Von Martin Oversohl
Berlin - Dingdong, es klingelt. Mal wieder. Vor 17 Jahren steht das Känguru zum ersten Mal vor der Tür von Ich-Erzähler und Autor Marc-Uwe Kling (44), um sich Eier für den Eierkuchen zu borgen. Und Salz. Und Milch, Mehl, Öl, auch eine Pfanne und den Herd.
Drei weitere Textsammlungen zum kommunistischen, vorlauten Beuteltier mit Hang zur Anarchie hat Kling seither zusammengeschrieben - und sich zuletzt acht Jahre Anlauf für die neuen Känguru-Eskapaden zwischen zwei Buchdeckeln gegönnt.
Mit Eierkuchen ist es im neuen fünften Band mit dem Titel "Die Känguru-Rebellion" nicht mehr getan.
Die Weltlage ist als Thema gerade gut genug ("Vier Fünftel Kapitalismus, ein Fünftel Imperialismus"), die digitale Revolution wird ausgerufen, Medienkonzerne und Social-Media-Plattformen werden gedisst und Luthers Thesen gezählt, während das Känguru in der Hängematte eine weitere Schnapspraline auspackt und genussvoll verzehrt.
Mit einer Selbstverständlichkeit setzt sich das Känguru über Wünsche und Gefühle der Menschen nonchalant hinweg und verteilt sein Wissen ungefragt: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (59) und Bundeskanzler Friedrich Merz (70) bekommen genauso ihr Fett weg wie die AfD und die steinreichen Tech-Mogule um Elon Musk (54), die Banken und Versicherungen, die Bahn, TV-Moderator Markus Lanz (56) und die Sprachpäpste.
Auf rund 280 Seiten holt Kling zu diesem Rundumschlag aus gegen alles, was ihm suspekt ist - und er tut das gut recherchiert.