Nadine (37) will Rente haben: "Schlimm, dass man sich so rechtfertigen muss"
Seesen - "Sind die Deutschen zu faul?" fragt eine aktuelle Reportage des ZDF. Und trifft ein arbeitsloses Paar aus Niedersachsen, das sich zur Aufgabe gemacht hat, jeden möglichen Zuschuss zu beantragen.
Nadine Linow-Witt (37) und Ronny Linow aus dem Landkreis Goslar beziehen Grundsicherung beziehungsweise Bürgergeld, kriegen 1580 Euro monatlich überwiesen und ihre Miete bezahlt. Mitte Dezember 2025 erhielt der Arbeitslose zudem die Zusicherung einer Erwerbsminderungsrente - wegen einer psychischen Erkrankung.
Für ihn sei die Bewilligung eine "Zufriedenheit", wobei der Fakt, nicht arbeiten zu können, keine Freude darstelle.
Bis April vergangenen Jahres stand auch seiner Ehefrau Erwerbsminderungsrente zu, in ihrem Fall wegen der chronischen Fettverteilungsstörung "Lipödem", von der nahezu ausschließlich Frauen betroffen sind.
Die Zahlung endete, weil ein Gutachter bestätigte, dass die 37-Jährige trotz Erkrankung sechs Stunden täglich arbeiten könne. "Wenn sie mich auf den Arbeitsmarkt schicken, würden wir uns im Kreis drehen. Ich würde es bestimmt einen Tag mitmachen, um zu zeigen, dass ich will - daran liegt es nicht. Aber mein Körper macht es halt nicht mit. Das wär ein ewiger Kreislauf mit Krankenschein, hin und her."
Bürgergeld-Empfängerin Nadine kann nicht länger als zwei Stunden täglich arbeiten
Nach eigenen Angaben könne sie es nicht länger als zwei Stunden aushalten. Ihre Schmerzen seien aufgetreten, als sie nach 15-jährigem Cannabis-Konsum aufgehört habe.
"Ich finde es schlimm, dass man sich vor jedem Menschen so rechtfertigen muss. Ich würde arbeiten, aber ich bin halt krank."
Ehemann Ronny soll sich nun kümmern, dass Nadine auch weiterhin die Rente bekommt - dank jahrelanger Erfahrung mit Ämtern, Anträgen und Formularen kennt er sich schließlich bestens aus.
Er finde es "äußerst ungerecht, wie man sozial Benachteiligte behandelt", sagt der Niedersachse. "Daher habe ich den Drang danach, das zu verstehen und umzusetzen." Stundenlang beschäftigt er sich täglich mit Gesetzesbüchern, in denen er spannende Passagen markiert, um noch mehr Zuschüsse zu erhalten.
Die komplette Reportage, in der auch Arbeitgeber auf der Suche nach Personal und Geringverdiener zu Wort kommen, steht in der ZDFmediathek zum Abruf bereit.
Titelfoto: ZDF/Valentin Wessely

