Markante Socke am Tatort vergessen: Wird Biancas (†48) Killer endlich geschnappt?
Köln - Um sich und ihre Familie finanziell besser aufgestellt zu wissen, arbeitet Bianca Bersch (†48) alias "Yvonne" unter der Woche als Prostituierte. Eines Tages reißt der Kontakt mit ihrem Mann und Sohn ab. Und die schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich.
Während ihr Mann im gemeinsamen rheinland-pfälzischen Haus lebt, verdient Bianca als Sexarbeiterin in Köln gutes Geld, hat sich dafür ein Apartment im Belgischen Viertel gemietet und bietet ihre sexuellen Dienstleistungen unter ihrem Alias "Yvonne" an.
So auch im Juli 1992. Über Anzeigen in der Zeitung "Express" oder Mund-zu-Mund-Propaganda finden auch an jenem Freitag wieder Freier den Weg in die Brabanter Straße 50. Einer ihrer Kunden hat jedoch kein Schäferstündchen im Sinn.
Weil sich seine Mutter nicht meldet, macht sich Biancas Sohn am 3. Juli 1992 auf den Weg ins 70 Kilometer entfernte Köln. Mit einem Zweitschlüssel betritt er die Wohnung und findet die blutüberströmte Leiche der 48-Jährigen.
Umgehend beginnt die Tatortarbeit. Mit wichtigen Erkenntnissen. "Wir konnten am Tatort DNA-Spuren sichern, die wir sicherlich dem Täter zuordnen können", sagte Markus Weber von der Kripo bei seinem letzten Besuch in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY", bevor er in den Ruhestand geht.
Aber damit nicht genug!
Aktenzeichen XY: Auffällige Tennissocke gehörte wohl dem Mörder
Eine zentrale Rolle in dem Cold Case spielt auch eine weiße Tennissocke mit der Aufschrift "SPORT" und einem ungewöhnlichen braun-blau-gelben Farbmuster in Größe 39–42. Die Ermittler glauben, dass sie dem Täter gehörte.
Kriminaltechniker fanden auf ihr Abriebspuren von Schuhen, Rückstände von Schweißarbeiten und Lackspuren. "Der Täter dürfte regelmäßig knöchelhohe schwarze Arbeitsschuhe getragen haben", so Weber.
Zudem wurden an der Leiche blaue Faserspuren festgestellt, die auf eine Handwerkerkleidung ("Blaumann" oder blaue Arbeitshose) schließen lassen.
Außerdem wurde ein Bund mit drei Schlüsseln gefunden, der nicht dem Opfer gehörte. Einer davon hatte den Aufdruck "Schlüsseldienst Többen Köln 72 52 86". Aber: nicht ausgeschlossen, dass er einem Freier gehörte, der nichts mit der Tat zu tun hat.
Aus dem Besitz der 48-Jährigen fehlten neben Bargeld zudem eine weiße Jeans und ein blaues Hemd. Möglicherweise hat es der Täter angezogen, um den Tatort nicht mit seiner höchstwahrscheinlich blutverschmierten Kleidung verlassen zu müssen. Wenn dem so war, dürfte es sich um einen schlanken und eher kleinen Mann handeln.
Rund 30 Hinweise nach XY-Ausstrahlung
Ein Kölner Polizeisprecher bestätigte TAG24 am Donnerstag, dass seit Sendungsbeginn zwischen 20 und 30 Hinweise eingegangen sind, die nun aber zunächst überprüft werden müssen.
Dazu zählt auch ein vielversprechender Anruf eines Mannes, der behauptet, ein Kumpel habe ihm in den 90er-Jahren den Mord an einer Prostituierten gestanden.
Die Staatsanwaltschaft wollte "zum Schutze der akut andauernden und sehr sensiblen Ermittlungen" keine weiteren Details in dem Fall nennen, teilte Sprecher Sinan Șengöz TAG24 mit.
Hinweise in dem Fall gebt Ihr bitte der Kripo Köln unter der Telefonnummer 0221/2290 weiter. Insbesondere Freier, die bisher nicht mit der Polizei gesprochen haben, werden gesucht. Die Aufklärung der Tat wird mit 5000 Euro honoriert.
Die aktuelle XY-Folge vom 6. Mai findet Ihr auf Abruf in der ZDFmediathek. Eine neue Ausgabe der Fahndungssendung wird am 3. Juni ab 20.15 Uhr ausgestrahlt.
Titelfoto: Bildmontage: Kripo Köln (2) ; ZDF

