Hamburg - Unter dem Motto "Es reicht! Die Scham muss die Seite wechseln" haben am Donnerstag laut Veranstalter 22.000 Menschen auf dem Hamburger Rathausmarkt gegen sexualisierte (digitale) Gewalt demonstriert. Die Forderungen: mehr Schutz für Opfer und echte Konsequenzen für die Täter. Auslöser waren die von Collien Fernandes (44) erhobenen schweren Vorwürfen gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (50). Und obwohl die Moderatorin angekündigt hatte, aufgrund von Morddrohungen nicht teilnehmen zu können, stand sie dann doch plötzlich auf der Bühne.
Mit tosendem Applaus begrüßten die Teilnehmenden Collien Fernandes auf der Bühne, die sichtlich emotional berührt war.
Unter Tränen und mit zittriger Stimme wandte sie sich an die Menge: "Ich wollte hier herauskommen und stark sein, aber ich schaffe es gerade nicht! Ich glaube, dass insgesamt oft unterschätzt wird, wie fertig einen das alles machen kann."
Dennoch schaffte sie es wieder – entgegen ihrer eigenen Aussage – stark zu sein, für sich, aber auch all die anderen Betroffenen und machte auf ein "immense Dunkelfeld" aufmerksam.
"Nur fünf Prozent der partnerschaftlichen Gewalt wird angezeigt. Nur 2,4 Prozent der digitalen Gewalt", betonte sie. "Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste und mit Polizeischutz und mit Security, weil Männer – zu 100 Prozent Männer – mich killen wollen."
Vor diesem Hintergrund müsse man sich nicht wundern, "dass so viele Frauen eben nicht den Mut haben, herauszugehen und zu sagen, dieses und jenes wurde mir angetan." Dabei sollte die Verantwortung immer bei den Tätern liegen: "Ich frage mich, wenn man die Eier hat, seine Frau digital zu missbrauchen, sie gegen die Wand zu hauen oder was auch immer, warum hat man dann nicht die Eier zu sagen: 'Ja, ich war das, ja, ich hab das getan'."
Abschließend appellierte sie: "Ich wünsche mir, dass wir alle gemeinsam dieses Dunkelfeld erhellen. Lasst uns gemeinsam die Mauern des Schweigens einreißen."
Collien Fernandes spricht auf Demo gegen sexualisierte Gewalt
Lena Jensen: "Wir müssen endlich schaffen, dass das gar nicht mehr passieren kann!"
Organisiert wurde die Demo von der Initiative "Es reicht! Hamburg" rund um die Hamburger SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Annika Urbanski (31): "Wir haben, nachdem Collien am Donnerstag ihren Fall öffentlich gemacht hat, gemerkt, dass wir alle so wütend sind, dass wir auf die Straße gehen wollen".
Aus einem Mangel an Angeboten organisierte die Politikerin mit vier Freundinnen dann kurzerhand selbst eine Demo. Mit ihrem Engagement wollen sie gleichzeitig Mut machen: "Wir sind der festen Überzeugung: Wenn wir das geschafft haben, dann schafft das jede und jeder von euch auch, wenn ihr wütend genug seid und für etwas brennt."
Unterstützt wurde die Demo am Donnerstag unter anderem von Aktivistin Luisa Neubauer, Kolumnistin Alexandra Zykunov sowie Betroffenenvertreterinnen.
Unter den Demonstrierenden war auch Aktivistin und Influencerin Lena Jensen (32), die seit Jahren über Missbrauch und sexualisierte Gewalt aufklärt.
Gegenüber TAG24 sagte sie: "Wir haben ein strukturelles Problem und wir brauchen Hilfe von der Politik, wir brauchen Hilfe für Betroffene und wir müssen endlich schaffen, dass das gar nicht mehr passieren kann und dass die Täter auch dafür Konsequenzen tragen müssen."
Erstmeldung am 26. März um 19 Uhr, aktualisiert um 20.21 Uhr.