Hamburg - Mit zwei Tagen voller Musik auf dem Blohm+Voss-Werftgelände im Hamburger Hafen sowie Konzerten in der Elbphilharmonie, bestem Wetter und rund 19.000 Besucherinnen und Besuchern feierte das ELBJAZZ Festival nach einjähriger Pause ein erfolgreiches Comeback. Als krönender Abschluss spielte am Samstagabend Weltstar Tom Jones. Mit seinen 86 Jahren lieferte der Sänger im Rahmen seiner "Come Gather Round"-Tour eineinhalb Stunden eine stimmgewaltige Show, die nicht nur einmal für Begeisterungsstürme sorgte.
Für den besten Blick auf die Mainstage hatten viele Fans bereits mehr als eine Stunde vor Konzertbeginn ihre Campingstühle aufgebaut.
Andere verfolgten den Auftritt von den erstmals angebotenen Sitzplätzen, die allerdings nicht für jedes Budget infrage kamen.
Schon beim Betreten der Bühne entfuhr Jones angesichts der Menschenmenge ein leises "Wow".
Den Auftakt machte er – seinem Alter durchaus entsprechend – zunächst im Sitzen mit "I'm Growing Old", einem Song von seinem 2021 erschienenen Album "Surrounded By Time".
Für einen kurzen Moment wirkte es sogar, als müsse sich der Sänger eine Träne aus dem Gesicht wischen. Es war sein erster Auftritt in Hamburg seit 17 Jahren. Zuletzt hatte Jones im Oktober 2009 im Congress Centrum Hamburg (CCH) gastiert. "Es fühlt sich gut an, wieder da zu sein", begrüßte er das Publikum.
Zwar sang Jones davon, älter zu werden, doch auf der Bühne war davon kaum etwas zu spüren. Der Waliser bewegte sich erstaunlich agil, tanzte, lachte, genoss den Abend sichtlich und bewies, dass "The Tiger" immer noch in ihm steckt. Ein Spitzname, dem ihm aufgrund seiner energiegeladnen Auftritte (und vermutlich auch seinem ihm stets zugesprochenen Sex-Appeal) verliehen wurde.
Er animierte das Publikum auch immer wieder selbst, mitzusingen und mitzuklatschen. Und hatte dabei den ein oder anderen Scherz auf den Lippen. "Ich kann es selbst kaum glauben, aber ich bin 1940 geboren", sagte er schmunzelnd.
Kaum zu glauben war für viele im Publikum auch Jones Stimmgewalt, die am Samstag nicht ganze Räume, sondern mühelos den gesamten Hamburger Hafen einzunehmen schien.
Tom Jones kündigt weitere Tourneen an
Wo sein Alter dann doch bemerkbar wurde, war die musikalische Reise, auf die Jones seine Fans mitnahm.
Sie begann 1964 mit seinem ersten Nummer-1-Hit "It's Not Unusual". Es folgten Klassiker wie "What's New Pussycat?" und "Delilah" sowie bereits als sechster Song des Abends sein Megahit "Sexbomb".
Auch an musikalische (und bereits verstorbene) Weggefährten erinnerte Jones. Mit einer Cover-Version von "Kiss" gedachte er Prince, der 2016 gestorben war.
Nach dem Song verschwand Jones kurz hinter der Bühne, bevor er unter großem Jubel zur Zugabe zurückkehrte und "Green Green Grass of Home" anstimmte.
Zum Finale erzählte der 86-Jährige noch eine Anekdote über seine früheren Las-Vegas-Kollegen Elvis Presley (†1977). Der habe ihm einst gesagt, Chuck Berry (†2017) sei der wahre "King of Rock'n'Roll". Als Hommage spielte die Band anschließend "Johnny B. Goode".
Vor der Schlussverbeugung stellte Jones noch seine Band vor – allen voran seinen langjährigen musikalischen Leiter und Schlagzeuger Gary Wallis. "Wir sind viele Male gemeinsam um die Welt geflogen", so Jones, der direkt ankündigte, noch lange nicht in Rente zu gehen. "Wir planen, noch viele weitere Male gemeinsam um die Welt zu fliegen." Erstmal fliegt der 86-Jährige jetzt weiter nach Köln, wo er am Dienstag in der Lanxess Arena auftritt.
Einziger kleiner Wermutstropfen für einige Fans: Auf den Klassiker "She's a Lady" mussten sie an diesem Abend verzichten.
ELBJAZZ 2027: Der Vorverkauf ist gestartet
Auch die Festivalveranstalter zogen ein positives Fazit und sprachen von einem "erfolgreichen Comeback".
Bei der 13. Ausgabe des Festivals lag der Fokus wieder stärker auf Jazz, mit großen internationalen Namen ebenso wie mit Künstlerinnen und Künstlern aus der lokalen Szene.
Bereits am Freitag hatten unter anderem Jamie Cullum, Joss Stone und Chilly Gonzales zahlreiche Besucherinnen und Besucher auf die andere Elbseite beziehungsweise in die Elbphilharmonie gelockt.
Eines steht bereits fest: Das ELBJAZZ geht auch 2027 weiter. Das gaben die Organisatoren noch in der Nacht zu Sonntag bekannt. Das Festival findet am 9. und 10. Juli 2027 und der Vorverkauf mit Early-Bird-Tickets für beide Festivaltage ist bereits gestartet.
Neu ist allerdings das Konzept rund um die Elbphilharmonie: Die Konzerte dort werden 2027 nicht parallel zum Festival stattfinden, sondern als unterjährige Satellitenveranstaltungen.
Grund dafür sei die Spielzeitpause des Konzerthauses während des Festivalzeitraums