Hamburg - Über Jahre gehörte Anissa "Anni the Duck" Baddour zu den bekanntesten Streamerinnen Deutschlands. Millionen Menschen verfolgten ihre Inhalte auf YouTube und Twitch. Dann kam das Frühjahr 2024 und gleich zwei Menschen aus ihrem engsten Umkreis erhoben schwere Vorwürfe gegen sie. In der NDR-Talkshow "deep und deutlich" sprach die 28-Jährige jetzt erstmals ausführlich über die Folgen.
Damals hatte die Streamerin Mowky (35) ihrer ehemaligen besten Freundin unter anderem Missbrauch, Tierquälerei und psychischen Terror vorgeworfen.
Kurz darauf meldete sich dann auch noch ihre Ex-Freundin Reved (25) zu Wort und schilderte ihre mutmaßlichen (negativen) Erfahrungen aus der gemeinsamen Beziehung.
Es folgte eine Hasswelle in den sozialen Medien. Zahlreiche YouTuber griffen die Vorwürfe auf, kommentierten sie oder positionierten sich öffentlich gegen Anni.
"Das hat mir in jederlei Hinsicht den Boden unter den Füßen weggezogen", sagte sie im Gespräch mit Moderatorin Aminata Belli (34). "Die Dinge, die gesagt wurden, waren so gewählt, um mir meine gesamte Lebensgrundlage zu nehmen."
Nach eigener Darstellung verlor sie innerhalb kurzer Zeit nicht nur ihr öffentliches Ansehen, sondern auch ihre wirtschaftliche Existenz. Niemand wollte mehr mit ihr zusammenarbeiten.
"Die beiden wussten, dass ich gerade einen Kredit aufgenommen hatte, um mein Haus abzubezahlen. Ohne Einkommen musste ich das sofort wieder verkaufen. Ich bin immer noch unfassbar hoch verschuldet."
Was folgte, beschreibt Baddour als monatelange Phase der Isolation. "Die ersten Wochen waren ganz schlimm. Ich habe permanent Freunde oder Familie da gehabt. Die hatten wirklich Angst um mich, dass ich mir etwas antue."
Und das offenbar nicht ohne Grund: Die Streamerin entwickelte konkrete Suizidgedanken: "Ich war in einer Karaoke-Bar in der Mongolei und habe mir vorgenommen: noch ein Jahr. Ich habe ein Datum festgesetzt, an dem ich geplant habe, mich umzubringen. Der 28. September 2025." Ein Tag vor ihrem Geburtstag.
Anni the Duck: "Die Leute wollten sehen, dass ich kaputt gehe"
Die Entscheidung habe sich damals befreiend angefühlt: "Ich wusste, ich muss noch so lange und dann kann ich endlich frei sein [...]."
Gleichzeitig beschreibt sie eine Öffentlichkeit, die ihrer Wahrnehmung nach nicht auf Aufklärung, sondern auf ihren Zusammenbruch gewartet habe.
"Man hat einfach gemerkt: Die Leute wollten sehen, dass ich kaputt gehe." Viele hätten sich inzwischen entschuldigt. "Aber die Leute, von denen ich mir es wünschen würde, die Verursacher, die zeigen, so wie ich es mitbekommen habe, null Reue."
Lange Zeit habe sie deshalb keinen Sinn mehr darin gesehen, öffentlich Stellung zu beziehen. "Ich dachte, was soll passieren? Ich bin eh bald tot. Und mir glaubt ja eh keiner. Mir war alles egal."
Zum Glück kam es dann doch noch anders: Im Frühjahr 2025 veröffentlichte die Influencerin "Anri Rain" ein Video, in dem sie die gegen Anni erhobenen Vorwürfe kritisch betrachtete und auf Widersprüche hinwies.
Davon inspiriert nahm der YouTuber "Jay Riddle" Kontakt zu Baddour auf. Er begann, die Vorwürfe und die öffentliche Berichterstattung in einer mehrteiligen Videoreihe aufzuarbeiten. Die Serie erschien schließlich im April 2026 und erreichte ein Millionenpublikum.
Diese Videos hätten ihr etwas zurückgegeben, das sie lange verloren glaubte: Vertrauen. "Und dann habe ich einen Satz gehört, den ich lange nicht gehört habe: 'Ich glaube dir'." Diese drei Worte hätten ihr Leben gerettet.