Von Christoph Sator
Bologna (Italien) - Nach dem Tod eines Einwanderers bei einem Polizeieinsatz in Bologna hat die Obduktion der Leiche zunächst keine klaren Ergebnisse gebracht. Die untersuchenden Ärzte hätten zahlreiche Quetschungen sowie Blut in der Lunge des Marokkaners festgestellt, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf mehrere Quellen.
Unklar sei jedoch, ob dies auf Gewalt der Polizei oder Wiederbelebungsmaßnahmen zurückzuführen sei. Der offizielle Bericht des Ärzteteams steht noch aus.
Der 42 Jahre alte Mann war am Sonntag bei einem Einsatz der Polizei in der norditalienischen Universitätsstadt ums Leben gekommen. Auf einem Video ist zu sehen, wie zwei Beamte den gefesselten Marokkaner minutenlang auf den Boden drücken und trotz seiner Bitten nicht von ihm ablassen.
Mehrere Sanitäter schauen zunächst tatenlos zu. Alle Wiederbelebungsversuche blieben später ohne Erfolg. Wegen des gewaltsamen Todes gab es seither in verschiedenen italienischen Städten immer wieder Proteste.
In Bologna kam es am Montagabend auch zu Ausschreitungen, bei denen nach offiziellen Angaben mehr als 60 Polizisten verletzt wurden.
Viele Demonstranten zogen Vergleiche zum Fall des Schwarzen George Floyd, der im Mai 2020 in den USA bei einem Polizeieinsatz starb.
Vorermittlungen gegen Polizisten und Sanitäter
Die rechte Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) versprach volle Aufklärung. Zugleich verurteilte sie die Krawalle. Gegen die beiden Beamten sowie gegen vier Sanitäter laufen Vorermittlungen.
Die Entscheidung, ob daraus formelle Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung oder anderer Vorwürfe werden, liegt bei der Staatsanwaltschaft.
Die Ermittler beschlagnahmten auch die Körperkamera (Bodycam) eines der beiden beteiligten Beamten sowie das Video, mit dem ein Nachbar die Szene