Bergsteiger will in Todeszone von Mount Everest Foto schießen und begeht fatalen Fehler
Nepal - Als Madhusudan Patidar in der Todeszone des höchsten Berges der Erde ein Foto schießen wollte, beging er einen Fehler, der ihn noch lange verfolgen sollte. Der Bergsteiger reichte dem Mount Everest sprichwörtlich den kleinen Finger - und der Berg nahm ihn sich. Für immer.
An jenem Tag im Mai stand Patidar auf 8400 Metern Höhe und traf eine fatale Entscheidung: "Ich zog meinen äußeren Handschuh für vier Minuten aus, um meine Kamera einzustellen", schreibt der Mann aus dem indischen Indore in einem Instagrambeitrag. Zu diesem Zeitpunkt herrschten in der sogenannten Todeszone –35 Grad Celcius.
Der Bergsteiger beschreibt die Temperaturen als eine Kälte, die man nicht spürt. "Genau das ist das Problem", so der 29-Jährige. "Der Körper schaltet seine Abwehrkräfte ab, um das Herz zu schützen. Meine waren schon am Ende. Ich wusste es nur noch nicht."
Um die lebenswichtigen Organe zu schützen, zieht sich das Blut aus bestimmten Körperregionen wie Fingern, Zehen, Ohren und Nasen zurück. "Wenn die Finger kalt werden, ist der Schaden bereits angerichtet", sagt der Extremsportler. So auch bei ihm.
"Als ich das Basislager erreichte, wusste ich schon, dass etwas nicht stimmte", erinnert er sich gegenüber Need To Know. Sein linker kleiner Finger hatte Erfrierungen 3. Grades erlitten. Das Gewebe war bereits abgestorben, es gab nichts mehr zu retten.
Bergsteiger verliert Finger - weil er Foto auf Mount Everest machen wollte
Weil es in der Nähe keine spezialisierte Behandlung gab, musste Patidar den Abstieg antreten - was seine Verletzung noch verschlimmerte. "Es gab kein Krankenhaus auf der tibetischen Seite, das die Erfrierungen behandeln konnte, daher führte die Verzögerung dazu, dass sich die Erfrierungen noch weiter ausbreiteten."
Als er wieder in Indien war, reichten seine finanziellen Mittel nicht aus, um sich der dringend erforderlichen Behandlung zu unterziehen. Bis zur Operation vergingen drei Monate, in denen der Bergsteiger sogar noch zwei weitere Sechstausender erklomm. Alles mit einem schwarz gewordenen Finger.
Dieser war schlussendlich nicht mehr zu retten und musste amputiert werden. Viel schlimmer als der Verlust des Handgliedes waren die psychischen Folgen, so Patidar. "Ich hatte einen kurzen Moment der Unachtsamkeit mit dauerhaften Konsequenzen bezahlt."
Seine Leidenschaft gab er dennoch nicht auf. Was sich verändert hat, ist seine Herangehensweise. "Ich bin jetzt disziplinierter, was die kleinen Entscheidungen angeht – die, die sich im Moment nicht gefährlich anfühlen, aber schwerwiegende Folgen haben."
Acht Jahre sind seit seinem Abenteuer auf dem Mount Everest bereits vergangen, doch erst jetzt teilte Patidar das Schicksal seines kleinen Fingers auf Instagram. Vor allem um andere Bergsteiger zu warnen. Der Inder sei dem Berg für seine Lektion "für immer dankbar".
Titelfoto: Bildmontage/Screenshot/Instagram/adventurist_feed, Zhang Rufeng/Xinhua/dpa

