Hamburg - Zum offiziellen Eintritt von Philipp Büttner (34) als Tarzan im gleichnamigen Musical hat das Stage Theater "Neue Flora" in Hamburg am Donnerstag zum ersten Mal exklusive Einblicke hinter die Kulissen gewährt. Für einen Nachmittag lang durften auserwählte Fans und Medienleute hautnah erleben, wie anstrengend es ist, sich als Mensch wie ein Affe fortzubewegen – am Boden und in der Luft. TAG24 war mit dabei.
Los ging es mit einer Trainingseinheit im sogenannten "Ape-Movement", dem Herzstück der Show, wie Dance Captain Emilia Viglianesi betont.
Anhand einzelner Bewegungsabläufe lernt man nicht nur, sich wie ein Gorilla zu bewegen, sondern auch zu kommunizieren. "Das ist unsere Sprache auf der Bühne", so Viglianesi weiter.
In wochenlangem Training erlernen die Darstellenden nicht nur den berühmten Gang auf den Fingerknöcheln, mit dem sich Tarzan und seine Familie durch den Dschungel bewegen. Selbst scheinbar einfache Dinge wie das Sitzen folgen plötzlich anderen Regeln.
"Das Besondere an Tarzan ist, dass er von Gorillas aufgezogen wurde. Alles, was wir als Menschen kennen – wie bewege ich mich, wie verhalte ich mich, welche Normen gibt es im Umgang miteinander – das fehlt komplett", erklärt Philipp Büttner gegenüber TAG24.
"Das ist die Rolle, die am weitesten weg von mir persönlich ist – von allem, was ich je gespielt habe. Alle anderen Rollen wissen, wie man sich als Mensch verhält, und Tarzan hat das nie gelernt". Nach Hauptrollen in "Aladdin" und "Hercules" hat Büttner nun bereits zum dritten Mal die Titelrolle in einer Disney-Produktion übernommen. Vor allem "Hercules" habe ihn zumindest körperlich gut auf Tarzan vorbereitet.
"Die Show ist einfach knallhart und bedeutet jeden Tag Sport", so der 34-Jährige. "Gerade die Affenbewegungen sind extrem speziell und eine Belastung für den Körper, die man so nicht gewohnt ist." Die eigentliche Herausforderung liege jedoch in der Präzision der Show: "Das Fliegen, das Einklippen, die Positionen – alles muss exakt stimmen, damit es sicher ist. Dazu kommen die Gorilla-Bewegungen, ohne dabei Gesang und Schauspiel aus den Augen zu verlieren."
Philipp Büttner: "Das Fliegen ist einfach unglaublich"
Nach der ersten Einheit ging es weiter in den Proberaum des Orchesters, der bei Tarzan tatsächlich auch zur Live-Bühne wird – allerdings ohne Publikum. Denn die Musiker sitzen nicht wie gewohnt im Orchestergraben.
"Tarzan muss ja irgendwo landen, wenn er fliegt – dem sind wir zum Opfer gefallen", erklärt Hannes Schnauz, musikalischer Leiter der Produktion. "Das ist natürlich ein bisschen schade, weil uns der direkte Kontakt zum Publikum fehlt. Aber bei einer Flugshow lässt sich das nicht anders lösen."
Apropos Flugshow: Nach einer besonderen Live-Performance von Büttner gemeinsam mit dem Orchester ging es für die Dschungel-Neulinge im wahrsten Sinne des Wortes hoch hinaus.
Denn ein weiteres Herzstück von Tarzan ist die spektakuläre Luftakrobatik. An von der Decke hängenden Seilen – den Lianen – sind vor allem Präzision und enorme Körperspannung gefragt, um sich auch hier wie ein Affe zu bewegen.
"Das Fliegen ist einfach unglaublich. Diese Luftakrobatik jeden Abend über die Köpfe der Menschen – ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas mal mache. Es macht unglaublich Spaß und ist extrem erfüllend", so Büttner. Sein Lieblingsflug ist der Moment, nachdem Tarzan zum ersten Mal in seinem Leben einen Schuss hört und Jane sieht.
"Das ist etwas ganz Besonderes, weil es wirklich lange durchs Publikum geht. Man sieht die Menschen mit großen Augen dasitzen. Ich laufe durch die Zuschauer und fliege von dort wieder los. Und ich liebe es, wenn ich hinter den Reihen bin, kurz eine Bewegung mache und sehe, wie sich die Leute umdrehen."
Diese Flugszenen machen Tarzan als Musical auch in Sachen Zuschauerperspektive außergewöhnlich. Ausnahmsweise gelten nicht die Plätze in der ersten Reihe als die besten. Im Gegenteil: Wie TAG24 von einem Mitarbeiter erfuhr, werden sogar die ersten beiden Reihen auf dem Balkon empfohlen, denn dort starten oder enden viele der Flüge. Tickets gibt es unter stage-entertainment.de.