Herbert Grönemeyer macht seinem Politik-Frust Luft: "Es wird gefälligst mit uns gesprochen"

Berlin - Kritische Töne von Herbert Grönemeyer (69, "Angstfrei"): Der Sänger hat die fehlende Kommunikation der Politik mit den Bürgern beklagt.

Herbert Grönemeyer (69) hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg.
Herbert Grönemeyer (69) hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg.  © Christoph Soeder/dpa

"Wir sind nicht dämlich", sagte Grönemeyer im "rbb"-Podcast "Berlin Sounds Inside" der Journalistin Anja Caspary (61).

"Wir sind ein erwachsenes Volk, wie man an Geflüchteten und Menschen sieht, die wir aufgenommen haben", setzte der Musiker an, um dann nachzulegen: "Es wird gefälligst mit uns gesprochen. Wir wollen gerne wissen, worum es geht. Wir sind auch in der Lage, zu verstehen, wenn Dinge kompliziert sind, aber dann erklärt sie uns und tut nicht so."

Der gebürtige Niedersachse und langjährige Wahlberliner bezeichnete es demnach in eigenen Worten als "Kappes", wenn Politiker stattdessen "drei Wochen sagen, das ist alles furchtbar, und dann verkauft ihr uns das Gleiche vier Wochen später als eine super Idee".

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Herbert Grönemeyer Herbi mal anders: Grönemeyer gibt drei Konzerte mit dem Rücken zum Publikum

Der deutschen Gesellschaft bescheinigte Grönemeyer eine erwachsene Haltung. Das sei den Bürgern manchmal nicht bewusst, "weil das immer so niedergetreten wird". Viele Menschen hätten sich für Flüchtlinge eingesetzt und würden dies noch immer tun, ohne dass der 61-Jährige dabei Probleme bestreiten wolle.

Herbert Grönemeyer übt Kritik an Angela Merkel

"Wir schaffen das" ist bis heute Angela Merkels (71, CDU) markantester Satz.
"Wir schaffen das" ist bis heute Angela Merkels (71, CDU) markantester Satz.  © Sebastian Christoph Gollnow/dpa

"Logisch gibt's die. Das liegt aber auch daran, dass Frau Merkel nie kommuniziert hat", machte der "Der Weg"-Interpret seinen Standpunkt deutlich. "Ich bin da ziemlich streng, weil ich glaube, dass man wie bei jedem Thema und Problem ununterbrochen hätte kommunizieren müssen."

Zu dem historischen Satz der Ex-Kanzlerin vom September 2015 zur Flüchtlingskrise, mit dem sie ein Jahrzehnt prägte, fand Grönemeyer scharfe Töne: "Frau Merkel hat 16 Jahre nie kommuniziert, außer dass sie einmal den Satz gesagt hat: 'Wir schaffen das.' Danach wurde nicht mehr kommuniziert, und das kann man mit einer Gesellschaft nicht machen."

Weiter redete sich der Sänger in Rage: "Wir sind erwachsen, wir sind die Arbeitgeber, wir verstehen, wir sind nicht doof, sondern wir sind auch problembewusst. Wir können auch Dinge aushalten, wenn man uns das erklärt. Wenn man das nicht erklärt, nimmt man uns nicht ernst und hält uns alle für ein bisschen dämlich. Und das ist eine Unverschämtheit. Wir sind klüger als die."

Titelfoto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa, Christoph Soeder/dpa (Bildmontage)

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