Ukraine: Herzzerreißendes Video zeigt, wie Tennis-Profi flüchten muss

Odessa - Seit vergangener Woche ist in der Ukraine nichts mehr, wie es einmal war. Die russische Invasion ist in vollem Gange, die Menschen auf der ganzen Welt schauen entsetzt zu und bangen mit den Betroffenen in der Krisenregion.

Dayana (22, l.) und ihre Schwester Ivanna (15, r.) nach ihrer Ankunft in Lyon.
Dayana (22, l.) und ihre Schwester Ivanna (15, r.) nach ihrer Ankunft in Lyon.  © Screenshot / Twitter / D_Yastremska

So viele schreckliche Schicksale werden in diesen Tagen sichtbar. Stationen für Frühchen im Krankenhaus, die notdürftig in einen bombensicheren Keller verlegt werden. Menschen, die auf der Flucht nicht nur Familienmitglieder, sondern das ganze Hab und Gut zurücklassen müssen.

Jedes einzelne Schicksal dieser Ukraine-Krise ist eine Tragödie. Nun hat sich auch die Profi-Tennisspielerin Dayana Yastremska (21) auf Instagram zu Wort gemeldet und ihr eigenes Drama publik gemacht.

Am Wochenende verließ sie mit ihrer erst 15 Jahre alten Schwester Ivanna ihre Heimatstadt Odessa und musste dabei ihre Eltern zurücklassen.

Großangriff auf Region Charkiw: Ist das der Start der neuen Russen-Offensive?
Ukraine Großangriff auf Region Charkiw: Ist das der Start der neuen Russen-Offensive?

"Nachdem wir zwei Nächte in einer Tiefgarage verbracht haben, haben meine Eltern die Entscheidung getroffen, mich und meine kleine Schwester um jeden Preis aus der Ukraine rauszuschicken", schreibt die aktuelle Weltranglisten-Nummer 128.

Auf dem ersten Foto auf Instagram sieht man, wie sie und ihre Schwester in Trainingskleidung auf gepackten Koffern und Taschen sitzen. Die zweite Sequenz zeigt, wie Ivanna ein letztes Mal unter Tränen ihren Vater umarmt.

Ukraine: Dramatisches Video zeigt, wie Yastremska und ihre Schwester die Eltern zurücklassen müssen

Noch am 17. Februar hatte Dayana Yastremska (22) das Viertelfinale in Dubai erreicht. Danach flog sie nach Hause in die Ukraine.
Noch am 17. Februar hatte Dayana Yastremska (22) das Viertelfinale in Dubai erreicht. Danach flog sie nach Hause in die Ukraine.  © IMAGO / Claudio Gärtner

"Mama, Papa, wir lieben Euch über alles, passt auf Euch auf!!! Ich liebe Dich, mein Land! Ukrainer, passt auf Euer Leben auf", schreibt Dayana Yastremska weiter.

Auf einem dritten Video ist zu sehen, wie sie mit einigen anderen Menschen die Koffer zu einer Fähre im Hafen schieben. Von dem Boot aus winken sie später ihren Angehörigen zu, die sie zurücklassen mussten. Auch die Familie an Land wird gezeigt.

Dayana und Ivanna haben sich auf den Weg ins französische Lyon gemacht, wo beide trotz der schwierigen Umstände aktuell ein WTA-Turnier spielen.

Ukraine-Krieg: Belgien sagt Kiew 30 Kampfjets vom Typ F-16 zu
Ukraine Ukraine-Krieg: Belgien sagt Kiew 30 Kampfjets vom Typ F-16 zu

Im Einzel bekam Dayana eine Wild Card und trifft ab Dienstag in der ersten Runde auf die Rumänin Ana Bogdan (29).

Bereits am Montag gehen die Ukrainerin und ihre Schwester im Doppel an den Start.

Noch am 17. Februar stand Yastremska im Viertelfinale des WTA-Turniers in Dubai, wo sie eine Runde zuvor überraschend die French-Open-Siegerin Barbora Krejcikova (26) geschlagen hatte. In der Runde der letzten acht unterlag sie dann Marketa Vondrousova (22) mit 5:7 und 4:6.

In einem Interview mit der französischen Sportzeitung L'Équipe erklärt Dayana die Umstände ihrer Flucht.

Dayana Yastremska: "Mit ist das Blut in den Adern gefroren, als ich die Raketen habe einschlagen sehen."

Dayana Yastremska (22, 2. v. l.) und ihre Schwester Ivanna (15, r.) mussten ihre Eltern in Odessa zurücklassen.
Dayana Yastremska (22, 2. v. l.) und ihre Schwester Ivanna (15, r.) mussten ihre Eltern in Odessa zurücklassen.  © Collage: Screenshot / Instagram / dayana_yastremskay

"Nachdem ich vergangene Woche das Turnier in Dubai gespielt habe, hatten wir beschlossen, dass ich für einige Tage nach Hause zurückkehre, weil ich eine kleine Verletzung am Bein hatte. Ich wollte außerdem Zeit mit meiner Familie verbringen. Wir hatten Flugtickets für Lyon, wo ich eine Wild Card erhalten habe. Wir sollten am 24. Februar fliegen. An diesem Tag wurde unsere Heimatstadt Odessa bombardiert. Die Explosionen waren grauenhaft. Wir haben uns in der Tiefgarage unseres Wohnhauses versteckt und abgewartet. Auch die nächste Nacht haben wir dort verbracht. Es war wirklich beängstigend", beschreibt sie die bangen Momente.

Der Flugverkehr war mittlerweile eingestellt. "Der Krieg hatte begonnen. Dieser Krieg, ich habe ihn mit meinen eigenen Augen gesehen. Ich habe ihn gehört. Ich habe gesehen, wie schrecklich er ist. Mir ist das Blut in den Adern gefroren, als ich die Raketen habe einschlagen sehen. Du weißt nicht, wo sie hinfallen, Du weißt nicht, was Du tun sollst, alle sind in Panik und versuchen, sich zu verstecken", schildert sie ihre traumatischen Erlebnisse.

Kaum vorstellbar, wo sie und Schwester Ivanna ab Montag die Kraft hernehmen sollen, zur "Normalität" überzugehen und Tennis beim Turnier in Lyon zu spielen.

Ihr Vater sagte noch vor der Flucht: "Kämpft für uns und unseren Traum." Das werden die beiden versuchen, doch die schlimmen Bilder und Erlebnisse werden ewig bleiben und aktuell die große Angst um die eigenen Familienmitglieder, die sie hoffentlich bald wieder gesund in den Arm nehmen können.

Titelfoto: Collage: Screenshot / Instagram / dayana_yastremskay

Mehr zum Thema Ukraine: