ist es, artgerechtere Haltung mit Artenschutz zu kombinieren und der hört nicht an den sächsischen Zoomauern auf.

Beliebt bei Alt und Jung: Besucher stehen vor dem Eingangstor zum Zoo Leipzig in einer langen Warteschlange an.
Beliebt bei Alt und Jung: Besucher stehen vor dem Eingangstor zum Zoo Leipzig in einer langen Warteschlange an.  © dpa/Hendrik Schmidt

Zoo Leipzig:

Mit etwa einer Million Euro jährlich ist der Zoo Leipzig ein Big Player in Sachen Artenschutz. Er wirkt bei Erhaltungszuchtprogrammen von 97 Tierarten mit, unterstützt weltweit mehr als 25 Projekte und betreibt in Vietnam eine Affenauffang- und Auswilderungs-Station mit derzeit etwa 200 Primaten aus 15 Arten sowie das Freilandprojekt für Cat Ba Languren, besser bekannt als Goldkopflanguren. Die vom Aussterben bedrohte Affenart zählt nur noch 75 Tiere, die auf der Insel Cat Ba leben.

Ein weiteres Sorgenkind des Zoos ist das Sumatra-Nashorn, dessen internationales Zuchtbuch er führt. Nur noch weniger als 80 Tiere leben auf den Inseln Borneo und Sumatra. Zuchterfolge sind selten. Einen Einblick in die Artenschutzarbeit des Leipziger Zoos gibt die Videoreihe "Ausgeartet" auf dem YouTube-Kanal des Zoos.

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Zoo Dresden:

Der viertälteste Zoo Deutschlands verwaltet zwei Zuchtbücher und wirkt bei mehr als 30 Erhaltungszuchtprogrammen mit. Zudem flossen im Vorjahr etwa 250.000 Euro in mehr als zwölf regionale - zum Beispiel für den Erhalt der Bergwiesen im Osterzgebirge - und internationale Projekte wie den Sphenisco e. V. zum Schutz der gefährdeten Humboldt-Pinguine in Südamerika oder den Bukit Tigapuluh Nationalpark, der sich dem Schutz der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans, Tiger und Elefanten auf Sumatra widmet.

Jedes Projekt ist dabei an eine im Zoo lebende Tierart gekoppelt. Des Weiteren konnten 2020 erste Nachzuchten von Gänsegeiern auf Sardinien ausgewildert werden.

Kam zu seiner Pflegerin zurück: Saskia Keller (36) füttert einen Einäugigen in der Dresdner Wildvogelauffangstation.
Kam zu seiner Pflegerin zurück: Saskia Keller (36) füttert einen Einäugigen in der Dresdner Wildvogelauffangstation.  © Petra Hornig

Sachsens Zoos und Tierparks leiten zahlreiche Zuchtprogramme

Ein Roter Panda - auch Katzenbär genannt - frisst im Görlitzer Tierpark Bambusblätter.
Ein Roter Panda - auch Katzenbär genannt - frisst im Görlitzer Tierpark Bambusblätter.  © dpa/Matthias Hiekel

Naturschutz-Tierpark Görlitz:

Ein Roter Panda ziert das Logo des Tierparks Görlitz, der etwa 500 Tiere in knapp 100 Arten zählt. So gehört der putzige Bär, der in seiner asiatischen Heimat gefährdet ist, zu den 14 Erhaltungs-Zuchtprogrammen des Tierparks, ebenso wie Manul, Goldkopflöwenaffe, Fischotter, Indochinesischer Sika Hirsch, Persische Kropfgazelle, Blaukronenhäherling, Edwardsfasan und Zwergseidenaffe.

Außerdem unterstützt der Tierpark derzeit 24 internationale und regionale Projekte, beispielsweise zum Schutz des Wiedehopfs. Aber auch für seine Wildtierauffangstation und Storchen-Auswilderungen ist er bekannt. Für den Artenschutz bringt er jährlich etwa 26.000 Euro auf.

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Tierpark Bischofswerda:

Auch kleine zoologische Einrichtungen leisten ihren Beitrag zum Artenschutz. So beteiligt sich der Tierpark Bischofswerda, der 60 Tierarten hält, am Erhaltungszuchtprogramm für Ecuador Amazonen und unterstützt zudem mit Spenden die Lebensraumerhaltung in der Heimat der Vögel. Das Aushängeschild des Tierparks sind jedoch die Zuchterfolge bei den Steinkäuzen. Insgesamt schlüpften in den letzten Jahren 43 Käuzchen, die größtenteils ausgewildert und zur Wiederansiedlung in den Harz und zuletzt nach Dresden abgegeben wurden.

Amerika-Tierpark Limbach-Oberfrohna:

Auch der in Limbach-Oberfrohna ansässige Amerika-Tierpark mit 210 Tieren in 68 Arten beteiligt sich am Artenschutz, zum Beispiel mit fünf Arten am EEP. Dazu zählen die Humboldtpinguine, die Rotkopfgänse, die Kleinen Soldatenaras, die Amurleoparden und die Chaco-Pekaris.

Gleichzeitig spendet der Tierparkförderverein regelmäßig an Artenschutzprojekte für die Gelbbrustkapuziner-Äffchen.

Ortstermin am 13. Dezember 2021: Orang-Utan-Männchen Toni sitzt in seinem Gehege im Zoo Dresden und feiert seinen 30. Geburtstag.
Ortstermin am 13. Dezember 2021: Orang-Utan-Männchen Toni sitzt in seinem Gehege im Zoo Dresden und feiert seinen 30. Geburtstag.  © dpa/Hans Fineart

Artenschutz steht an erster Stelle

Pinguin Gunther sitzt auf einem Stein im Gehege des Amerika-Tierparks. Die Humboldt-Pinguine gehören hier zu den Besucherattraktionen.
Pinguin Gunther sitzt auf einem Stein im Gehege des Amerika-Tierparks. Die Humboldt-Pinguine gehören hier zu den Besucherattraktionen.  © Kristin Schmidt

Tierpark Chemnitz:

Der 1964 eröffnete Tierpark, zu dem auch das Wildgatter Oberrabenstein gehört, engagiert sich in verschiedenen Artenschutzprojekten, aber auch mehr als 25 Erhaltungszuchtprogrammen, unter anderem für den Amurtiger, den Goldgelben Löwenaffen, den Somali-Wildesel, das Zwergflusspferd, das Wisent, den Lisztaffen oder das Przewalskipferd. Von letzteren wurden in der Vergangenheit auch einzelne Exemplare für die Wiederansiedlung in der Mongolei abgegeben.

Tierpark Zittau:

Der Tierpark Zittau hat sich vor allem dem Schutz heimischer Arten verschrieben. So betreibt er eine Wildtierauffangstation, in der im letzten Winter 30 Igeln geholfen werden konnte. Zudem beteiligt er sich am Projekt der Schmetterlingswiesen und bietet zoopädagogische Projekte in seiner Zooschule sowie dem Umweltbildungs- und Naturerlebniscamp an.

Besonders am Herzen liegt dem Tierpark aber das Schicksal der Europäischen Nerze, und er beteiligt sich mit Jungtieren am Euronerz-Auswilderungsprojekt. Auch möglicher Nachwuchs der Steinkäuze soll perspektivisch ausgewildert werden.

Zoo Hoyerswerda:

1000 Tiere in 129 Arten leben im Zoo Hoyerswerda. Aushängeschild des Artenschutzes soll die Unterstützung der WildCats Conversation Alliance werden, welche sich für bedrohte Raubkatzen in Asien einsetzt. Da passt es, dass auch die China Leoparden im Zoo zum Europäischen Erhaltungszuchtprogramm gehören. Spenden für das Projekt sollen über den Artenschutzeuro generiert werden, der 2021 eingeführt wurde.

Aber auch heimische Tiere sollen profitieren. So unterstützt der Zoo die NABU Ortsgruppe Hoyerswerda und den Naturschutz Neschwitz e. V., der sich der Artenvielfalt in der Heide- und Teichlandschaft widmet.

Titelfoto: dpa/Hendrik Schmidt

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