Köln - Musiklegende Bruce Springsteen (76, "Born in the USA") bekommt nach seinem Protestsong gegen die US-Regierung Beistand von einem deutschen Kollegen: BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken (74) lobt die klare Haltung des 76-Jährigen.
In seinem Song "Streets of Minneapolis" singt Springsteen unter anderem von den "Schlägern" von "König Trump" - eine wenig versteckte Anspielung auf die brutale Vorgehensweise der US-Einwanderungs- und Grenzschutzbehörde ICE in Minneapolis, die mit Renée Good (†37) und Alex Pretti (†37) inzwischen schon zwei Todesopfer gefordert hat.
Dass sich Springsteen derart gegen die eigene Regierung stellt, kommt für Niedecken derweil nicht unerwartet. Schließlich sei der 76-Jährige "keiner, der sich duckt", sondern ein Mann "aus dem Volk", der die öffentliche Kritik "als seine Pflicht ansieht", meint der BAP-Frontmann im Interview mit dem WDR. "Ungerechtigkeiten - da muss der drüber schreiben. […] Das ist sehr selten, dass sich ein Künstler dermaßen positioniert."
Springsteen wisse, "was die Stunde geschlagen hat", führt Niedecken aus und ergänzt mit Blick auf die Unruhen im mittleren Westen der USA: "Wenn das noch weitergeht, haben wir irgendwann keine Freiheiten mehr. Das schwappt natürlich auch auf Europa über. Bei uns ist die AfD die zweitstärkste Partei, da muss man sich auch gegen stellen."
Dass es auch einige Kritiker gibt, die dem Musiker vorwerfen, Politik machen zu wollen, sieht Niedecken indes nicht als problematisch an. Jeder könne seine Meinung haben und vertreten, die USA seien immerhin ein demokratisches Land.
"Aber Bruces Entscheidung ist ja seine Entscheidung - und wenn er es macht, dann ist das in Ordnung."
Wolfgang Niedecken über Protestsong von Bruce Springsteen: "Irgendwie muss der Stein ins Rollen gebracht werden"
Zumal niemand gezwungen sei, sich den Song anzuhören. "Aber irgendwie muss der Stein ja ins Rollen gebracht werden", stellt Niedecken klar.
Dennoch sei ihm auch bewusst, dass ein Lied allein die Situation nicht ändern werde. "Wenn das so einfach wäre […], dann würde ich jeden Tag einen Song schreiben gegen irgendwelche furchtbaren Probleme. Aber das ist es nun mal nicht."
Der 74-Jährige wolle sich daher darauf konzentrieren, die Menschen dazu zu bringen, sich wieder selbstständiger über die politische Lage zu informieren. "Dann werden sie schon auf den richtigen Trichter kommen. Man kann nicht den Leuten alles vorkauen. Demokratie ist Arbeit", ist sich Niedecken sicher.