Kriegsreporter Paul Ronzheimer: Bei dieser Frage zitterte selbst seine Stimme
Bremen - Am Freitagabend war Kriegsberichterstatter Paul Ronzheimer (40) zu Gast bei "3nach9" und erzählte von einer Frage an den iranischen Außenminister, bei der seine Stimme zitterte.
Der 40-Jährige wollte eigentlich immer nur Journalist werden, Reporter sein, ganz klassisch Geschichten erzählen. "Das mit dem Krieg und der Krise ist mehr oder weniger einfach passiert", erzählte Ronzheimer.
Damals, 2013, sei er in der Ukraine gewesen, habe von den Protesten, der Krim-Annexion und dem Krieg in der Ostukraine berichtet. "Und plötzlich war ich Kriegs- und Krisenreporter. Es war auch nie so, dass ich als Kind gedacht habe, das möchte ich unbedingt werden", sagte der stellvertretende Chefredakteur der BILD.
Der 40-Jährige wäre bei seinem Job fast schon ums Leben gekommen. Die Radio-Bremen-Talkshow blendete eine Sequenz ein, in der zu sehen ist, wie das Auto des Reporters von Kugeln getroffen wird. Russische Soldaten seien es gewesen, die das Fahrzeug in Beschuss genommen hatten.
Trotz Ronzheimers gefährlicher Berichterstattung aus Kriegsgebieten zeigte sich Moderator Giovanni di Lorenzo (66) besonders von einer Frage beeindruckt, die der Journalist 2019 dem damaligen iranischen Außenminister stellte.
Warum Homosexuelle im Iran hingerichtet werden, wollte der Reporter wissen, der selbst offen schwul lebt.
Giovanni di Lorenzo spricht Paul Ronzheimer seinen Respekt aus
"Das ist extrem spontan passiert. Das war eine Reise mit dem deutschen Außenminister damals, Heiko Maas", erinnert sich der Ostfriese.
Er habe kaum Zeit gehabt, sich vorzubereiten und thematisch sei alles sehr auf die deutsche Wirtschaft fokussiert gewesen. "Und mich haben schon damals die Menschenrechte beschäftigt", so Ronzheimer.
Er habe die Frage nicht gestellt, nur weil er schwul ist. "Aber natürlich war es für mich dann etwas Besonderes in dem Moment. Also ich erinnere, wie da auch meine Stimme gezittert hat. Es war ja eine Pressekonferenz mit iranischen Journalisten, dann der iranische Außenminister, der deutsche Außenminister", erzählt er.
Das iranische Staatsfernsehen zeigte die Frage nicht, andere haben es übertragen. "Und diese Reaktion des iranischen Außenministers. Ja, er hat gesagt, man habe eben andere moralische Werte. Und deswegen sei das eben so", erinnert sich der Kriegsreporter.
Für diese Frage, diesen Auftritt, sprach di Lorenzo dem 40-Jährigen seinen Respekt aus.
Wer "3nach9" verpasst hat, kann die Sendung in der ARD-Mediathek nachschauen.
Titelfoto: Annette Riedl/dpa

