Als Experte über 134.000 verschwundene Menschen spricht, verschlägt es Markus Lanz die Sprache

Hamburg - Am Mittwochabend sprachen die Gäste bei Markus Lanz (57) über den bisherigen Verlauf der Fußball-WM. Dabei berichtete der Lateinamerika-Experte Klaus Ehringfeld (62) über den Kampf gegen die allmächtigen und rivalisierenden Drogenkartelle in Mexiko, einem der Gastgeberländer des FIFA-Spektakels.

Klaus Ehringfeld (62) wurde live aus Mexico City ins Studio geschaltet.  © ZDF/Markus Hertrich

"Sie sagten, das ist eine WM im Kriegszustand in Mexiko, führen Sie einmal aus, warum?", fragte Lanz seinen Gast einleitend, der aus Mexiko-City dazugeschaltet wurde.

"Wenn ich auf den Straßen unterwegs bin, gibt es eigentlich keinen Tag, an dem ich keine Pickup-Trucks sehe mit schwer bewaffneten Männern der Nationalgarde, der Armee oder der Polizei", erklärte der Lateinamerika-Experte.

Die Regierung wolle damit das Bild vermitteln, dass Mexiko ein sicheres Land sei und man die Drogenkartelle unter Kontrolle habe. Dies entspreche jedoch nur bedingt der Wahrheit.

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"Sie haben 134.000 Menschen, die vermisst und verschwunden sind", erklärt Ehringfeld über die Folgen des brutalen Krieges zwischen den Drogen-Gangstern, die Menschen entführen und zwangsrekrutieren. "Sie wurden von den Kartellen irgendwo in Säure aufgelöst und existieren längst nicht mehr oder liegen in Massengräbern im Umkreis von fünf Kilometern eines WM-Stadions, das ist die eigentliche Tragik."

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Während die entführten Männer vor allem als Kanonenfutter in den blutigen Kriegen der Kartelle dienen, werden entführte Frauen in Mexiko häufig zur Prostitution gezwungen. (Archivfoto)  © Jair Cabrera Torres/dpa

Angehörige der Verschwundenen suchen nach sterblichen Überresten

Schwer bewaffnete Einheiten der mexikanischen Nationalgarde sichern das WM-Stadion in Guadalajara. Nur wenige Kilometer entfernt wurden im Februar knapp 500 Müllsäcke mit menschlichen Überresten gefunden.  © kyodo/dpa

"Wahnsinn", entfuhr es dem ZDF-Gastgeber an dieser Stelle, der sich kurz sortieren musste. "Das hält eine Gesellschaft kaum aus. Wie geht man da als Regierung mit um, wenn man erklären muss, wo 134.000 junge Menschen sind?"

Ehringfeld antwortete: "Die Regierung erklärt das eigentlich gar nicht." Im gesamten Land gebe es über 200 Kollektive von Angehörigen der Verschwundenen, die auf eigene Faust mit Spitzhacken, Sonden und Drohnen loszögen, um nach den Massengräbern zu suchen.

"Man hat das Gefühl, da ist ein ganzes Land im Würgegriff dieser Kartelle", sagte Lanz. "Könnten die diese WM auch vor die Wand fahren lassen?"

Laut Ehringfeld seien die Kartelle durchaus dazu in der Lage, auch wenn es nicht in ihrem Interesse liege: "Wir haben das im Februar gesehen, als der Kartell-Boss El Menscho geschnappt und später getötet wurde, da haben die Kartelle gezeigt, dass sie das Land lahmlegen können."

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