Hartz-IV-Paar sucht Jobs: "Leuten, die nicht arbeiten wollen, das Geld streichen!"

Halle (Saale) - Raus aus der Armut, weg vom Amt. Die Hartz-IV-Bezieher Tina (29) und Heiko (35) aus Halle-Neustadt wollen sich und vor allem ihren drei Kindern ein besseres Leben ermöglichen und suchen dringend nach festen Arbeitsstellen. 

Heiko (35), Tina (29) und ihre Kinder Jasmin (11, l.), Lena (9) und Pascal (4, hinten) müssen jeden Cent zweimal umdrehen.
Heiko (35), Tina (29) und ihre Kinder Jasmin (11, l.), Lena (9) und Pascal (4, hinten) müssen jeden Cent zweimal umdrehen.  © RTLZWEI

Im Urlaub waren sie noch nie, höchstens bei Bekannten in Jessen, Osnabrück und Gelsenkirchen. Das Meer und den Strand habe sie noch gesehen, sagt die älteste Tochter Jasmin (11) in der RTLZWEI-Sendung "Armes Deutschland". "Es ist zu teuer für fünf Personen", überschlägt ihre Mama. "Wir fahren dann halt zu Freunden, das ist auch wie Urlaub - wir sind von Zuhause weg."

Unglücklich seien sie dennoch nicht, sagen die Geschwister Jasmin und Lena (9), die nach der Schule meistens in die Nachmittagsbetreuung "Schnitte" in dem Plattenbau-Hochhaus-Stadtteil gehen. 

Betreuerin Kerstin Beller kennt die Kinderarmut in Neustadt. "Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, sieht man das. Viele Kinder sind allein unterwegs. Da fehlen die Mittel, die Zeit, der Wille. Mich macht das traurig, mir tun die Kinder leid. Sie haben Wünsche, die nicht umgesetzt werden."

Halle nimmt in Sachsen-Anhalt den traurigen Platz 1 in Sachen Arbeitslosigkeit ein, rund jeder Fünfte hier lebt vom Amt. In manchen Stadtteilen leben bis zu 70 Prozent der Kinder in Hartz-IV-Familien!

Keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, "weil ich damals zu faul war"

Für seinen Nachwuchs sammelt der 35-jährige Aufstocker aus Halle-Neustadt Kupfermünzen.
Für seinen Nachwuchs sammelt der 35-jährige Aufstocker aus Halle-Neustadt Kupfermünzen.  © RTLZWEI

Der fünfköpfigen Familie stehen 1504 Euro monatlich zur Verfügung. Von seinem Minijob in der Pfandannahme eines Einkaufsmarkts, in dem er zweimal wöchentlich arbeitet, darf er nur 130 Euro behalten. 

Trotzdem sagt er: "Um unseren Kindern mehr bieten zu können, sind wir uns für keinen Job zu schade." Eine Ausbildung hat der Aufstocker nicht gemacht, nicht einmal einen Schulabschluss hat er in der Tasche. Doch er zeigt Reue.

"Ich bin mit 15 von der Schule, habe keinen Abschluss und keine Ausbildung, weil ich damals ein bisschen zu faul war. Hätte ich das lieber mal gemacht." Sein langfristiges Ziel sei es, trotz seiner 35 Jahre eine Ausbildung als Verkäufer zu machen.

Durch seine gesundheitlichen Beschwerden (Bluthochdruck, Herzklappenfehler, Diabetes) könne er nicht überall arbeiten. "Wichtig ist doch, dass man Geld selbst erwirtschaftet und nicht das vom Amt hat", so Heiko, der dafür mehrere Jahre mit noch weniger Geld auskommen müsste.

Auch für seine Kinder ist er sich dafür aber nicht zu schade. "Ich würde meinen Kindern sehr gern viel mehr bieten, als ich jetzt kann." Deswegen kann er nicht verstehen, wie sich andere Erwachsene so gehen lassen und auf der faulen Haut liegen. "Von Leuten, die Hartz IV beziehen und nicht arbeiten wollen, würde ich das Geld streichen. Ihr seid's nicht wert", wird der 35-Jährige deutlich.

Heiko bekommt Job in Großküche

Im Sozialkaufhaus sucht Mama Tina (M.) eine neue Hose für Jasmin (l.). Nur wenige Euro stehen dafür zur Verfügung.
Im Sozialkaufhaus sucht Mama Tina (M.) eine neue Hose für Jasmin (l.). Nur wenige Euro stehen dafür zur Verfügung.  © RTLZWEI

Die gelernte Hauswirtschafterin Tina will ihren Kindern ein gutes Vorbild sein und endlich wieder arbeiten gehen. 

Auf einer Job-Messe will sie mit Partner Heiko Kontakte knüpfen und sich über mögliche Jobs informieren. Während sich die 29-Jährige eine Arbeit als Alltagspflegekraft vorstellen kann, stellt sich Heiko eine Verkäufertätigkeit vor.

Zurück daheim zeigt der Papa die Münzsammlung für seine Töchter. 1-, 2- und 5-Cent-Stücke wandern dort einmal wöchentlich hinein, zweimal im Jahr bringt er sie zur Bank. "Wenn sie mal ausziehen, dass sie Geld haben und nicht vom Amt leben oder betteln müssen." So kommen im Schnitt pro Kind 70 Euro jährlich zusammen - immerhin. 

Tochter Jasmin lernte schon früh, genau aufs Geld zu schauen, hört sich aber auch schon wie eine Erwachsene an: "Wenn man viel Geld hat, ist das schon schön. Aber das macht einen auch nicht gerade glücklich. Das kann man auch mit weniger."

Ihr Papa bekommt in der Folge noch ein Bewerbungstraining und stellt sich in der Essensausgabe einer Kita vor. "Das wird nichts", teilte er seiner Familie danach traurig mit - aber nur, um hinterher zu schieben: "Dafür hab ich einen Job in der Großküche." In Teilzeit arbeitet er so 80 Stunden im Monat und freute sich darüber tierisch.

Titelfoto: RTLZWEI

Mehr zum Thema TV & Shows:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0