Nach der Kaisermania-Absage: Droht Dresden jetzt die nächste Sommer-Pleite?

Dresden - Schon wieder fällt die Kaisermania wegen Corona aus - nach erneuter Absage der Konzerte mit Schlagerstar Roland Kaiser (69) am Elbufer droht uns jetzt schon die zweite musikalische Sommer-Pleite.

Schock für Fans: Schon wieder musste die Kaisermania abgesagt werden.
Schock für Fans: Schon wieder musste die Kaisermania abgesagt werden.  © Imago/Andreas Weihs

Mit Deichkind, Mark Forster, Silbermond und nun auch Roland Kaiser mussten bereits große Künstler ihre Open-Air-Auftritte am Elbufer auf Sommer 2022 verschieben. Nicht zum ersten Mal, denn die Konzerte wären bereits der Ersatz für die Corona-Ausfälle im vorigen Jahr gewesen.

Hauptproblem für Veranstalter, die Hygienekonzepte mit Mindestabständen erstellen müssen, ist der begrenzte Platz. Bei den Filmnächte-Konzerten sind maximal gut 1500 Besucher erlaubt. Zu wenige für eine Kaisermania (12.000 pro Konzert).

"Es sind besondere Bedingungen, aber wir machen das Beste draus", sagt Sprecherin Daniela Möckel (25). So spielen (Stand jetzt) im August die Rockbands "Seilschaft" und "Milliarden" für Genesene, Getestete oder Geimpfte (GGG).

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Bei unter 1000 Zuschauern werden aktuell weder Test noch Maske benötigt. Am Elbufer sind das alle Filmvorführungen (regulär wäre Platz für 3500 Zuschauer) oder auch die DJ-Shows "Juicy Sunday".

"Wir sehen, dass die Leute dankbar sind, dass es überhaupt etwas gibt", so Möckel. Auch der Palais Sommer (Platz für maximal 5000 Gäste, Eintritt frei) lässt nur noch 999 Zuschauer zeitgleich hinein, musste so immerhin noch kein Konzert abblasen.

Auch abgesagt: Silbermond mit Sängerin Stefanie Kloß (36).
Auch abgesagt: Silbermond mit Sängerin Stefanie Kloß (36).  © Imago/Andreas Weihs
Sänger Mark Forster (38) kommt dieses Jahr auch nicht nach Dresden.
Sänger Mark Forster (38) kommt dieses Jahr auch nicht nach Dresden.  © Imago/Andreas Weihs
Filmnächte-Sprecherin Daniela Möckel (25).
Filmnächte-Sprecherin Daniela Möckel (25).  © Thomas Türpe
Der Eintritt für Konzerte im Palais Sommer ist möglich, aber auf 999 Besucher begrenzt.
Der Eintritt für Konzerte im Palais Sommer ist möglich, aber auf 999 Besucher begrenzt.  © Norbert Neumann

"Für uns ist die Situation katastrophal und längst nicht kostendeckend!"

Veranstalter Rodney Aust (49) nennt die Lage "katastrophal".
Veranstalter Rodney Aust (49) nennt die Lage "katastrophal".  © Petra Hornig

Auf der Freilichtbühne Junge Garde (regulär 5000 Plätze) mussten fast alle großen Auftritte wie die von Adel Tawil, Johannes Oerding oder James Blunt abgesagt oder verschoben werden. Erlaubt sind rund 1500 Zuschauer mit Bestuhlung.

Es treten vor allem Comedy-Acts auf. So spielen etwa Jürgen von der Lippe, Stand up 44 mit Felix Lobrecht, Uwe Steimle oder auch die Band Revolverheld und Peter Maffay.

"Für uns ist die Situation katastrophal und längst nicht kostendeckend", sagt Veranstalter Rodney Aust (49). "Es gibt leider weder einheitliche noch verbindliche Perspektiven."

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Er fordert, dass Konzerte unter freiem Himmel "angesichts steigender Impfungen und sinkender Klinik-Bettenbelegung für GGG-Gäste wieder unter voller Auslastung der Spielstätten genehmigt werden".

Die aktuelle Corona-Verordnung gilt noch bis 25. August.

Konzerte für rund 1500 Personen gibt's in der Jungen Garde.
Konzerte für rund 1500 Personen gibt's in der Jungen Garde.  © Andreas Weihs

Kaisermania: Gastwirte und Hoteliers leiden unter Konzert-Aus

Tourismus-Profi Johannes Lohmeyer (57) bewertet die Kaisermania als touristisches Zugpferd.
Tourismus-Profi Johannes Lohmeyer (57) bewertet die Kaisermania als touristisches Zugpferd.  © Petra Hornig

Nicht nur Fans sind enttäuscht. Auch Gastro und Hotellerie leiden unter der "Kaisermania"-Absage. Vier verschobene Konzerte bedeuten erhebliche Umsatzeinbußen.

"Die Kaiser-Konzerte sind für uns nach dem Striezelmarkt das größte Event des Jahres", bestätigt Hilton-Generalmanager Markus Rapatz (42). "Wir waren an diesen Wochenenden zu 75 Prozent mit Kaiser-Fans belegt."

Auch, weil "Roli" seit Jahren im Hilton übernachtet. "Seit der Absage klingelt unser Telefon ununterbrochen. Zum Glück wollen die meisten Fans nicht stornieren, sondern für Kaisermania 2022 umbuchen."

Johannes Lohmeyer (57), Hotelier und Chef des Dresdner Tourismusverbands, schätzt: "Ein Tourist gibt ein Drittel seiner Tagesausgabe für die Übernachtung aus, ein weiteres Drittel in der Gastronomie und beim Shoppen, das restliche Drittel für Transfer und Kultur."

In einer letzten Erhebung vor sechs Jahren habe der Tagesumsatz bei 180 Euro pro Tourist gelegen.

"Es sind Tausende Gäste, die vor den Konzerten noch bei uns waren - und die jetzt fehlen!"

Die Dresdner Gastronomie (im Foto das Restaurant "Zum Schwan" am Neumarkt) hatte sich schon auf die Konzert-Touristen gefreut.
Die Dresdner Gastronomie (im Foto das Restaurant "Zum Schwan" am Neumarkt) hatte sich schon auf die Konzert-Touristen gefreut.  © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Auch Neumarkt-Wirt Maik Kosiol (54, "Zum Schwan") bedauert die Absage: "Ich habe auf Konzert-Touristen gehofft, die bei uns einkehren."

Wenige Meter weiter ist der Chef ebenfalls enttäuscht: "Wir hatten zur Kaisermania immer Rekord-Umsätze", erinnert sich Arturo Gevorgyan (51), dessen Classico Italiano und Champagner Lounge nicht nur nach den Konzerten immer rappelvoll waren.

Berthold Kalisch (54), der seinen "Augustusgarten" direkt neben dem Filmnächte-Gelände betreibt, sagt: "Es sind Tausende Gäste, die vor den Konzerten noch bei uns waren - und die jetzt fehlen."

Als Trost für die Fans sollen im Biergarten an den Konzerttagen wenigstens Kaiser-Hits laufen.

Titelfoto: Bildmontage: Imago/Andreas Weihs, Petra Hornig

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